Panik auf mehreren Ebenen

🧭 Übersicht

Alien-Horror, geheime Ziele und eine Marsstation, auf der erwartbar gar nichts gut läuft?

Klingt eigentlich genau nach einem Spiel, bei dem wir früher oder später schwach werden mussten.

Von der Nemesis-Reihe hatten wir schon länger viel gehört. Gerade auf dem Brettzeit-Kanal und im dazugehörigen Discord war der Titel immer wieder Thema. In die Kampagne zum neuesten Teil „Nemesis: Retaliation“ sind wir trotzdem nicht eingestiegen.

Warum eigentlich nicht?

Wahrscheinlich war es eine Mischung aus mehreren Fragen:

  • Soll man wirklich mit dem neuesten Teil starten?
  • Welcher Teil wäre überhaupt der richtige Einstieg?
  • Und ist ein Alien-Setting eigentlich schon das Richtige für Maja und Josef?

Ganz losgelassen hat uns die Reihe aber nie.

Und dann kamen vor ein paar Wochen ein paar Dinge zusammen:

  • ein Brettspielwochenende mit Freunden stand an
  • bei Awaken Realms / Gamefound lief ein Sale zu Sundrop-Überproduktionsbeständen
  • Nemesis selbst gab es nur auf Polnisch oder Spanisch
  • Nemesis: Lockdown dagegen mit Kickstarter-Stretch-Goals auf Deutsch

Also war klar:

👉 Jetzt wird zugeschlagen.

Inzwischen haben wir mehrere Partien gespielt:

  • eine Partie zu fünft beim Brettspielwochenende
  • eine weitere Partie zu dritt in klassischer Hügelzelter-Besetzung

Und vorweg:

👉 Nemesis: Lockdown hat bei uns einen richtig starken ersten Eindruck hinterlassen.


🎲 Spielidee & Ablauf

Nemesis: Lockdown ist ein thematisches Survival-Spiel für 1 bis 5 Personen.

Diesmal spielt das Geschehen nicht auf einem Raumschiff, sondern auf einer geheimen Marsstation. Und natürlich läuft auch dort ziemlich schnell gar nichts mehr nach Plan. Während sich Aliens ausbreiten, Systeme ausfallen und der Druck immer weiter steigt, versuchen die Spieler zu überleben, ihre geheimen Ziele zu erfüllen und irgendwie lebend von dort wegzukommen.

Das Besondere dabei:

👉 Nemesis: Lockdown ist nur semi-kooperativ.

Man hilft sich oft. Man braucht sich manchmal.
Aber man weiß eben nie ganz sicher, ob die anderen wirklich das gleiche Ziel verfolgen.

Typische Aktionen sind:

  • Räume erkunden
  • Gegenstände einsammeln
  • kämpfen
  • fliehen
  • craften
  • Computer nutzen
  • Strom und Licht kontrollieren
  • Fluchtmöglichkeiten vorbereiten

Jeder Charakter bringt eigene Fähigkeiten mit. Dazu kommen geheime Ziele, die regelmäßig dafür sorgen, dass aus einer eigentlich kooperativen Rettungsmission plötzlich doch wieder eine ziemlich egoistische Angelegenheit wird.


⚙️ Was Lockdown besonders macht

Auch ohne das ursprüngliche Nemesis selbst gespielt zu haben, hatten wir bei Lockdown nie das Gefühl, hier einfach nur einen beliebigen Sci-Fi-Horror-Aufguss auf dem Tisch zu haben. Die Marsbasis mit mehreren Ebenen, Aufzügen, Stromausfällen und technischen Systemen gibt dem Spiel einen spürbar eigenen Charakter. Gleichzeitig bleibt genau das erhalten, was wir uns von der Reihe erhofft hatten: Druck, Misstrauen und das ständige Gefühl, dass alles jederzeit eskalieren kann.

Einen direkten Vergleich zu Nemesis 1 können wir fairerweise nicht ziehen. Alles, was wir über Unterschiede sagen, basiert eher auf Eindrücken aus Podcast, Discord und Berichten anderer Spieler. Unser Gefühl nach den ersten Partien ist aber trotzdem sehr klar: Lockdown wirkt wie ein eigenständiges Spiel mit eigener Note — und nicht bloß wie eine leicht veränderte Wiederholung.


👨‍👩‍👧‍👦 Unsere Partien

Erste Partie – genau das Nemesis-Gefühl, das wir erwartet hatten

Unsere erste Partie fand direkt zu fünft statt:

  • Callipo
  • Maria
  • Josef
  • Maja
  • und ich

Und genau so hat sich das Spiel auch am stärksten angefühlt.

Schon nach zwei Runden war klar: Lockdown kennt wenig Anlaufzeit. Der Druck ist sofort da und mit ihm genau die Mischung aus Chaos, Misstrauen und Improvisation, die wir uns erhofft hatten.

Hier wird nicht gemütlich optimiert.
Hier wird gezittert, diskutiert, improvisiert und im Zweifel auch mal jemand seinem Schicksal überlassen.

Das passte für mich gar nicht so schlecht, denn mein Ziel war ohnehin eher pragmatischer Natur. Man kann schließlich nicht alle retten. Und wenn wir ehrlich sind, hatte uns die Bande diesen ganzen Schlamassel ja auch irgendwie eingebrockt.

Immerhin fair von Callipo, mich noch zu einem passenden Escape Pod zu lotsen.

Und so konnte ich die erste Partie Nemesis: Lockdown direkt für mich entscheiden.

Leider hat es sonst niemand geschafft.

Gerade zu fünft war das aber eine wirklich runde Sache. Auch die Downtime war insgesamt gut erträglich; zumindest solange man selbst noch im Spiel war. Maria und Maja sind relativ früh gefallen. Sie haben tapfer gekämpft, aber es waren einfach zu viele Gegner. Callipo hat als Hacker wichtige Informationen zu den sicheren Pods herausgefunden, und ich habe dann lieber die Gelegenheit genutzt.

Zweite Partie – auch gut, aber sichtbar anders

Die zweite Partie fand dann in klassischer Hügelzelter-Besetzung zu dritt statt.

Und genau diese Partie war als Vergleich fast genauso spannend wie die erste. Denn sie zeigte sehr klar:

👉 Nemesis: Lockdown funktioniert auch zu dritt – lebt aber sichtbar von der großen Runde.

Während die erste Partie vor allem von Chaos, Misstrauen und voller Besetzung lebte, war die zweite Runde etwas kontrollierter. Noch immer spannend, noch immer atmosphärisch, aber mit etwas weniger sozialer Unruhe am Tisch.

Siegerin der Herzen war in dieser Partie ganz klar Maja.

Eigentlich lief für sie vieles ziemlich gut. Gut, mir den Buggy direkt vor der Nase wegzuschicken, war vielleicht nicht gerade die feine Art. Aber thematisch passt so etwas natürlich perfekt (leider auch zu Ihrem Ziel)

Am Ende half ihr der Safe Room allerdings auch nicht mehr viel.

Denn:

👉 Ein sicherer Raum ist nur begrenzt hilfreich, wenn die gesamte Station explodiert.

Erneut wurden wir früh massiv von den Aliens bedrängt. Josef hat sich gefühlt gegen einen halben Schwarm dieser Viecher gestemmt und einige davon noch mit in den Tod genommen. Am Ende waren es aber einfach zu viele.

Das Fazit dieser Partie:

Alle haben verloren. Wenn auch nur knapp.


🧠 Das macht für uns den Reiz aus

Ein ganz großer Pluspunkt von Nemesis: Lockdown ist, dass das Spiel echte Geschichten erzeugt.

Schon nach zwei Partien hatten wir sofort mehrere Szenen, über die man hinterher noch spricht:

  • Wer hat wem geholfen?
  • Wer hat nur so getan?
  • Wer hätte wen retten können?
  • Wer hat sich im entscheidenden Moment einfach verdrückt?
  • Und wer hatte vielleicht schon deutlich früher beschlossen, dass hier ganz sicher nicht alle durchkommen?

Genau deshalb wollen wir solche Spiele spielen.

Nicht wegen perfekter Effizienz.
Nicht wegen maximaler Planbarkeit.
Sondern wegen der Momente, über die man nach der Partie noch lacht, diskutiert oder sich leicht empört anschaut.

Und davon produziert Nemesis: Lockdown eine ganze Menge.


⚙️ Spielfluss & Downtime

Trotz des durchaus umfangreichen Regelwerks hat uns der Spielfluss insgesamt gut gefallen.

Nemesis: Lockdown ist kein Spiel, das man mal eben nebenbei erklärt. Die ersten Partien profitieren klar davon, wenn sich mindestens eine Person vorher gut eingelesen hat. Sobald die Grundmechanik aber sitzt, läuft das Spiel erstaunlich rund.

Gerade positiv fanden wir:

  • die hohe Spannung zwischen den Zügen
  • die thematische Einbindung fast aller Aktionen
  • die ständige Unsicherheit
  • die insgesamt gut erträgliche Downtime

Einschränkung:

Wenn Spieler früh ausscheiden, ist das natürlich nicht ideal. Thematisch passt das hervorragend — spielerisch muss man diese Art von Spiel aber mögen.


🔁 Wiederspielwert

Der Wiederspielwert wirkt auf uns schon nach den ersten Partien ziemlich hoch.

Dafür sorgen vor allem:

  • unterschiedliche Charaktere
  • geheime Ziele
  • variable Spielsituationen
  • wechselnde Gruppendynamiken
  • und die vielen kleinen Story-Momente am Tisch

Auch die Frage, ob wir irgendwann noch den ersten Nemesis-Teil dazukaufen und Inhalte miteinander kombinieren, steht bereits im Raum.

Da warten wir allerdings noch auf ein passendes Schnäppchen.


⭐️ Unsere Bewertung ⭐️

Zugänglichkeit: 🟡 Mittel
Die Regeln sind nicht abstrakt kompliziert, aber schon recht umfangreich. Die ersten Partien profitieren klar von etwas Eingewöhnung.

Interaktion: 🟢 Sehr hoch
Nicht durch offenen Dauer-Konflikt, sondern durch Misstrauen, geheime Ziele und viele kleine Entscheidungen mit Folgen.

Spielspaß: 🟢 Hoch
Genau die Art von Spiel, bei der auch eine Niederlage noch nach einem richtig guten Spieleabend aussehen kann.

Wiederspielwert: 🟢 Hoch
Unterschiedliche Rollen, Ziele und Gruppenkonstellationen sorgen für reichlich Varianz.

Atmosphäre & Tischpräsenz: 🟢 Sehr hoch
Awaken Realms liefert hier genau das, was man erwartet: starke Präsenz auf dem Tisch, viel Atmosphäre und ein durchgehend dichtes Spielgefühl.


💬 Stimmen der Hügelzelter-Redaktion

Maja:
„Ich fand den Safe Room schon gut. Blöd war nur, dass die Station am Ende trotzdem explodiert ist.“

Josef:
„Eigentlich war ich die ganze Zeit nur damit beschäftigt, nicht gefressen zu werden. Das war anstrengend. Aber auch ziemlich gut.“

Maria:
„Ich war schnell raus, aber langweilig war es trotzdem nicht.“

Hendrik:
„Nemesis: Lockdown ist genau die Art von Spiel, bei der eine Niederlage trotzdem wie ein richtig gelungener Spieleabend wirkt.“


❣️ Gesamtbewertung

4 von 5 Meeples
eine gute 4

Nemesis: Lockdown ist für uns:

  • ein starkes thematisches Survival-Spiel
  • mit sehr viel Atmosphäre
  • hoher Interaktion
  • schönen Story-Momenten
  • und genau der richtigen Portion Misstrauen

Warum keine 5 von 5?

Das Spiel ist stark — aber nicht ganz leicht zugänglich, braucht etwas Regelsicherheit und wirkt für uns in kleiner Besetzung leicht schwächer als in voller Runde. Außerdem hatten wir zuletzt ein paar ausgesprochen starke Konkurrenz-Titel auf dem Tisch.

Trotzdem gilt klar:

👉 Nemesis: Lockdown ist kein Wohlfühlspiel — aber eines, das genau die Geschichten produziert, für die man Brettspielabende in Erinnerung behält.


ℹ️ Spieleinfos (BGG)

Name: Nemesis: Lockdown
Designer: Adam Kwapiński
Verlag: Awaken Realms
Spielerzahl: 1–5
Spieldauer: 90–180 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Komplexität (BGG): 3,90 / 5
BGG-Ranking: Overall 128 / Thematic 27
BGG-Wertung: 8,3 / 10