⚔️ Drei Wege zum Sieg – und ständig steht der andere im Weg
🧭 Übersicht
Nach Pentago ging unser Spieleabend zu zweit weiter. Wieder Maja gegen mich, wieder ein Spiel, das schon lange in unserer Sammlung steht und trotzdem bislang keinen eigenen Testbericht bekommen hatte.
Diesmal landete 7 Wonders Duel auf dem Tisch.
Das passt gerade ziemlich gut. Erst vor wenigen Tagen haben wir über 7 Wonders Architects geschrieben – den deutlich leichteren Vertreter der Familie. 7 Wonders Duel spielt in derselben Welt, sieht entsprechend vertraut aus, ist aber eine ganz andere Hausnummer.
Und eigentlich schiebe ich schon länger noch einen anderen Artikel vor mir her: den direkten Vergleich zwischen 7 Wonders Duel und Der Herr der Ringe: Duell um Mittelerde.
Beide Spiele teilen sich im Kern sehr viel DNA und unterscheiden sich im Detail dann doch deutlich genug, dass bei uns inzwischen sogar klare Lager entstanden sind.
Josef bevorzugt Mittelerde. Maja bleibt lieber bei den Weltwundern.
Die letzte Partie mit Josef in Mittelerde liegt inzwischen wieder etwas zurück. Dafür gab es jetzt mit Maja endlich wieder eine Runde des Originals.
Also kümmern wir uns zunächst darum.
⚙️ Spielmechanik
7 Wonders Duel ist ausschließlich für zwei Spieler gedacht und lebt davon, dass man seinem Gegenüber eigentlich permanent im Weg steht.
Über drei Zeitalter liegen Karten in wechselnden Auslagen aus. Nicht alle sind sofort verfügbar. Manche werden erst freigelegt, wenn andere Karten genommen wurden.
Und genau dort beginnt das eigentliche Spiel.
Natürlich schaut man darauf, was man selbst benötigt. Rohstoffe, Geld, Wissenschaft, Militär oder einfach Siegpunkte.
Aber mindestens genauso wichtig ist die Frage:
Was braucht der andere?
Nehme ich eine Karte, weil sie für mich gut ist? Oder nehme ich sie, weil Maja sie auf keinen Fall bekommen darf?
Welche Karte decke ich dadurch anschließend auf?
Und kann ich abschätzen, welche Möglichkeiten sich daraus zwei oder drei Züge später ergeben?
Davon lebt 7 Wonders Duel.
🏆 Drei Wege zum Sieg
Besonders interessant sind die unterschiedlichen Siegbedingungen.
Der klassische Weg führt über Siegpunkte. Nach dem dritten Zeitalter wird abgerechnet und verglichen, wer die erfolgreichere Zivilisation aufgebaut hat.
Es kann aber auch deutlich früher Schluss sein.
Mit militärischen Karten verschiebt sich die militärische Macht immer weiter in Richtung des Gegners. Erreicht der Marker dessen Hauptstadt, endet die Partie sofort.
Alternativ kann man wissenschaftliche Symbole sammeln. Wer sechs unterschiedliche Wissenschaftssymbole zusammenbekommt, erreicht ebenfalls einen sofortigen Sieg.
Damit kann man sich nie nur auf den eigenen Plan konzentrieren.
Vielleicht möchte man eigentlich über Punkte gewinnen, muss aber plötzlich reagieren, weil der Gegner militärisch gefährlich nahe kommt. Oder man stellt fest, dass ihm nur noch ein Forschungssymbol fehlt.
Dann ändern sich die Prioritäten sehr schnell.
💰 Ressourcen und die Wirtschaft des Gegners
Auch die Rohstoffe sorgen für direkte Interaktion.
Viele Karten kosten bestimmte Ressourcen. Produziert man diese nicht selbst, kann man sie kaufen.
Der interessante Teil: Was der Gegner produziert, kann den eigenen Einkauf verteuern.
Damit reicht es nicht, nur auf die eigene Wirtschaft zu schauen. Wenn Maja bestimmte Ressourcen kontrolliert, kann das meine geplanten Karten plötzlich erheblich teurer machen.
Umgekehrt kann man selbst versuchen, genau dort Druck aufzubauen.
Auch deshalb fühlt sich 7 Wonders Duel deutlich konfrontativer an als 7 Wonders Architects.
Hier baut eben nicht jeder weitgehend für sich sein hübsches Weltwunder.
Hier schaut man sich gegenseitig ziemlich genau auf die Finger.
🏛️ Und natürlich Weltwunder
Ganz ohne die namensgebenden Weltwunder wäre es kein 7 Wonders.
Jeder Spieler bekommt mehrere Wunder, die während der Partie gebaut werden können. Dafür werden Karten und Ressourcen geopfert, anschließend gibt es besondere Effekte.
Das kann zusätzliche Züge, Ressourcen, Geld oder andere Vorteile bringen.
Und auch hier entsteht Konkurrenz: Insgesamt können nicht alle bereitliegenden Wunder gebaut werden.
Irgendwann ist Schluss.
Wer zu lange wartet, kann deshalb tatsächlich mit einem ungebauten Weltwunder dastehen.
Für jemanden, der ohnehin eine gewisse Schwäche für alte Steine hat, ist das natürlich grundsätzlich ein angenehmes Thema.
Warum meine Kinder bei echten Ruinen deutlich weniger Begeisterung zeigen, die Weltwunder hier aber problemlos bauen, gehört zu den Fragen, die vermutlich ungeklärt bleiben werden.
🧙 Ein kurzer Blick nach Mittelerde
Ganz ausblenden können wir Der Herr der Ringe: Duell um Mittelerde an dieser Stelle natürlich nicht.
Die Verwandtschaft ist dafür zu offensichtlich.
Auch dort gibt es mehrere Wege zum Sieg und auch dort muss man ständig beobachten, was der andere macht.
Nur wurden die Mechanismen sehr schön in das Tolkien-Thema übersetzt.
Statt einer klassischen Militärleiste geht es unter anderem um den Ring. Die Gemeinschaft versucht, ihn Richtung Mordor zu bringen, während Sauron den Ringträger verfolgt.
Die wissenschaftliche Dominanz wird durch die Unterstützung verschiedener Völker Mittelerdes ersetzt.
Und statt am Ende einfach Siegpunkte zu zählen, kämpfen beide Seiten um die Kontrolle über die verschiedenen Regionen Mittelerdes.
Rohan, Gondor und die übrigen Gebiete sollen eben entweder unter dem Banner der Freien Völker stehen oder Mordor zufallen.
Mechanisch sehr verwandt.
Thematisch ganz anders.
Und bei uns führt das zu einer interessanten Aufteilung:
Josef zieht Mittelerde vor. Maja bleibt bei 7 Wonders Duel.
Ich selbst würde Duell um Mittelerde momentan vielleicht einen halben Punkt höher einordnen.
Den ausführlichen Vergleich heben wir uns aber noch auf.
⭐️ Unsere Bewertung ⭐️
Zugänglichkeit: 😄 Hoch – Etwas anspruchsvoller als 7 Wonders Architects, aber nach wenigen Zügen gut verstanden.
Interaktion: 🤩 Sehr hoch – Karten wegnehmen, Ressourcen verteuern, Militär beobachten und Forschung verhindern. Man spielt ständig auch gegen den Plan des anderen.
Spielspaß: 😄 Hoch – Viele interessante Entscheidungen in überschaubarer Spielzeit.
Wiederspielwert: 🤩 Sehr hoch – Unterschiedliche Kartenauslagen, Weltwunder und Siegwege sorgen dafür, dass Partien verschieden verlaufen.
Gestaltung: 😄 Hoch – Die bekannte 7-Wonders-Optik funktioniert auch hier hervorragend.
Glücksfaktor: 🙂 Niedrig bis mittel – Die Kartenauslage bringt Unwägbarkeiten hinein, der entscheidende Faktor bleibt aber, wie gut man mit den verfügbaren Möglichkeiten umgeht.
💬 Familienmeinung
Hendrik:
„Grundsätzlich ein richtig gutes Spiel. Das Universum gefällt mir sowieso und Weltwunder gehen immer.
An dieser Stelle verstehe ich nur wieder nicht, warum die Kinder beim Thema alte Steine außerhalb des Spieltisches deutlich weniger Begeisterung zeigen.
Der Herr der Ringe: Duell um Mittelerde gefällt mir vielleicht noch einen halben Punkt besser.“
Wertung: 7 von 10
Maja:
„Ich mag dieses Spiel lieber als Der Herr der Ringe: Duell um Mittelerde.“
Wertung: 8 von 10
📊 Unsere Partie in Zahlen
Erfasste Partien: 1
Spielzeit: ca. 30 Minuten
Durchschnittsnote: 7,5 von 10
Siegerin: Maja
In unseren persönlichen Rankings liegt 7 Wonders Duel aktuell auf:
Hendrik: Platz 19 von 232 Maja: Platz 32 von 128
Wie schon bei den letzten Artikeln gilt: Die App erfasst bislang nur einen Teil unserer tatsächlich gespielten Partien. 7 Wonders Duel ist selbstverständlich schon deutlich häufiger bei uns auf dem Tisch gewesen.
❣️ Gesamtbewertung
4 von 5 Meeples
7 Wonders Duel ist ein hervorragendes Zwei-Personen-Spiel, weil man nie nur für sich selbst spielt.
Militär, Forschung und Punkte bieten drei unterschiedliche Wege zum Sieg. Gleichzeitig muss man ständig darauf achten, welchen Weg der Gegner gerade einschlägt.
Dazu kommen die offene Kartenauslage, knappe Ressourcen und die Weltwunder mit ihren besonderen Fähigkeiten.
Das Ergebnis ist ein taktisches Duell, bei dem man sich wunderbar gegenseitig in die Quere kommt.
Und auch wenn bei uns inzwischen Konkurrenz aus Mittelerde eingezogen ist: 7 Wonders Duel bleibt eines unserer stärkeren Spiele für zwei Personen.
ℹ️ Spielinfos
Name: 7 Wonders Duel
Autoren: Antoine Bauza, Bruno Cathala
Grafik: Miguel Coimbra
Verlag: Repos Production
Erscheinungsjahr: 2015
Spielart: Taktisches Zwei-Personen-Spiel / Kartenspiel / Set Collection
Spielerzahl: 2 Spieler
Spieldauer: ca. 30 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Komplexität bei BoardGameGeek: 2,23 von 5
BGG-Bewertung: 8,07
BGG-Rang: #24
Mechaniken: Open Drafting, Set Collection, Track Movement, Tug of War, Variable Set-up, Multi-Use Cards, Tech Trees
Die Brettspiel-App der Hügelzelter durfte am Montagabend wieder ran.
Nachdem sie zuletzt Josef und mir mit Aqualin und 7 Wonders Architects zwei Spiele aus dem Regal geholt hatte, über die auf dem Blog tatsächlich noch kein Testbericht existierte, war diesmal Maja meine Mitspielerin.
Die Vorgabe blieb ähnlich: Wir hatten nicht ewig Zeit, wollten zu zweit spielen und möglichst wieder etwas aus unserer Sammlung hervorholen, das schon länger keinen Auftritt mehr auf dem Tisch hatte.
Die App lieferte zwei Vorschläge. Und vorwegnehmen kann man schon einmal: Beide haben wieder Spaß gemacht.
Das erste Spiel des Abends war ein alter Bekannter: Pentago.
Und „alt“ ist hier durchaus wörtlich zu verstehen. Pentago ist bereits 2005 erschienen und ich dürfte es nur kurze Zeit später zum ersten Mal gespielt haben. Damals bei Marcel, während seiner Promotionszeit in der Schweiz.
Marcel und mich verbindet schon seit unseren Studienzeiten eine ziemlich lange Tradition von Brettspielen zu zweit. Besonders gern haben wir dabei immer Spiele gespielt, bei denen möglichst wenig Glück entscheidet und möglichst viel davon, was man selbst auf dem Brett veranstaltet – oder eben übersieht.
Pentago passt perfekt in diese Kategorie.
Das Spiel steht inzwischen schon sehr lange in unserer eigenen Sammlung. Und auch nach ungefähr 20 Jahren funktioniert es immer noch.
⚙️ Spielmechanik
Die Aufgabe könnte kaum einfacher sein: Fünf eigene Kugeln in eine Reihe bringen. Horizontal, vertikal oder diagonal.
Das Grundprinzip ist uralt. Bei uns begann diese Karriere schon in der Schule mit Vier gewinnt auf der Tischplatte. Bleistift und Zirkel sorgten dafür, dass das Spielfeld dauerhaft erhalten blieb und in der nächsten Pause direkt weitergespielt werden konnte.
Wir waren eben schon damals nachhaltig.
Pentago nimmt dieses bekannte Prinzip und ergänzt genau einen entscheidenden Kniff.
Das Spielfeld besteht aus vier einzelnen 3×3-Feldern, die gemeinsam ein großes 6×6-Feld bilden. Im eigenen Zug setzt man zunächst eine Kugel. Anschließend wird eines der vier Teilfelder um 90 Grad gedreht.
Und damit verändert sich plötzlich das komplette Bild.
Eine fast fertige Reihe kann auseinandergerissen werden. Umgekehrt können Kugeln, die gerade noch weit voneinander entfernt lagen, plötzlich zusammengehören. Man muss daher nicht nur überlegen, wo man die eigene Kugel platziert, sondern gleichzeitig vorausdenken, was durch die anschließende Drehung passiert.
Noch wichtiger ist die Frage, welche Möglichkeiten man dem Gegner eröffnet.
Damit wird aus dem simplen „Fünf in einer Reihe“ schnell ein Spiel um Muster, Fallen und räumliches Denken. Man baut nicht nur die eigene Reihe auf und blockiert den Gegner, sondern versucht mögliche Drehungen gleich mit einzuplanen.
Majas Kommentar trifft es deshalb ziemlich gut:
„Cooles, kurzweiliges Taktikspiel. Oder ist es doch eher ein Logikspiel?“
Ein Glücksfaktor existiert praktisch nicht. Beide Spieler haben dieselben Möglichkeiten und sämtliche Informationen liegen offen auf dem Tisch. Wer verliert, hat etwas übersehen oder der andere hat schlicht besser gespielt.
Auch die kurze Spielzeit passt hervorragend dazu. Unsere beiden Partien dauerten im Durchschnitt rund fünf Minuten. Damit kann man problemlos mehrere Runden hintereinander spielen. Diesmal blieb es bei zwei – schließlich sollte die App uns noch ein zweites Spiel für den Abend liefern.
⭐️ Unsere Bewertung ⭐️
Zugänglichkeit: 🤩 Sehr hoch – Kugel setzen, Feld drehen, fünf in eine Reihe bekommen. Einfacher lässt sich ein Spiel kaum erklären.
Interaktion: 🤩 Sehr hoch – Jeder Zug verändert unmittelbar die Möglichkeiten beider Spieler.
Spielspaß: 🤩 Sehr hoch – Extrem kurze Partien, aber trotzdem echte taktische Entscheidungen.
Wiederspielwert: 🤩 Sehr hoch – Eine Partie dauert nur wenige Minuten und lädt unmittelbar zur Revanche ein.
Gestaltung: 😄 Hoch – Abstrakt, klar und funktional. Gerade die beweglichen Spielfeldsegmente machen das Spiel auch haptisch interessant.
Glücksfaktor: 🟢 Praktisch keiner – Alle Informationen liegen offen. Entscheidend sind Planung, räumliches Denken und die Fehler der beiden Spieler.
💬 Familienmeinung
Hendrik:
„Erstmals habe ich Pentago vor ungefähr 20 Jahren mit Marcel gespielt. Lange ist es inzwischen auch bei uns eingezogen – und mir gefällt es immer noch sehr gut.
Einfachste Regeln, praktisch kein Glück und trotzdem kann eine einzige Drehung alles verändern.“
Wertung: 8 von 10
Maja:
„Cooles, kurzweiliges Taktikspiel. Oder ist es doch eher ein Logikspiel?“
Wertung: 8 von 10
📊 Unsere Partien in Zahlen
Erfasste Partien: 2
Durchschnittliche Spielzeit: 5 Minuten
Durchschnittsnote: 8,0 von 10
Siege Hendrik: 2
In meinem persönlichen Ranking liegt Pentago aktuell auf:
Platz 22 von 233 Spielen.
Natürlich spiegeln die zwei erfassten Partien nur unseren aktuellen App-Datenbestand wider. Tatsächlich haben wir Pentago über die Jahre deutlich häufiger gespielt.
❣️ Gesamtbewertung
4 von 5 Meeples
Pentago nimmt ein uraltes Spielprinzip und macht mit einer einzigen Idee erstaunlich viel daraus. Durch die drehbaren Spielfeldteile reichen einfaches Blockieren und Reihenbauen nicht mehr aus. Räumliches Denken und das Vorausplanen möglicher Drehungen werden entscheidend.
Dazu kommen extrem kurze Partien und praktisch kein Glück.
Auch nach rund 20 Jahren ist Pentago für mich deshalb noch immer eines der richtig guten Spiele für zwei Personen.
🏛️ Wenn das Weltwunder mal eben zwischendurch entsteht
🧭 Übersicht
Nach Aqualin ging der Feldtest unserer eigenen Brettspiel-App direkt in die zweite Runde.
Im Artikel zu Aqualin hatte ich bereits beschrieben, dass ich unsere App inzwischen um eine für uns ziemlich praktische Funktion erweitert habe: Zu den Spielen sind nun auch unsere bisherigen Blogartikel hinterlegt. Bei den Empfehlungen kann ich damit gezielt nach Spielen suchen lassen, über die wir noch nicht geschrieben haben.
Genau das wollten Josef und ich ausprobieren, während der Rest der Hügelzelter noch gut eine Stunde unterwegs war.
Vorschlag Nummer eins war Aqualin. Vorschlag Nummer zwei:
7 Wonders Architects.
Ein Spiel, das bei uns keineswegs unbekannt ist.
Kennengelernt habe ich 7 Wonders Architects vor ungefähr 22 Monaten bei einem Spieleabend bei Maggi, einem meiner engsten Freunde. Mitgebracht hatte es Maria, der hier auf dem Blog ja inzwischen ebenfalls kein Unbekannter mehr ist.
Wir waren damals zu fünft. Keine klassische Vielspielergruppe, aber alles Leute, die am Anfang des Abends klug genug sind, neue Regeln schnell zu verstehen und bei unseren größeren Brettspielaktionen auch immer mal wieder mit am Tisch sitzen.
Und genau dort zeigte 7 Wonders Architects bereits eine seiner größten Stärken:
Der Einstieg funktioniert erstaunlich problemlos.
Die Regeln waren schnell verstanden, die Partie lief flüssig und anschließend blieb es nicht bei einer Runde.
Irgendwann ist das Spiel dann auch bei uns eingezogen. Seitdem gab es immer wieder einzelne Partien, auch Josef und Maja haben es bereits zu zweit gespielt.
Ich selbst hatte dabei allerdings immer im Hinterkopf:
Ist das nicht eigentlich ein Spiel, das mit mehr Leuten besser funktioniert?
Gerade beim militärischen Teil erschien mir eine größere Runde irgendwie passender. Zeit, das zu überprüfen.
⚙️ Spielmechanik
Das grundlegende Ziel ist schnell erklärt:
Jeder Spieler bekommt eines der berühmten Weltwunder der Antike und versucht, dieses Stück für Stück fertigzustellen.
Dafür sammeln wir hauptsächlich Karten.
Je nach Karte erhalten wir Rohstoffe, Siegpunkte, wissenschaftliche Symbole oder militärische Stärke.
Besonders angenehm ist dabei die Art, wie die Karten gewählt werden. Vor jedem Spieler liegen Kartenstapel, und grundsätzlich greift man auf Karten aus der eigenen unmittelbaren Umgebung oder auf eine verdeckte Alternative zurück.
Dadurch gibt es Entscheidungen, ohne dass das Spiel in längere Grübelphasen verfällt.
Brauche ich gerade einen Rohstoff für mein Weltwunder?
Will ich Wissenschaftssymbole sammeln? Sollte ich militärisch verhindern, dass Josef zu weit davonzieht?
Oder nehme ich einfach sichere Siegpunkte? Damit hat Josef dann auch gewonnen.
Das alles ist relevant, aber nie so kompliziert, dass der Spielfluss ins Stocken gerät.
7 Wonders Architects spielt sich einfach gut herunter.
🏛️ Ein bisschen Asymmetrie ist immer gut
Ganz identisch sind die Ausgangsbedingungen allerdings nicht.
Jeder Spieler baut ein anderes Weltwunder, und diese bringen jeweils leicht unterschiedliche Vorteile mit.
Die Unterschiede sind nicht riesig. Zumindest nach unseren bisherigen Partien wirken die Wunder ziemlich ausgewogen.
Trotzdem verändern sie die Partie ein wenig.
Mit einem anderen Weltwunder setzt man vielleicht andere Prioritäten oder freut sich über bestimmte Karten mehr als in der vorherigen Runde.
Wir wählen die Wunder bislang übrigens gar nicht bewusst aus.
Es wird zugelost.
Das passt für uns ganz gut, weil die Unterschiede groß genug sind, um ein bisschen Abwechslung hineinzubringen, aber nicht so groß, dass man vor der Partie erst über die optimale Wahl diskutieren müsste.
👀 Das kommt mir doch bekannt vor
Wer 7 Wonders Duel kennt, wird sich bei Architects ohnehin sehr schnell zu Hause fühlen.
Grafik, Symbolsprache, Karten und das gesamte Erscheinungsbild erinnern deutlich an den bekannten Zweier-Ableger.
Das liegt natürlich nicht nur am ähnlichen Namen.
Antoine Bauza steckt hinter beiden Spielen und auch Repos Production sorgt dafür, dass die optische Familienzugehörigkeit kaum zu übersehen ist.
Spielerisch sind die Unterschiede allerdings deutlich.
7 Wonders Duel ist wesentlich taktischer, kontrollierter und konfrontativer.
Architects ist dagegen die leichtere Variante. (nach meiner Meinung)
🎲 Entscheidungen ja – Kontrolle nur bedingt
Ganz ohne Glück geht es allerdings nicht.
Welche Karten zur Verfügung stehen und welche anschließend nachkommen, lässt sich nur begrenzt beeinflussen.
Natürlich kann man Entscheidungen treffen und Wahrscheinlichkeiten einschätzen. Trotzdem gibt es Partien, in denen die passenden Karten etwas angenehmer auf einen zulaufen als in anderen.
Der Glücksfaktor ist also durchaus vorhanden.
Mich stört das hier allerdings wenig.
Vielleicht liegt das auch daran, dass ich Niederlagen bei Spielen mit etwas höherem Glücksanteil wesentlich besser verkraften kann.
Dann lag es schließlich nicht ausschließlich an meiner spielerischen Leistung.
Nach meiner Farbfehlsichtigkeit bei Aqualin ist damit auch für die zweite Niederlage des Abends eine vollkommen plausible Erklärung gefunden.
⚔️ Und funktioniert es zu zweit?
Das war für mich eigentlich die spannendste Frage dieser Partie.
Meine prägendste Erinnerung an 7 Wonders Architects stammt schließlich aus der Fünferrunde bei Maggi.
Mehr Spieler bedeuten mehr Nachbarn, mehr Bewegung beim Militär und grundsätzlich mehr Leben am Tisch.
Zu zweit funktioniert das Spiel aber überraschend gut.
Natürlich fehlt ein Teil dieses Gruppengefühls. Dafür geht die Partie noch einmal besonders flott von der Hand und die Entscheidungen bleiben trotzdem interessant.
Auch der militärische Bereich funktioniert.
Vielleicht ist er mit mehreren Spielern etwas lebendiger – kaputt geht das Spiel zu zweit dadurch aber keineswegs.
Nach rund 20 Minuten war unser Weltwunder-Wettstreit beendet.
Und wie schon bei Aqualin hieß der Sieger: Josef.
Zwei Empfehlungen unserer App, zwei Spiele, zwei Siege für Josef.
Vielleicht muss ich den Algorithmus noch einmal überarbeiten.
⭐️ Unsere Bewertung ⭐️
Zugänglichkeit: 🤩 Sehr hoch – Wenige Regeln, einfache Symbolik und nach wenigen Zügen vollständig verstanden.
Interaktion: 😄 Mittel bis hoch – Man schaut durchaus darauf, was der andere sammelt, und gerade Militär sowie verfügbare Karten sorgen für gegenseitige Einflussnahme.
Spielspaß: 😄 Hoch – Flott, unkompliziert und trotzdem mit genügend Entscheidungen.
Wiederspielwert: 😄 Hoch – Unterschiedliche Weltwunder, wechselnde Karten und verschiedene Spielerzahlen sorgen für Abwechslung.
Gestaltung: 😄 Hoch – Die 7-Wonders-Familie ist sofort erkennbar. Besonders der Bau des eigenen Weltwunders macht auch optisch etwas her.
Glücksfaktor: 🙂 Mittel – Die verfügbaren Karten bestimmen einen Teil der Möglichkeiten. Genug Entscheidungen bleiben trotzdem bestehen.
💬 Familienmeinung
Hendrik:
„Es spielt sich einfach angenehm herunter. Genug Entscheidungen, damit es nicht belanglos wird, aber gleichzeitig so wenig Ballast, dass man jederzeit schnell eine Partie einschieben kann. Auch zu zweit funktioniert es besser, als ich erwartet hatte.
Und bei dem Glücksanteil kann ich die Niederlage auch ganz gut verkraften.“
Wertung: 7 von 10
Josef:
„Schönes Spiel, schöne Mechanik. Und ich musste Papa mal nicht bei 7 Wonders Duel oder dem ‚Klon‘ Der Herr der Ringe: Duell um Mittelerde abziehen.“
Wertung: 7,5 von 10
Maja:
„Hat schon Spaß gemacht. Papa mag ja die alten Steine. Und dann doch lieber auf dem Tisch als irgendwo zwischen den Ruinen der Weltwunder.“
📊 Unsere Partie in Zahlen
Für diesen Artikel erfasste Partien: 1
Spielzeit: ca. 20 Minuten
Durchschnittsnote: 7,2 von 10
Sieger: Josef
Dabei ist wichtig: Diese Partie war natürlich nicht unsere erste Begegnung mit 7 Wonders Architects. Das Spiel war bereits mehrfach bei uns und zuvor auch in anderen Gruppen auf dem Tisch.
Die Statistik stammt lediglich aus der inzwischen in unserer App erfassten Partie.
❣️ Gesamtbewertung
4 von 5 Meeples
7 Wonders Architects ist kein besonders schweres Strategiespiel – und möchte das auch gar nicht sein.
Seine Stärke liegt woanders.
Es schafft es, Elemente aus der bekannten 7-Wonders-Welt so weit herunterzubrechen, dass praktisch jeder sehr schnell mitspielen kann.
Rohstoffe sammeln, Weltwunder bauen, Wissenschaft entwickeln, ein bisschen kämpfen und Siegpunkte einsammeln.
Das alles passiert in rund 20 bis 30 Minuten, ohne dass man das Gefühl bekommt, überhaupt nichts entscheiden zu können.
Natürlich muss man akzeptieren, dass Glück eine größere Rolle spielt als etwa bei 7 Wonders Duel. Wer jeden Zug mehrere Runden vorausplanen möchte, wird hier vermutlich nicht glücklich.
Wer dagegen ein unkompliziertes Spiel sucht, das mit Gelegenheitsspielern genauso funktioniert wie mit erfahrenen Brettspielern und sowohl zu zweit als auch in größerer Runde auf den Tisch kommen kann, bekommt erstaunlich viel Spiel für vergleichsweise wenig Regelaufwand.
Dass jedes Weltwunder zudem noch leicht unterschiedliche Fähigkeiten besitzt, bringt genau genug Asymmetrie hinein, um die nächste Partie ein bisschen anders aussehen zu lassen.
Und unsere Partie hat noch eine zweite Erkenntnis gebracht:
Ja, auch zu zweit funktioniert 7 Wonders Architects ziemlich gut.
Nur den Sieger sollten wir beim nächsten Mal vielleicht austauschen.
ℹ️ Spielinfos
Name: 7 Wonders Architects
Originaltitel: 7 Wonders: Architects
Autor: Antoine Bauza
Grafik: Etienne Hebinger
Verlag: Repos Production
Erscheinungsjahr: 2021
Spielart: Familienspiel / Set Collection / Open Drafting
Spielerzahl: 2–7 Spieler
Spieldauer: ca. 25 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Komplexität bei BoardGameGeek: 1,39 von 5
BGG-Bewertung: 7,03
BGG-Rang: #816
Mechaniken: Neighbor Scope, Open Drafting, Set Collection, Variable Player Powers
Feldtest für unsere (eigene) Brettspiel-App. Wir wollten ein paar kurze Spiele für Josef und mich raussuchen, da der Rest der Hügelzelter noch gut eine Stunde weg war ….
Zuvor hatte ich die App der Hügelzelter noch einmal etwas erweitert. Inzwischen sind dort auch unsere bisherigen Artikel mit den Spielen verknüpft. Bei den Spielvorschlägen kann ich damit nun gezielt danach filtern, über welche Spiele wir noch nicht geschrieben haben.
Eine Erweiterung, die natürlich getestet werden wollte.
Der erste Vorschlag der App: Aqualin. Danach sollte noch 7 Wonders Architects folgen.
Beide Spiele standen schon häufiger bei uns auf dem Tisch, schlummerten inzwischen aber zugegebenermaßen eine ganze Weile unbeachtet im Regal. Also haben wir uns auf die Empfehlung eingelassen.
Und bei Aqualin musste ich zunächst tatsächlich überlegen.
Ich wusste gar nicht mehr so richtig, wo das Spiel überhaupt herkam. Natürlich war mir die kleine Schachtel im Regal immer wieder aufgefallen, aber eine konkrete Erinnerung an eine Partie hatte ich nicht mehr. Im Zweifel hätte ich sogar behauptet:
Das haben wir noch gar nicht gespielt.
Offenbar eher ein Problem meines Namensgedächtnisses.
Denn kaum war die Schachtel geöffnet, kamen die Erinnerungen zurück. Vor allem die schönen, schweren Spielsteine kamen mir sofort bekannt vor. Sie wirken fast wie kleine Steine oder Fliesen – vermutlich Acryl beziehungsweise ein ähnlich hochwertiger Kunststoff – und machen haptisch auf jeden Fall einiges her.
Und auch die Spielidee war plötzlich wieder präsent.
Aqualin ist ein kleines, abstraktes Zwei-Personen-Spiel, bei dem beide Spieler auf demselben Spielfeld und sogar mit denselben Steinen spielen – aber vollkommen unterschiedliche Ziele verfolgen.
⚙️ Spielmechanik
Auf jedem Spielstein befinden sich gleich zwei Merkmale:
eine Farbe
und ein Motiv aus der Meereswelt
Der Clou dabei: Ein Spieler versucht, möglichst große Gruppen gleicher Farben zu bilden. Der andere sammelt dagegen möglichst große zusammenhängende Gruppen gleicher Meerestiere beziehungsweise Symbole.
Damit verfolgen beide Spieler auf demselben Spielbrett unterschiedliche Ziele.
In jedem Zug darf zunächst ein bereits ausliegender Stein horizontal oder vertikal verschoben werden. Anschließend wird einer der offen ausliegenden Steine genommen und auf ein freies Feld gelegt.
Immer sechs Steine stehen zur Auswahl. Wird einer davon verwendet, rückt ein neuer nach.
Dadurch gibt es durchaus einen kleinen Glücksfaktor. Viel wichtiger ist aber, was man aus dem vorhandenen Angebot macht.
Denn nahezu jeder Zug verändert gleichzeitig die eigenen Möglichkeiten und die des Gegners.
Vielleicht verschiebe ich einen Stein, um meine eigene Gruppe zu vergrößern. Vielleicht geht es mir aber auch nur darum, Josefs schöne Dreier- oder Vierergruppe auseinanderzureißen.
Und meistens versucht man natürlich beides gleichzeitig.
Das sorgt für erstaunlich viel direkte Interaktion.
Gerade weil kein Stein eindeutig einem Spieler gehört, entstehen ständig kleine Zielkonflikte: Ein für mich hervorragend passender Stein kann gleichzeitig genau das Symbol besitzen, das Josef gerade benötigt.
Oder umgekehrt.
🎨 Farbe oder Form?
Bei uns war schnell geklärt, wer welche Aufgabe übernimmt.
Da Farben bekanntlich nicht unbedingt meine Paradedisziplin sind und Aqualin keinen speziellen Modus für Farbfehlsichtigkeit besitzt, habe ich mich für die Symbole entschieden.
Das passt ohnehin besser zu mir.
Ich sortiere meine Bücher schließlich auch nach Autor, Thema und Inhalt – und nicht nach der Farbe des Buchrückens.
Auch wenn ich eine solche Sortierung innerhalb unserer Familie tatsächlich schon einmal gesehen haben soll.
Theoretisch herrscht bei Aqualin natürlich Chancengleichheit.
Da Josef die Partie allerdings gewonnen hat, möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich festhalten, dass ich grünblind bin.
Man muss Niederlagen schließlich einordnen können.
Josef sieht das naturgemäß etwas anders.
⭐️ Unsere Bewertung ⭐️
Zugänglichkeit: 😄 Hoch – Die Regeln sind schnell erklärt und nach wenigen Zügen vollständig verstanden.
Interaktion: 🤩 Sehr hoch – Fast jeder Zug beeinflusst auch die Pläne des Gegners. Man baut ständig selbst auf und gleichzeitig beim anderen wieder ab.
Spielspaß: 😄 Hoch – Ein schönes kleines Duell mit erstaunlich vielen Entscheidungen.
Wiederspielwert: 😄 Hoch – Durch die zufällige Auswahl der Steine und das gemeinsame Spielfeld entwickelt sich jede Partie etwas anders.
Gestaltung: 😄 Hoch – Die massiven Spielsteine fühlen sich gut an und passen hervorragend zum abstrakten Spielprinzip.
Glücksfaktor: 🙂 Niedrig bis mittel – Welche Steine nachkommen, lässt sich nicht beeinflussen. Da aber immer sechs Steine zur Auswahl stehen, bleibt genügend Raum für eigene Entscheidungen.
💬 Familienmeinung
Hendrik:
„Schönes kleines Zwei-Personen-Spiel. Kaum Regeln, schnell gespielt und trotzdem steht man sich permanent gegenseitig im Weg. Mir hat es nach der langen Pause wieder richtig Spaß gemacht.
Und wegen der Niederlage möchte ich noch einmal ausdrücklich auf meine Farbfehlsichtigkeit hinweisen.“
Josef:
„Mal wieder den Herrn Vater abgezogen. Und die Farben sind unterschiedlich genug – keine Ausreden hier.“
Maja:
„Ach ja, Aqualin. Das würde ich auch gern mal wieder spielen.“
📊 Unsere Partie in Zahlen
Partien für diesen Artikel: 1 Spielzeit: ca. 20 Minuten Sieger: Josef
Wobei diese eine Partie nicht unsere erste Begegnung mit Aqualin war. Das Spiel war früher durchaus häufiger auf dem Tisch – nur offenbar lange genug nicht mehr, dass zumindest ich es gedanklich beinahe als ungespielt einsortiert hätte.
Die App hat ihren ersten Test damit jedenfalls bestanden:
Ein vergessenes Spiel wieder aus dem Regal geholt.
Genau dafür war die neue Filterfunktion gedacht.
❣️ Gesamtbewertung
4 von 5 Meeples
Aqualin erfindet das abstrakte Zwei-Personen-Spiel nicht neu, kombiniert aber einige sehr schöne Ideen.
Besonders gefällt mir, dass beide Spieler dieselben Steine auf demselben Spielfeld benutzen und trotzdem vollkommen unterschiedliche Ziele verfolgen. Dadurch entsteht fast automatisch eine starke Interaktion.
Man arbeitet ständig am eigenen Punktestand und zerstört gleichzeitig die Pläne des anderen.
Dazu kommen eine kurze Spielzeit von rund 20 Minuten und Regeln, die praktisch sofort verstanden sind.
Genau die Art Spiel also, die man am Abend schnell aus dem Regal ziehen kann, ohne erst wieder eine halbe Stunde Regeln zu lesen.
Und offenbar auch genau die Art Spiel, die man nach längerer Pause problemlos vergessen kann – bis man die Schachtel öffnet und sofort wieder weiß, warum sie überhaupt im Regal steht.
Hat Spaß gemacht. Kommt diesmal hoffentlich etwas früher wieder auf den Tisch.
ℹ️ Spielinfos
Name: Aqualin
Autor: Marcello Bertocchi
Grafik: Sophie Rekasowski
Verlag: KOSMOS
Erscheinungsjahr: 2020
Spielart: Abstraktes Zwei-Personen-Spiel / Tile Placement / Set Collection
Spielerzahl: 2 Spieler
Spieldauer: ca. 20 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Komplexität bei BoardGameGeek: 1,52 von 5
BGG-Bewertung: 6,94
BGG-Rang: #2430
Mechaniken: Grid Movement, Set Collection, Square Grid, Tile Placement
dnup haben wir das erste mal auf der „Spiel Doch!“ in Dortmund gespielt und dort auch sofort mitgenommen. Da es sich jetzt auch mit uns im Urlaub befindet hat es einen Artikel verdient.
Spielmechanik
dnup ist ein schnelles unkompliziertes Kartenspiel, bei dem es darum geht, all seine Karten loszuwerden. Um dies zu erreichen, legt man im uhrzeigersinn eine beliebige Anzahl gleicher Zahlen aus. Dabei ist wichtig zu beachten, dass noch keine Zahlengruppe mit der gleichen Anzahl von Karten und höherem Wert ausliegt. Wäre der Wert allerdings niedriger, müsste die Person, die die Zahlen ausgelegt hat, diese wieder auf die Hand nehmen. Der Kniff dieses Spiels besteht jedoch darin, dass auf jeder Karte zwei Zahlen abgebildet sind. Das heißt, je nachdem wie rum man die Karte auf der Hand hat, hat diese einen anderen Wert. Man kann seine Karten anstatt Karten auszulegen auch umdrehen. Außerdem muss man die Karten wenn man sie wieder aufnehmen muss, ebenfalls drehen. Wenn Karten am Anfang des Zuges noch vor einem liegen, darf man sie aus dem Spiel nehmen.
Stimmen aus der Redaktion
Hendrik: Schell, nett runter gespielt.
Anne: Endlich mal was Neues gelernt.
Maja: Fuentes
Josef: Ich mag die Idee mit den zwei Werten.
Unsere Bewertung
Wir finden, dass dnup ein schönes kurzes Kartenspiel ist und sich seinen Platz in unserem Spieleregal verdient hat. Wegen seiner innovativen Idee und seinen schnellen spannenden Partien bekommt es von uns 4 von 5 Meeples.
Edmond Halley ist vermutlich vor allem wegen des nach ihm benannten Kometen bekannt. Der englische Astronom und Mathematiker beschäftigte sich allerdings nicht nur mit den Bewegungen von Himmelskörpern. Er vertrat auch die Idee, die Erde könne im Inneren hohl sein.
Spätestens an dieser Stelle wird es für uns Hügelzelter interessant.
Naturwissenschaften und Mathematik passen schließlich ziemlich gut zu uns. Und wenn eine wissenschaftliche Theorie dann noch ein kleines bisschen ins Abgedrehte kippt, sind wir eigentlich endgültig im richtigen Themengebiet angekommen.
Genau hier setzt Deep Regrets an.
Das Spiel greift Halleys historische Vorstellung einer hohlen Erde auf und macht daraus die Grundlage seiner eigenen ziemlich düsteren Welt. Halley verschwindet in der fiktiven Geschichte des Spiels bei einer Expedition, mit der er seiner Theorie auf den Grund gehen wollte. Seitdem scheint mit dem Meer irgendetwas nicht mehr zu stimmen.
Denn in Deep Regrets fahren wir hinaus aufs Meer und tun zunächst etwas ausgesprochen Harmloses: Wir gehen angeln.
Das Problem ist nur, dass das, was wir dort aus dem Wasser ziehen, mit zunehmender Tiefe immer weniger wie ein gewöhnlicher Fisch aussieht.
📊 Deep Regrets bei BoardGameGeek
Autor: Judson Cowan Grafik: Judson Cowan Erschienen: 2025 Spieler: 1–5 Alter: ab 14 Jahren Komplexität: 2,34 von 5 BGG-Bewertung: 7,35 BGG-Rang: #1153 Verlage u. a.: Tettix Games, Board Game Circus, 2Tomatoes Games, Alis Games, asmodee, Board Bound
Mechaniken: Würfeln, Push Your Luck, Markt, Set Collection, Re-Rolling & Locking sowie Solo-Elemente
BGG-Daten: Stand 17. August 2026
🎲 Unsere Partien
Bis zu dieser Rezension haben wir Deep Regrets ein paar Mal zu dritt gespielt.
Mit am Tisch saßen Hendrik, Maja und Josef. Unsere Partien dauerten jeweils ungefähr 90-120 Minuten.
Eine davon konnte Josef für sich entscheiden. In der letzten Partie war dann ich siegreich.
Gespielt haben wir insbesondere während unseres Sommerurlaubs in Kroatien. Und das passte diesmal erstaunlich gut zum Thema.
⚙️ Spielmechanik – Angeln zwischen Risiko, Wahnsinn und Siegpunkten
Die eigentliche Angelmechanik von Deep Regrets gefällt uns ausgesprochen gut.
Bevor wir einen Fisch aus dem Wasser ziehen, sehen wir zunächst nur dessen Schatten auf der Rückseite der Karte. Dieser verrät, wie groß das Tier (?) auf der anderen Seite sein könnte.
Was dort tatsächlich wartet, wissen wir allerdings erst, wenn wir uns entscheiden, danach zu angeln.
Und je tiefer wir fischen, desto unangenehmer kann die Überraschung werden.
🌊 Je tiefer, desto sonderbarer
Das Spiel arbeitet mit bekannten Wahrscheinlichkeiten.
Je weiter wir uns von der Wasseroberfläche entfernen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir keinen gewöhnlichen Fisch mehr erwischen, sondern etwas deutlich Verdorbeneres.
Das (auch spielmechanisch) Schöne daran ist: Wir kennen dieses Risiko.
Wir laufen also nicht einfach blind in irgendeinen Zufallseffekt hinein. Die Zusammensetzung der Fischstapel und damit die Wahrscheinlichkeiten sind bekannt und können in die eigene Taktik einbezogen werden.
Brauche ich gerade möglichst zuverlässig einen guten Fang?
Oder gehe ich tiefer und hoffe auf etwas besonders Wertvolles, obwohl ich ziemlich genau weiß, dass dort unten zunehmend Dinge schwimmen, die eigentlich nicht schwimmen sollten? Aber auch dies könnte eine bewusste Taktik sein.
Das ist klassisches Push Your Luck, aber mit genügend Informationen, um das Risiko zumindest abschätzen zu können.
🧠 Wahnsinn kann sich lohnen
Besonders schön finden wir, dass der zunehmende Wahnsinn nicht einfach nur als klassische Bestrafung funktioniert.
Je weiter unser Fischer geistig abdriftet, desto leistungsfähiger kann er werden. Gleichzeitig scheint er aber auch zunehmend seine moralischen Maßstäbe zu verlieren.
Und plötzlich lässt sich eben auch ein ausgesprochen fragwürdiger Fang noch überraschend gut verkaufen.
Mechanik und Geschichte greifen dabei schön ineinander.
Unser Fischer bekommt nicht einfach abstrakt einen Bonus, weil irgendeine Leiste gestiegen ist. Er wird zunehmend wahnsinniger und skrupelloser. Daraus ergeben sich ihm neue Möglichkeiten.
Damit entsteht in jeder Partie wieder die Frage: Wie viel Wahnsinn wollen wir uns heute leisten?
Denn natürlich bleibt das nicht vollkommen ohne Konsequenzen.
⚓ Zurück in der Stadt
Ein zweiter wichtiger Teil des Spiels findet nicht auf dem Meer, sondern in der Stadt bzw. Dem Hafen statt.
Und hier stehen wir regelmäßig vor einer Entscheidung, die zunächst fast banal klingt: Behalten wir unsere Fische oder verkaufen wir sie?
Das Problem dabei ist, dass unsere Fänge letztlich auch einen erheblichen Teil unserer Siegpunkte darstellen.
Wer einen wertvollen Fisch verkauft, tauscht also unmittelbar Punkte gegen Geld.
Mit diesem Geld lässt sich wiederum bessere Ausrüstung kaufen.
Wir können in neue Angeln, Rollen und andere Hilfsmittel investieren und damit unsere Möglichkeiten für die nächsten Tage verbessern.
Dadurch tauschen wir einen Teil unseres bisherigen Erfolgs gegen die Hoffnung ein, später noch erfolgreicher zu werden.
Und genau diese Entscheidung gefällt uns sehr gut.
Wie viel investiere ich früh in meine Ausrüstung?
Behalte ich meine wertvollen Fische und sichere mir damit Punkte?
Oder verkaufe ich sie und versuche, mit besseren Werkzeugen in den folgenden Runden größere und wertvollere Fänge aus dem Meer zu ziehen?
🎣 Wie viel darf gute Ausrüstung kosten?
Dabei entscheidet nicht nur, ob wir Geld investieren, sondern auch, wie viel.
Wer mehr ausgibt, bekommt teilweise die Möglichkeit, aus mehreren Ausrüstungsgegenständen auszuwählen. Damit wächst die Chance, tatsächlich etwas zu finden, das gut zur eigenen Strategie passt.
Wer weniger investiert, geht ein größeres Risiko ein.
Man kann Glück haben und für wenig Geld einen hervorragenden Ausrüstungsgegenstand bekommen.
Man kann aber auch ziemlich schlecht dastehen.
Hier steckt deshalb ein interessanter Gegensatz:
Mehr Geld bedeutet mehr Auswahl und damit mehr Kontrolle.
Wenig Geld bedeutet mehr Risiko, kann sich mit etwas Glück aber ausgesprochen gut auszahlen.
Gerade an dieser Stelle scheiden sich bei uns ein wenig die Geister.
Denn für Josef, unseren Taktiker, steckt darin etwas zu viel Zufall.
🎨 Optik und Thema – Was zur Hölle haben wir da gefangen?
Ein erheblicher Teil des Charmes von Deep Regrets entsteht durch seine Karten.
Anfangs mag man vielleicht noch glauben, hier würden einfach ein paar etwas merkwürdige Fische durchs Wasser schwimmen.
Diese Vorstellung sollte man ziemlich schnell aufgeben.
Je tiefer wir kommen, desto absurder werden die Wesen, die wir aus dem Meer ziehen. Die Karten sind grotesk, teilweise ziemlich düster und gleichzeitig oft ausgesprochen witzig.
Das Umdrehen eines neuen Fisches ist deshalb gerade in den ersten Partien fast schon ein kleines Ereignis.
🤿 Fische im Kroatienurlaub
Bei Maja bekam das Thema noch eine zusätzliche Ebene.
Wir haben Deep Regrets während unseres Kroatienurlaubs gespielt und in diesem Urlaub auch unsere Tauchkenntnisse aufgefrischt.
Hendrik absolvierte einen Refresher für seinen Open Water Diver, Maja entsprechend für ihren Scuba Diver.
Wir hatten also durchaus einen aktuellen Eindruck davon, was sich unter der Wasseroberfläche so herumtreibt.
Majas erster über unsere Hügelzelter-App festgehaltener Eindruck war entsprechend:
„Fische, grundsätzlich ja gut. Aber warum sind so viele verdorben? Beim Tauchen haben wir das so nicht gesehen.“
Unsere tatsächlichen Begegnungen unter Wasser waren deutlich weniger beunruhigend.
Thematisch passte das Spiel dadurch aber ziemlich perfekt in diesen Urlaub.
👨👩👧👦 Stimmen aus der Redaktion
Peter / Josef – 4 von 5
„Schöne Mechanik, wobei die Ausrüstung nicht ganz fair ist.“
So lautet Josefs erster Eindruck aus unserer Redaktions-App und trifft seine Meinung ziemlich gut.
Besonders gefallen haben ihm das Design, die unterschiedlichen Spielphasen und der insgesamt flotte Spielablauf.
Bei der Ausrüstung sieht unser Taktiker allerdings einen Schwachpunkt.
Die verschiedenen Angeln und Rollen unterscheiden sich teilweise deutlich. Wer beim Einkauf wenig Geld investiert, bekommt weniger Auswahl und riskiert damit einen schlechteren Deal.
Gleichzeitig kann man mit etwas Glück natürlich auch für kleines Geld genau das passende Ausrüstungsteil erwischen.
„Wer wenig Geld ausgibt, kann einen schlechten Deal machen, aber eben auch richtig Glück haben.“
Für Josef steckt deshalb etwas zu viel Zufall oder Glück in einer Entscheidung, die ansonsten ausgesprochen taktisch wirkt.
Trotzdem überwiegt der Spielspaß deutlich.
Josef: 4 von 5 Punkten.
Maja – 4 von 5
Maja gefallen besonders die Optik, die sonderbare Geschichte und die völlig abgedrehten Karten.
Gerade dass Deep Regrets einmal eine ganz andere Spielidee verfolgt, hebt es für sie von vielen anderen Spielen ab.
Wir gehen angeln, entdecken immer absurdere Wesen und verlieren dabei langsam den Verstand.
„Ich mag die Optik und diese komische Story. Und die Fischkarten sind einfach völlig abgedreht. Das ist mal eine ganz andere Spielidee.“
Maja: 4 von 5 Punkten.
Hendrik – 4 von 5
„Ich mag Spiele mit etwas Tiefe. 😉“
Bei mir punktet Deep Regrets vor allem mit seiner tollen Optik und der herrlich ungewöhnlichen Grundidee.
Die Kombination aus Angeln, bekannten Wahrscheinlichkeiten, zunehmend verdorbenen Fischen und dem eigenen Wahnsinn funktioniert erstaunlich gut.
Dazu kommen immer wieder interessante Entscheidungen:
Verkaufe ich einen guten Fang und damit mögliche Siegpunkte, um bessere Ausrüstung zu kaufen?
Gehe ich tiefer und nehme ein größeres Risiko in Kauf?
Mein größter Vorbehalt betrifft allerdings genau das, was in den ersten Partien besonders viel Spaß macht.
„Ich glaube, wenn man irgendwann alle Fische gesehen hat, verliert das Spiel ein bisschen von seinem Witz und Charme.“
Ein erheblicher Teil des Vergnügens entsteht eben dadurch, eine Karte umzudrehen und zum ersten Mal zu sehen, was für ein vollkommen absurdes Wesen diesmal an der Angel hängt.
Deshalb ist Deep Regrets für mich kein Spiel, das ständig auf den Tisch kommen muss oder wird.
Aber für einige Partien ist es wunderbar unterhaltsam, sieht großartig aus und erzählt dabei eine Geschichte, die man so nicht in jedem zweiten Brettspiel findet.
Hendrik: 4 von 5 Punkten.
⚖️ Für wen eignet sich Deep Regrets?
Deep Regrets ist für uns vor allem ein Spiel für Menschen, die ein ungewöhnliches Thema mögen und mit einem gewissen Glücksanteil gut leben können.
Wer ausschließlich langfristig planbare Strategiespiele sucht und möglichst jede Entscheidung vollständig kontrollieren möchte, könnte gerade mit der Ausrüstung und den Fischkarten seine Schwierigkeiten haben.
Wer dagegen Spaß an Push Your Luck, Wahrscheinlichkeiten und der Frage hat, ob man nicht vielleicht doch noch ein kleines bisschen tiefer fischen sollte, bekommt hier eine sehr schöne Mischung.
Die Komplexität bleibt dabei überschaubar.
Trotz verschiedener Phasen, Ausrüstung, Würfeln, Wahnsinn und unterschiedlichen Fängen ist das Spiel kein schwerer Brecher.
Man kann sich entspannt auf den Irrsinn einlassen, ohne zuvor ein Studium der Spielanleitung absolvieren zu müssen.
Wobei ein Studium in Mathematik möglicherweise trotzdem hilft. Zumindest bei den Wahrscheinlichkeiten. Aber eigentlich ja immer …
⭐ Fazit
Deep Regrets ist eines dieser Spiele, bei denen zunächst die Idee hängen bleibt.
Ein Astronom und Mathematiker mit einer Theorie über die hohle Erde, immer groteskere Fische, zunehmender Wahnsinn und eine Spielmechanik, bei der wir ziemlich genau wissen, dass wir gerade etwas Unvernünftiges tun.
Mechanisch ist das keineswegs nur ein Gag.
Die Fischschatten liefern Informationen, Wahrscheinlichkeiten lassen sich kalkulieren und die Entscheidung zwischen wertvollen Fängen und Investitionen in bessere Ausrüstung funktioniert ausgesprochen gut.
Gleichzeitig sollte man nicht erwarten, dass jede Entscheidung vollständig planbar ist.
Gerade die Ausrüstung kann einen deutlichen Glücksfaktor ins Spiel bringen.
Die größte Stärke bleibt für uns aber die Kombination aus Thema, Optik und ungewöhnlicher Spielidee.
Deep Regrets ist vermutlich kein Dauerbrenner, den wir jede Woche spielen werden. Dafür lebt es zu sehr vom Entdecken seiner herrlich absurden Karten.
Aber manchmal reicht es eben vollkommen, für ein bis zwei Stunden hinaus aufs Meer zu fahren, ein paar Fische zu fangen und dabei langsam den Verstand zu verlieren.
Und wenn am Ende herauskommt, dass Edmond Halley mit seiner hohlen Erde vielleicht doch recht hatte, haben wir zumindest etwas gelernt.
Wie schreibt man eigentlich gemeinsam eine Rezension über ein Solospiel?
Diese Frage stellt sich bei „Witchbound“ tatsächlich. Denn obwohl das Abenteuer grundsätzlich allein gespielt wird, haben wir mittlerweile ziemlich viele Stunden gemeinsam auf Coven Cove (bzw. der Kesselküste) verbracht. Maja und Hendrik haben jeweils eine vollständige Kampagne gespielt. Josef hat dagegen regelmäßig bei Majas Partie zugeschaut, mitgerätselt und natürlich auch die eine oder andere Lösung beigesteuert.
Damit haben wir am Ende drei ziemlich unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Abenteuer.
Und genau die wollen wir in dieser Rezension zusammenbringen.
Kleine sprachliche Besonderheit vorweg: Obwohl Hendrik diesen Artikel schreibt, wird er an einigen Stellen etwas königlich von sich selbst als „Hendrik“ sprechen. Das wirkt zunächst vielleicht etwas merkwürdig, macht aber hoffentlich immer eindeutig, wessen Eindruck gerade wiedergegeben wird. Schließlich haben Maja und Josef an dieser Rezension ebenfalls kräftig mitgearbeitet.
Ein Solospiel mit Platzbedarf: Witchbound begleitete uns über mehrere Abende durch den Urlaub.
📦 Vorweg: Wie kam Witchbound zu uns?
Mit Board Game Circus hatten wir bereits vor „Witchbound“ mehrfach Kontakt. Ursprünglich hatten wir auch wegen eines Rezensionsexemplars angefragt und zwischenzeitlich stand ein solches sogar im Raum. Dazu kam es letztlich nicht.
Kein Problem.
Wir haben „Witchbound“ anschließend zu vergünstigten Konditionen selbst gekauft und bezahlt. Zusätzlich haben wir uns auch die Premium-Komponenten gegönnt.
Auf der SPIEL DOCH! hatten wir den Mitarbeitern von Board Game Circus allerdings bereits angekündigt, dass wir „Witchbound“ nicht einfach kurz anspielen und anschließend zwischen mehreren Neuheiten in einer Sammelrezension abhaken wollten.
Wenn wir darüber schreiben, dann nach einer vollständigen Kampagne.
Inzwischen sind es sogar zwei.
📊 Witchbound bei BoardGameGeek
Erscheinungsjahr: 2025
Designer und Illustrator: Thatcher Cohen
Publisher unter anderem: Dark Doll Games und Board Game Circus
Spieler: 1–2
Spielzeit: bis zu etwa 1.500 Minuten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Komplexität: 1,38 / 5
BGG-Wertung zum Zeitpunkt unseres Artikels: 7,3
Kategorien: Adventure, Dice, Fantasy, Puzzle
Mechanismen unter anderem: Cooperative Game, Dice Rolling, Narrative Choice / Paragraph, Pattern Recognition, Push Your Luck, Solo / Solitaire Game
🗺️ Was ist Witchbound überhaupt?
Coven Cove war einst eine Insel der Hexen. Doch seit mehr als hundert Jahren wurde dort keine echte Hexe mehr gesehen.
Bis wir auftauchen.
Unsere Magie erwacht und plötzlich sind wir an die Insel gebunden. Also bleibt uns nicht viel anderes übrig, als herauszufinden, warum das passiert ist – und was es überhaupt bedeutet, eine Hexe zu sein.
Dafür erkunden wir verschiedene Orte, sprechen mit Bewohnern, sammeln Gegenstände und Schlagworte und lösen immer wieder Rätsel.
Das Besondere dabei: Ein großer Teil der Spielwelt steckt direkt in den Illustrationen.
Auf den Karten befinden sich Personen, Gegenstände, Zahlen und Symbole, die man entdecken und anschließend miteinander kombinieren kann. Die Ergebnisse führen wiederum zu Einträgen im umfangreichen Geschichtenbuch.
So entsteht nach und nach ein ziemlich klassisches Point-and-Click-Abenteuer – nur eben auf dem Tisch.
Und das funktioniert erstaunlich gut.
Karten, Geschichtenbuch, Schlagworte und jede Menge Notizen: Nach einigen Stunden breitet sich Witchbound ordentlich auf dem Tisch aus.
📖 Die Geschichte: klein, charmant und erstaunlich liebevoll
Über einen Punkt waren wir uns ziemlich schnell einig:
„Witchbound“ sieht nicht nur schön aus, sondern erzählt seine Geschichte auch ausgesprochen sympathisch.
Besonders die Nebenquests sind oft kleine, liebevoll geschriebene Geschichten.
Hendrik erinnert sich beispielsweise besonders gerne an die Geschichte rund um die Geister, an die Glücksbringerhändlerin und an das ziemlich spezielle Schloss eines ausgesprochen hochnäsigen Grafen.
Majas Lieblingsmomente lagen dagegen unter anderem beim Drachen und seinem Lüftungssystem. Auch die Idee hinter der Sandburg hat ihr sehr gefallen.
Josef nennt vor allem die Geschichte rund um das Drachenei.
Und das ist eigentlich schon ganz bezeichnend.
Wir haben dasselbe Spiel gespielt beziehungsweise erlebt und erinnern uns trotzdem an ganz unterschiedliche kleine Geschichten.
Gerade darin liegt eine große Stärke von „Witchbound“.
🌸 Nebenquests ohne große Belohnung
Mechanisch haben die Nebenquests allerdings ein kleines Problem.
Es gibt in „Witchbound“ kaum klassische Charakterentwicklung. Wir bekommen also abseits der Hauptquest nicht ständig neue Fähigkeiten, bessere Ausrüstung oder irgendwelche Erfahrungspunkte.
Damit fehlen dem Spiel auch Möglichkeiten, Nebenquests mit richtig starken spielmechanischen Belohnungen zu versehen.
Josef bringt es ziemlich direkt auf den Punkt:
Die Nebenquests seien zwar cool und nett, hätten aber häufig „nix gebracht“.
Ganz so hart würden wir es vielleicht nicht formulieren. Aber grundsätzlich hat er recht.
Man spielt viele Nebenquests hauptsächlich deshalb, weil man wissen möchte, wie die Geschichte (der Nebenquests) weitergeht.
Maja wollte möglichst keine davon verpassen und hatte zeitweise sogar das Gefühl, dass ihr vielleicht eine Nebenquest fehlte, wenn sie in der Hauptgeschichte nicht weiterkam.
Hendrik ließ sich dagegen ohnehin gerne einfach durch die Welt treiben.
Wer allerdings bei Rollenspielen hauptsächlich wegen besserer Ausrüstung, Levels und Belohnungen Nebenquests erledigt, könnte hier etwas vermissen.
💰 Willkommen im Hexen-Casino
Über einen Kritikpunkt waren wir uns ausgesprochen einig: Geld.
Gerade am Anfang gibt es nur wenige Möglichkeiten, zuverlässig an Geld zu kommen.
Blöd nur, dass einige Bewohner sich durchaus über kleine Geschenke freuen. Muffins beispielsweise. Oder Blumen.
Und irgendwann entstand zumindest bei Hendrik daraus ein ausgesprochen effizienter Wirtschaftskreislauf:
Das hat mit gemütlicher Erkundung irgendwann nicht mehr wahnsinnig viel zu tun.
Maja empfand vor allem den Spieleinstieg ähnlich: Es gebe zunächst nur wenige Möglichkeiten, Geld zu bekommen, weshalb man es anschließend im Glücksspiel einfach vermehre.
Auch Josef nennt das Geldspiel spontan als den größten Grind-Moment.
Das ist keine Katastrophe. Aber hier merkt man deutlich, dass eine offene Spielwelt manchmal auch dazu führt, dass Spieler anfangen, ihre Mechanismen etwas zu sehr zu optimieren.
🎲 Würfelglück im Solospiel
Damit kommen wir gleichzeitig zu einem zweiten Punkt: Glück.
Josef war das ziemlich egal.
Maja störte es zumindest nicht so sehr, dass sie es ausdrücklich als Problem genannt hätte.
Hendrik sah das kritischer. Gerade in einem Solospiel fühlt sich ein verlorener Würfelwurf gelegentlich etwas merkwürdig an. Niemand freut sich über das eigene Pech – man würfelt einfach noch einmal.
Und Hendrik gibt an dieser Stelle zu: Irgendwann hat er Ergebnisse auch schon einmal etwas großzügiger ausgelegt oder lieber einen Zauber eingesetzt, anstatt denselben Vorgang noch mehrfach zu wiederholen.
Anmerkung der Co-Autoren: Maja und Josef legen Wert auf die Feststellung, dass ausschließlich Hendrik gemogelt hat. Damit wäre das auch geklärt.
Für Hendrik ist „Witchbound“ deshalb deutlich stärker, wenn es rätselt, erzählt und entdecken lässt, als wenn es würfelt.
🔎 Moment mal – da ist doch ein Symbol!
Eine der cleversten Ideen des Spiels steckt direkt in seinen Illustrationen.
Immer wieder müssen auf den Ortskarten kleine Symbole oder andere Details gefunden werden. Irgendwie ist genau das ja Point-and-Klick.
Maja hatte damit kaum Probleme. Ein oder zwei Dinge hat sie erst nach längerem Suchen entdeckt, insgesamt funktionierte es für sie aber sehr gut.
Josef ebenfalls: Konnte man gut erkennen.
Bei Hendrik sah das etwas anders aus. Gerade bei diffusem Licht auf der Terrasse unserer Ferienwohnung wurde die Suche teilweise ziemlich schwierig. Ob das zusätzlich mit seiner Grünblindheit zusammenhing, lässt sich schwer beurteilen.
Ohne Smartphone-Lampe wäre manches Symbol jedenfalls vermutlich noch eine ganze Weile unentdeckt geblieben.
Das ist allerdings gleichzeitig Kritik und Lob. Denn man schaut sich die Illustrationen dadurch wirklich genau an. Und das lohnt sich.
Suchen ausdrücklich erwünscht: Viele Symbole auf den Ortskarten lassen sich erst mit den passenden Fähigkeiten nutzen.
🎨 Eine Welt, die man gerne anschaut
Grafisch ist „Witchbound“ nämlich schlicht wunderschön.
Der Stil ist verspielt, warm und detailreich und passt hervorragend zur Geschichte.
Maja mochte insbesondere das Dorf und beschreibt die gesamte Atmosphäre als liebevoll und stimmig.
Hendrik blieb vor allem das Schloss in der Sandburg im Gedächtnis. Und auch die Verkäuferin der Amulette gehört zu den Figuren, zu denen er gerne zurückkehrte.
Josef fasst es deutlich pragmatischer zusammen: „Generell ganz schön gemacht.“
Auch das lassen wir gelten.
Interessant ist dabei Majas Kritik an der Welt: Sie hätte es spannender gefunden, wenn man nicht von Anfang an praktisch mit allen wichtigen Personen hätte sprechen können.
Neue Figuren erst im Laufe der Kampagne kennenzulernen, hätte die Insel noch lebendiger wirken lassen.
Das können wir gut nachvollziehen. Dies ist aber oft die Entscheidung zwischen“Open World“ und „linearer Erzählung“
Ein großer Teil von Witchbound spielt sich direkt in den detailreichen Illustrationen ab – genaues Hinsehen gehört zum Spiel.
🧩 Bis zum Ende neue Rätselideen
Was uns dagegen ausgesprochen positiv überrascht hat, ist die Vielfalt der Rätsel.
„Witchbound“ verlässt sich nicht auf eine einzige Mechanik.
Wir suchen Symbole, kombinieren Schlagworte, interpretieren Bilder, beschäftigen uns mit Gegenständen und bekommen gerade gegen Ende noch einmal einige Ideen präsentiert, die durchaus an „EXIT“ erinnern.
Josef nennt genau diese Rätsel am Ende sogar seine liebsten.
Maja gefielen unter anderem das Lüftungssystem beim Drachen, die Symbolsuche und ein Trankrätsel gegen Ende besonders gut.
Und Hendrik hatte vor allem den Eindruck: Den Entwicklern ist bis zuletzt nicht die Luft ausgegangen. Nach zwanzig Stunden noch einmal eine neue Rätselidee zu präsentieren, ist keineswegs selbstverständlich.
🤔 Logisch – meistens
Nicht jede Lösung fanden wir allerdings gleichermaßen nachvollziehbar.
Es gab durchaus Momente, bei denen wir uns auch nach der Lösung gefragt haben:
Darauf hätte ich jetzt wirklich kommen sollen?
Hendrik hatte beispielsweise rund um eine Maske und einen Brunnen größere Verständnisprobleme.
Maja nennt ebenfalls einzelne Situationen, bei denen ihr der notwendige Gedankensprung etwas groß erschien.
Josef sieht das entspannter: Manchmal sei es eben schwer, auf die Lösung zu kommen. „Aber ist halt das Spiel.“
Vielleicht ist das tatsächlich die gesündeste Einstellung.
Denn insgesamt sind die Rätsel fair. Nur eben nicht immer.
🧠 „Da war doch irgendwo etwas …“
Sehr clever ist die Verwendung von Schlagworten.
Während des Abenteuers stößt man immer wieder auf Begriffe, die später an völlig anderen Stellen wichtig werden können.
Das erzeugt schöne Aha-Momente.
Es setzt allerdings auch voraus, dass man sich erinnert. Bzw. ist das erinnern durchaus hilfreich.
Und genau hier spielt der zeitliche Abstand zwischen einzelnen Partien eine erstaunlich große Rolle.
Hendrik hat einen sehr großen Teil von „Witchbound“ innerhalb von fünf Abenden gespielt.
Dadurch waren Orte, Figuren und Hinweise meist noch präsent.
Daher empfiehlt er inzwischen ziemlich eindeutig:
Witchbound möglichst in einem überschaubaren Zeitraum spielen.
Nach zwei oder drei Wochen Pause dürfte die Frage „Wo war das noch einmal?“ deutlich häufiger auftreten.
Maja lief gelegentlich ebenfalls durch Nebenquests, weil sie glaubte, dort müsse sich die Lösung für ein Problem der Hauptgeschichte verstecken, obwohl sie tatsächlich nur etwas übersehen oder noch nicht richtig kombiniert hatte.
Auch das gehört allerdings ein Stück weit zum Spielgefühl.
🧭 Manchmal weiß man einfach nicht weiter
„Witchbound“ ist relativ offen.
Und Offenheit bedeutet zwangsläufig auch: Man kann sich verlaufen.
Nicht auf der Karte, sondern gedanklich.
Es gab bei uns Phasen, in denen nicht ganz klar war, was jetzt eigentlich der nächste sinnvolle Schritt ist.
Dann läuft man noch einmal zu alten Orten.
Spricht noch einmal mit allen „Menschen“.
Probiert „Mufins“ und „Blumen“ aus oder spielt ein Lied.
Das kann sich nach Entdeckung anfühlen. Manchmal fühlt es sich aber auch einfach danach an, dass man gerade nicht weiß, was das Spiel von einem möchte.
❤️ Die Premium-Komponenten
Einen ziemlich eindeutigen Rat können wir zu den optionalen Premium-Komponenten geben: Wir möchten sie nicht mehr missen.
Vor allem die Holzmarker für Leben und andere Werte sind deutlich angenehmer, als ständig auf den Spielbögen zu schreiben, zu radieren und erneut anzukreuzen.
Maja fand insbesondere diese Marker ausgesprochen praktisch.
Auch Hendrik würde sie jederzeit wieder dazukaufen.
Josef stimmt bei Herzen und Co. ebenfalls zu, hält allerdings einen Teil der zusätzlichen Aufkleber für Katze und Hexe für deutlich weniger notwendig.
Damit dürfte die Familienmeinung ziemlich gut zusammengefasst sein:
Die Marker: klare Empfehlung.
Alles andere: Geschmackssache.
Die Premium-Marker gehörten für uns zu den sinnvollsten Extras und ersparen einiges an Schreiben und Radieren.
✏️ Schreiben, radieren, weiterschreiben
Beim Papier gehen unsere Erfahrungen etwas auseinander.
Maja konnte mit Kugelschreiber gut auf den Bögen schreiben. Bleistift funktionierte weniger gut und häufiges Radieren machte die Bögen irgendwann etwas unsauber.
Hendrik hatte deutlich größere Probleme mit der Beschreibbarkeit.
Da Maja bereits einen Satz der Originalbögen verwendet hatte, druckte er sich ohnehin eigene Exemplare auf normalem Papier aus. Im Nachhinein war das für ihn die bessere Lösung.
Josefs Vorschlag klingt eigentlich am sinnvollsten: Eine abwischbare Folienlösung wäre an einigen Stellen praktischer gewesen.
Die Premium-Marker reduzieren das Problem allerdings erheblich.
Nach vielen Stunden ist einiges zusammengekommen. Hendrik nutzte ausgedruckte Spielbögen – Maja spielte zunächst auf den Originalbögen.
📦 Aufbau und Wiedereinstieg
Wer „Witchbound“ über mehrere Abende spielt, muss außerdem irgendwie mit dem aufgebauten Spiel umgehen.
Hendrik hat dafür eine sehr pragmatische Lösung gefunden: Er ließ es einfach stehen. Im Urlaub funktionierte das hervorragend.
Einmal musste tatsächlich abgebaut werden. Der anschließende Wiedereinstieg war deutlich schwieriger, allerdings auch deshalb, weil vorher nicht besonders sorgfältig sortiert worden war.
Maja fand dagegen relativ schnell wieder ins Spiel.
Trotzdem gehört „Witchbound“ für uns zu den Spielen, bei denen ein eigener Tisch oder zumindest die Möglichkeit, den aktuellen Stand gut wegzusortieren, viel wert ist.
Einfach stehen lassen war im Urlaub die komfortabelste Speicherfunktion.
👤 Ist das überhaupt ein richtiges Solospiel?
Für Hendrik war „Witchbound“ gleichzeitig ein kleines Experiment. Es war sein erstes längeres Solo-Brettspiel.
Und grundsätzlich sind Brettspiele für ihn eigentlich gerade deshalb interessant, weil andere Menschen mit am Tisch sitzen.
25 Stunden alleine mit einem Brettspiel zu verbringen, klingt deshalb zunächst eher abschreckend. Überraschenderweise funktionierte es trotzdem.
Das Spiel hatte für ihn stellenweise fast etwas von einem Buch: Man setzt sich abends hin, taucht wieder in die Geschichte ein und möchte wissen, wie es weitergeht. Der Urlaub war dafür allerdings der perfekte Zeitpunkt.
Im normalen Alltag wäre es vermutlich schwieriger gewesen, so viele Abende dafür freizuhalten. Und gleichzeitig blieben während der Kampagne einige Bücher ungelesen, die eigentlich ebenfalls mit in den Urlaub gekommen waren.
Solo-Spiele werden deshalb vermutlich trotzdem nicht Hendriks neuer Hauptfokus. „Witchbound“ hat aber bewiesen, dass es durchaus funktionieren kann.
👥 Vielleicht ist Witchbound gar nicht so solo
Maja liefert dazu noch eine interessante Ergänzung. Alleine zu spielen war für sie überhaupt kein Problem. Trotzdem fand sie es gemeinsam mit Josef teilweise sogar besser. Man kann miteinander überlegen, Details auf den Karten suchen und Rätsel diskutieren.
Josef selbst formuliert seine Rolle etwas nüchterner: Er habe eben „nur mitgespielt“.
Damit kommen wir wieder zur Ausgangsfrage dieses Artikels zurück.
Wie schreibt man zu dritt eine Rezension über ein Solospiel?
Offenbar ziemlich einfach. Denn „Witchbound“ funktioniert zwar hervorragend allein, lässt sich aber ebenso gut gemeinsam erleben.
Vielleicht ist der Begriff Solo-Spiel mit Rätsel-Co-Pilot gar nicht so falsch.
⏱️ 25 Stunden Witchbound
Die offiziell genannten rund 25 Stunden halten wir insgesamt für ziemlich realistisch.
Maja dürfte ungefähr dort gelegen haben.
Hendrik war vermutlich etwas schneller, weil er einen großen Teil der Kampagne sehr kompakt innerhalb weniger Tage gespielt hat.
Interessant ist dabei unsere unterschiedliche Wahrnehmung.
Hendrik fand die Länge ziemlich genau richtig. Mehr hätte es für ihn nicht sein müssen.
Maja war dagegen überrascht, wie schnell plötzlich das Ende erreicht war.
Sie hätte problemlos noch länger auf Coven Cove bleiben können.
Auch daraus lässt sich ziemlich gut ablesen, wie unterschiedlich man dieses Spiel erleben kann.
⚠️ Ein Wort zum Ende – möglichst spoilerfrei
Über konkrete Ereignisse möchten wir hier bewusst nicht sprechen.
Maja hat völlig recht: Wer „Witchbound“ noch spielen möchte, sollte möglichst wenig über die Handlung wissen.
Trotzdem müssen wir einen Punkt erwähnen.
Das Ende hat uns überrascht, allerdings nicht ausschließlich positiv.
Hendrik hatte zunächst sogar das Gefühl, möglicherweise etwas übersehen zu haben. Einige offene Fäden wirkten für ihn eher wie der Beginn weiterer Aufgaben als wie der tatsächliche Abschluss der Geschichte.
Wenn das bewusst als Vorbereitung auf eine Fortsetzung gedacht ist, können wir damit leben.
Als Abschluss dieser Kampagne hätte Hendrik allerdings gerne noch etwas mehr Auflösung gehabt.
Maja fand einzelne Aspekte des Endes ebenfalls etwas merkwürdig, während sie grundsätzlich aber sogar gerne noch länger weitergespielt hätte.
Mehr möchten wir an dieser Stelle wirklich nicht verraten.
⚖️ Für wen eignet sich Witchbound?
Wer gerne Geschichten entdeckt, Rätsel löst und sich von einer Spielwelt einfach treiben lässt, findet hier ein ausgesprochen charmantes Abenteuer.
Besonders gut passt „Witchbound“ aus unserer Sicht zu Spielern, die:
Point-and-Click-Adventures mögen,
gerne kleine Details suchen,
erzählerische Spiele mögen,
kein Problem damit haben, auch einmal ohne klare Richtung loszuziehen,
und nicht erwarten, nach jeder Nebenquest ein neues Schwert oder drei Erfahrungspunkte zu bekommen.
Wer dagegen vor allem Charakterentwicklung, taktische Kämpfe und kontinuierlich bessere Ausrüstung erwartet, könnte enttäuscht werden.
Und wer Solo-Spiele grundsätzlich nicht mag? Hierauf haben wir keine Antowort. Hendrik hätte sich vor „Witchbound“ vermutlich selbst zu dieser Gruppe gezählt.
Ganz so eindeutig ist die Sache inzwischen nicht mehr.
🏁 Fazit
„Witchbound“ ist kein perfektes Spiel.
Manchmal läuft man ziellos durch die Kesselküste. Manchmal würfelt man häufiger, als man eigentlich möchte. Manchmal fragt man sich, wie man auf eine bestimmte Lösung hätte kommen sollen.
Und trotzdem wollten wir weiterspielen. Maja spielte ihre Kampagne vollständig durch. Hendrik setzte sich Abend für Abend wieder an den Tisch.
Und Josef, der eigentlich gar keine eigene Kampagne spielte, stand irgendwann trotzdem mitten in den Rätseln.
Vielleicht ist genau das die größte Stärke von „Witchbound“.
Die Insel fühlt sich irgendwann weniger wie ein Spielplan an und mehr wie ein Ort, dessen Bewohner und kleine Geschichten man kennengelernt hat.
Und wenn man nach ungefähr 25 Stunden immer noch über einzelne Quests, Figuren und Rätsel diskutiert, hat ein Abenteuerspiel ziemlich viel richtig gemacht.
⭐ Stimmen aus der Runde
Hendrik: „Witchbound“ hat mir sehr gut gefallen. Der Grafikstil, die kleinen Geschichten und vor allem die Vielfalt der Rätsel tragen das Abenteuer erstaunlich lange. Die Grind-Momente, einige schwer nachvollziehbare Lösungen und das für mich etwas unbefriedigende Ende verhindern die Höchstwertung. Gleichzeitig fehlt mir allerdings auch völlig der Vergleich zu anderen großen Solo-Brettspielen.
Wertung: 4 von 5
Maja: Ich mag die Geschichte, das Konzept und insbesondere die Beziehung der Figuren. Die Welt hätte für mich sogar noch größer sein und länger dauern dürfen. Kritik gibt es nur für einzelne schwer nachvollziehbare Lösungen und den teilweise seltsamen Abschluss. Ich habe das Spiel sehr genossen und würde mich über eine Fortsetzung freuen.
Wertung: 4 von 5
Josef: Josef hat keine eigene vollständige Kampagne gespielt und bekommt deshalb diesmal keine klassische Einzelwertung. Sein Fazit fällt trotzdem ziemlich treffend aus:
„Ganz cool, an manchen Stellen irgendwie nervig. Sonst cool.“
🎲 Unsere Wertung
Witchbound: ⭐⭐⭐⭐☆
4 von 5 Hügelzelter-Sternen
Ein wunderschön illustriertes, liebevoll erzähltes Abenteuer mit abwechslungsreichen Rätseln, starken Nebenquests und einer Welt, die man gerne erkundet. Etwas Grind, gelegentlich schwer nachvollziehbare Lösungen und ein nicht ganz befriedigender Abschluss verhindern für uns die Höchstwertung.
Dies ist bewusst kein klassischer Ersteindruck. Über unsere ersten Partien von Dune: Imperium haben wir bereits Ende 2025 berichtet. Seitdem sind einige Monate vergangen, das Spiel hat seinen festen Platz im Hügelzelter-Regal gefunden und inzwischen durfte auch die gesamte Redaktion nach Arrakis reisen. Höchste Zeit also für einen zweiten Blick.
Übersicht
Es gibt Spielwelten, die begegnen einem immer wieder. Bei mir ist das inzwischen ganz klar Dune.
Den Roman von Frank Herbert besitze ich zwar schon seit Jahren, gelesen habe ich ihn allerdings bis heute nicht. Trotzdem lässt mich Arrakis irgendwie nicht mehr los.
Und eigentlich begann das schon deutlich früher.
Für viele Spieler meiner Generation war Dune II Anfang der 90er Jahre einer der ersten Berührungspunkte mit dem Genre der Echtzeitstrategie. Natürlich folgten später mit Command & Conquer, Warcraft und vielen anderen Titeln die ganz großen Klassiker. Trotzdem bleibt Dune II für mich eines der Spiele, das dieses Genre überhaupt erst geprägt hat. Vielleicht kommt daher auch bis heute die gedankliche Verbindung zwischen dem Spice auf Arrakis und dem Tiberium aus Command & Conquer. Beides sind wertvolle Ressourcen, um die ganze Kriege geführt werden und beide prägen das jeweilige Spielgefühl enorm.
Den nächsten großen Schritt machten dann die neuen Kinofilme. Gemeinsam mit Callipo und einigen weiteren Freunden gehörte jeder neue Teil praktisch zum Pflichtprogramm: Burger, Kino und einfach ein richtig guter Abend. Den alten Film von 1984 habe ich zwar vor vielen Jahren einmal ausschnittsweise gesehen, aber damals war ich noch weit davon entfernt, überhaupt ins Kino gehen zu dürfen. Die moderne Verfilmung hat mich dagegen sofort abgeholt. Jetzt warten wir gespannt auf den dritten Teil, der Ende 2026 erscheinen soll.
Zwischendurch führte mich der Weg auch auf den PC. Gemeinsam mit Callipo verbrachte ich viele Abende in Dune: Awakening. Nach unserem letzten Sommerurlaub erwartete uns allerdings eine kleine Überraschung: Unsere komplette Basis war verschwunden. Nicht im übertragenen Sinn: die Wüste hatte sie sich tatsächlich zurückgeholt. Mauern, Werkstätten, Fahrzeuge … fast alles war verschwunden.
Kurz überlegten wir, das Kapitel Dune: Awakening damit zu beenden.
Stattdessen bauten wir alles noch einmal auf, kämpften uns durch die komplette Hauptgeschichte und errichteten unsere Basis von Grund auf neu. Irgendwann hatten wir nahezu alles erreicht, was wir erreichen wollten. Inzwischen dürfte der Sand wieder ganze Arbeit geleistet haben. Geblieben sein sollten lediglich die eingelagerten Vorräte in der Bank und der Ornithopter, den ich vorsorglich für kommende Erweiterungen gesichert habe. Momentan reizt uns beide ein neuer Einstieg allerdings noch nicht.
Und dann ist da natürlich noch das Brettspiel.
Bevor wir die nächste Partie starteten, habe ich mir übrigens noch einmal den Wikipedia-Artikel zum Dune-Universum vorgenommen. Dabei wurde mir erst richtig bewusst, wie gewaltig diese Welt eigentlich ist. Die Geschichte von Dune umfasst nicht nur einige Jahrzehnte, sondern reicht – je nach Epoche – über viele Jahrtausende. Filme, Hörbücher, Computerspiele und Brettspiele beleuchten davon jeweils nur einen kleinen Ausschnitt.
Auch Dune: Imperium war längst nicht der erste Versuch, dieses Universum als Brettspiel umzusetzen. Es dürfte aber der bislang erfolgreichste sein. Nicht ohne Grund gehört es inzwischen zu den absoluten Spitzenreitern bei BoardGameGeek. Und wenn man sich den hervorragenden Ruf von Dune: Imperium – Uprising anschaut, dürfte auch diese eigenständige Weiterentwicklung früher oder später ihren Weg ins Hügelzelter-Regal finden.
Dune: Imperium auf unserem Urlaubstisch – bereit für die nächste Reise nach Arrakis.
🪱 Hügelzelter-Exkurs: Warum gibt es eigentlich überall riesige Würmer?
Wer heute einen riesigen Wurm in einer Wüste sieht, denkt vermutlich sofort an Dune. Dabei sind ähnliche Kreaturen in vielen Science-Fiction-Welten zu finden – allerdings mit ganz unterschiedlichen Aufgaben.
Die Sandwürmer von Arrakis sind weit mehr als riesige Monster. Sie bilden das Herzstück des gesamten Ökosystems. Ohne sie gäbe es kein Spice, ohne Spice keine Raumfahrt und ohne Raumfahrt kein Imperium. Gleichzeitig werden sie von den Fremen verehrt und sogar als Reittiere genutzt.
Ganz anders sieht es beim Sarlacc aus Star Wars aus. Er lauert regungslos an einer Stelle und dient vor allem als tödliche Falle. Für das Universum selbst spielt er dagegen kaum eine Rolle. Der berühmte Weltraumwurm (Exogorth) aus Das Imperium schlägt zurück lebt wiederum im Inneren eines Asteroiden und ist schlicht ein außergewöhnliches Tier. Und selbst Spaceballs konnte sich eine herrliche Parodie auf die Dune-Würmer nicht verkneifen.
Tatsächlich war Frank Herbert seiner Zeit weit voraus: Die ersten Sandwürmer erschienen bereits 1965 im Roman Dune, lange bevor Star Wars überhaupt das Licht der Welt erblickte.
🎲 Und was machen die Sandwürmer im Brettspiel?
Nach all den Geschichten über Shai-Hulud könnte man meinen, dass die riesigen Sandwürmer im Brettspiel jederzeit unter den Spielfiguren hervorschießen und ganze Armeen verschlingen.
So gefährlich wird es bei Dune: Imperium nicht.
Hier übernehmen sie vielmehr eine elegante spielmechanische Aufgabe. Immer dann, wenn ein Spice-Feld längere Zeit nicht genutzt wird, sammelt sich dort immer mehr Spice an. Die Wüste wird also mit jeder Runde lukrativer und lockt die Spieler früher oder später doch dorthin. Die Sandwürmer sorgen dabei thematisch dafür, dass diese Entwicklung glaubwürdig wirkt. Eine zentrale Rolle im Spiel haben sie allerdings nicht.
Wer gehofft hat, selbst auf einem Sandwurm durch die Wüste zu reiten, wird ebenfalls enttäuscht. Dieser ikonische Teil der Dune-Geschichte bleibt den Filmen und Romanen vorbehalten.
Dafür zeigt sich hier eine der großen Stärken von Dune: Imperium: Das Spiel versucht gar nicht, jede Facette des Dune-Universums abzubilden. Stattdessen greift es einige prägende Elemente heraus: Spice, die großen Häuser, Intrigen, Fraktionen und eben auch die Sandwürmer; und verwandelt sie in eine elegante Spielmechanik, die den Blick ehr auf die Entstehung des Spice lenkt.
Nahaufnahme der Spice-Felder und der Sandwurm-Mechanik auf dem Spielplan.
🎲 Vom Wüstenplaneten auf den Spieltisch
Doch so faszinierend die Welt von Dune auch ist, am Ende geht es auf der Spielwiese der Hügelzelter natürlich vor allem um Brettspiele.
Und gerade hier ist Dune längst kein unbeschriebenes Blatt mehr.
Bereits Ende der 1970er Jahre erschien mit dem legendären Avalon-Hill-Spiel eine erste Brettspielumsetzung. In den folgenden Jahrzehnten folgten zahlreiche weitere Versuche, Frank Herberts Universum auf den Spieltisch zu bringen. Manche gelten heute als Geheimtipps, andere verschwanden schnell wieder in der Versenkung.
Den ganz großen Durchbruch schaffte aus unserer Sicht allerdings erst Dune: Imperium.
Paul Dennen kombinierte Deckbuilding und Worker Placement zu einem Spiel, das sich nicht nur hervorragend spielt, sondern das Thema überraschend gut transportiert. Statt riesige Armeen über Arrakis zu bewegen, dreht sich alles um Einfluss bei den großen Fraktionen, knappe Ressourcen, politische Intrigen und die richtige Vorbereitung auf den nächsten Konflikt.
Kein Wunder also, dass sich Dune: Imperium inzwischen dauerhaft in den Top 10 von BoardGameGeek etabliert hat.
Doch was macht das Spiel nach mehreren Monaten und zahlreichen Partien eigentlich so besonders?
Genau das wollten wir in unserem Urlaub noch einmal herausfinden.
⚙️ Die Spielmechanik in aller Kürze
Wer unseren ersten Artikel zu Dune: Imperium gelesen hat, kennt die grundlegenden Mechaniken bereits. Deshalb möchten wir an dieser Stelle gar nicht noch einmal jede Regel im Detail erklären.
Kurz zusammengefasst verbindet Dune: Imperium zwei der beliebtesten Mechaniken moderner Brettspiele:
Deckbuilding, bei dem sich das eigene Kartendeck im Laufe der Partie immer weiter verbessert.
Worker Placement, bei dem Agenten auf begehrte Aktionsfelder gesetzt werden; wie üblich oft genau vor der Nase der Mitspieler, wobei dies weitaus seltener vorkommt, wie bei anderen Genrevertretern.
Hinzu kommen Konflikte, politische Fraktionen, Intrigenkarten und natürlich das allgegenwärtige Spice als wichtigste Ressource auf Arrakis. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass sich keine Partie wie die vorherige anfühlt.
Wer sich ausführlicher für die Regeln interessiert, findet alle Grundlagen in unserem ersten Artikel. Heute möchten wir stattdessen darüber sprechen, warum uns Dune: Imperium auch Monate später noch so begeistert.
🎲 Warum Dune: Imperium bei uns einziehen musste
Unsere ersten Partien fanden übrigens gar nicht mit unserem eigenen Exemplar statt.
Das Spiel gehörte Marcel und nach einem gemeinsamen Spieleabend blieb Dune: Imperium selbstverständlich auch wieder in der Casa Marcel zurück. Ich durfte lediglich die Regeln vorbereiten und erklären.
Als sich einige Zeit später die Gelegenheit ergab, selbst ein Exemplar zu kaufen, musste ich nicht lange überlegen. Mir war schon nach diesen ersten Partien klar: Dieses Spiel passt einfach perfekt zu unserer Redaktion.
Warum? Weil hier gleich mehrere Dinge zusammenkommen, die wir ohnehin gerne spielen.
Deckbuilding gehört schon lange zu unseren Lieblingsmechaniken. Dominion hat auch bei uns zahlreiche Partien gesehen. Dies schon zu Studienzeiten und insbesondere mit Anne. Und auch Aeon’s End landet regelmäßig auf dem Tisch. (Und wir besitzen die Legacy und die ursprüngliche Variante)
Worker Placement dagegen ist spätestens seit vielen anderen Titeln eine Mechanik, bei der insbesondere Josef immer wieder seine Stärken ausspielt.
Und dann ist da natürlich noch das Thema. Seit Terraforming Mars haben Josef und ich eine gewisse Schwäche für Science-Fiction-Szenarien entwickelt. Maja wiederum konnte zuletzt vor allem Anno 1800 begeistern. Dune: Imperium verbindet von all diesen Spielen ein Stück weit etwas miteinander.
Eigentlich fehlte nur noch eines: Zeit.
Deshalb dauerte es einige Monate, bis unser eigenes Exemplar endlich auf den Tisch kam. Und da ging es dann recht schnell: Trotz der vielen Möglichkeiten im Spiel vergingen vom Öffnen der Schachtel bis zum ersten Zug kaum fünfzehn Minuten. Material ausstanzen, kurz die Regeln erklären, aufbauen und schon waren wir mitten auf Arrakis.
Das spricht für das erstaunlich zugängliches Regelwerk. Dune: Imperium ist sicherlich kein Familienspiel, aber eines dieser Kennerspiele, die deutlich weniger Einstiegshürde besitzen, als ihr Ruf zunächst vermuten lässt.
Der Spielaufbau vor der ersten Runde – erstaunlich schnell erklärt und aufgebaut.
🧰 Ein kleiner Kritikpunkt bleibt
Wenn ich dem Spiel dennoch einen kleinen Wunsch mit auf den Weg geben dürfte, dann wäre es ein besseres Insert.
Die Schachtel erfüllt ihren Zweck, aber nach ein paar Partien fliegen Karten, Marker und Ressourcen doch etwas zu ungeordnet durch die Box. Das kostet beim Auf- und Abbau jedes Mal ein paar unnötige Minuten.
Zum Glück lässt sich dieses Problem auf Hügelzelter-Art lösen.
Nach dem Urlaub dürfte sich mein 3D-Drucker wohl um eine passende Lösung kümmern.
Vielleicht wird daraus ja sogar noch ein kleiner Folgeartikel.
🧪 Unsere Urlaubsrunde
Diesmal stand Dune: Imperium zum ersten Mal mit der Hügelzelter-Redaktion auf dem Tisch.
Mit dabei waren Maja, Josef und ich.
Schon nach wenigen Zügen wurde klar, dass diese Partie anders verlaufen würde als unsere ersten Runden bei Marcel.
Ich selbst fühlte mich eigentlich gut aufgestellt. Meine Spice-Produktion lief ordentlich, ich hatte genügend Optionen für die kommenden Runden und hoffte, im Endspiel noch einmal entscheidend angreifen zu können.
Doch Josef hatte andere Pläne.
Vor allem die Intrigenkarten entschieden die Partie deutlich. Im perfekten Moment ausgespielt, machten sie aus einer ohnehin guten Ausgangslage einen am Ende überraschend klaren Sieg.
Bis heute frage ich mich ehrlich gesagt, woher er eigentlich all die Solari genommen hat. Mit meinen gut gefüllten Spice-Vorräten fühlte ich mich bestens vorbereitet; anscheinend lassen sich mit Spice nicht alle Probleme lösen.
Man muss eben auch mal verlieren können.
Oder zumindest so tun, als würde man die Niederlage gelassen hinnehmen.Das Ergebnis können wir so natürlich trotzdem nicht stehen lassen. Dune: Imperium begleitet uns schließlich nicht ohne Grund durch den Urlaub. Arrakis wird uns in den nächsten Tagen mit ziemlicher Sicherheit noch einmal wiedersehen, wenn nicht in Österreich, dann vielleicht in Kroatien.
Der Spielstand kurz vor Schluss – Josef auf dem Weg zum verdienten Sieg.
💬 Stimmen aus der Redaktion
👦 Josef
“Worker Placement ist einfach genau mein Ding. Und wenn dann noch Deckbuilding dazukommt, wird’s richtig gut. Die Intrigenkarten haben diesmal perfekt funktioniert.”
👧 Maja
“Mir gefällt, dass jede Partie anders verläuft. Obwohl alle auf dieselben zehn Siegpunkte spielen, fühlt sich keine Runde gleich an. Man muss sich immer wieder auf neue Situationen einstellen.”
👨 Hendrik
“Mittlerweile verstehe ich noch besser, warum Dune: Imperium dauerhaft ganz oben bei BoardGameGeek steht. Es ist eines dieser Spiele, die mit jeder Partie eher besser als schlechter werden.”
Detailaufnahme des Spielmaterials mit Karten, Agenten und Ressourcen.
📊 Ein moderner Klassiker
Spätestens ein Blick auf BoardGameGeek zeigt, welchen Stellenwert Dune: Imperium inzwischen erreicht hat.
Als wir unseren ersten Artikel geschrieben haben, gehörte das Spiel bereits zur absoluten Weltspitze. Inzwischen konnte es sich sogar noch einmal verbessern.
Aktuelle Platzierungen
🌍 Platz 6 der besten Brettspiele weltweit
🧠 Platz 7 der Strategiespiele
⭐ 8,4 von 10 Punkten
👥 Rund 59.000 Bewertungen
💬 Mehr als 7.700 Kommentare
Auf den ersten Blick wirkt es etwas seltsam, dass Dune: Imperium im Gesamtranking sogar einen Platz vor seiner Platzierung in der Strategie-Kategorie geführt wird. Der Grund ist allerdings recht einfach: BoardGameGeek berechnet die verschiedenen Ranglisten unabhängig voneinander. Die Werte lassen sich deshalb nicht eins zu eins miteinander vergleichen.
Viel beeindruckender finden wir ohnehin etwas anderes:
Ein Spiel kurz nach seinem Erscheinen hoch zu bewerten, ist das eine. Über Jahre hinweg in den Top 10 zu bleiben und dabei von fast 60.000 Spielern bewertet zu werden, schaffen dagegen nur echte Ausnahmeerscheinungen.
Nach unseren inzwischen mehreren Partien können wir dieses Ergebnis jedenfalls sehr gut nachvollziehen.
Für mich persönlich ist Dune: Imperium inzwischen ein modernes Meisterwerk.
Es verbindet zwei meiner liebsten Spielmechaniken so elegant, dass sich jede Partie frisch anfühlt. Gleichzeitig gelingt es dem Spiel, das Dune-Universum hervorragend einzufangen, ohne sich in unzähligen Sonderregeln oder unnötiger Komplexität zu verlieren. Das Thema ist jederzeit präsent, drängt sich aber nie in den Vordergrund.
Vielleicht ist genau das die größte Stärke des Spiels.
Es möchte gar nicht jede Szene aus den Filmen oder jedes Detail der Romane simulieren. Stattdessen nimmt es die wichtigsten Elemente des Dune-Universums: Spice, Intrigen, Fraktionen, Konflikte und Machtkämpfe und macht daraus ein außergewöhnlich gutes Kennerspiel.
Dass ich diesmal gegen Josef verloren habe, ändert daran überhaupt nicht
Im Gegenteil. Gute Strategiespiele erkennt man oft daran, dass man nach einer Niederlage sofort die nächste Partie spielen möchte.
Genau dieses Gefühl hatte ich, als wir die Karten wieder in die Schachtel gelegt haben.
👨👧👦 Gemeinsame Wertung der Hügelzelter-Redaktion
⭐ 4,5 von 5 Meeples
Dune: Imperium gehört für uns zu den stärksten Kennerspielen der vergangenen Jahre.
Die Mischung aus Deckbuilding und Worker Placement funktioniert hervorragend, jede Partie entwickelt ihre eigene Dynamik und selbst nach mehreren Monaten entdecken wir immer wieder neue Strategien und Kombinationen.
Dass Josef unsere Urlaubsrunde so deutlich gewinnen konnte, zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Wege zum Sieg sein können. Genau das sorgt dafür, dass sich keine Partie wie eine Wiederholung anfühlt.
Einen kleinen Kritikpunkt gibt es dennoch.
Ein besseres Insert hätte dem Spiel gutgetan. Nach mehreren Partien wird die Schachtel doch etwas unübersichtlich. Dieses Problem dürfte sich allerdings schon bald erledigt haben – spätestens wenn der 3D-Drucker nach dem Urlaub seine Arbeit aufnimmt.
Ansonsten bleibt eigentlich nur eine Erkenntnis: Das hervorragende Rating auf BoardGameGeek kommt nicht von ungefähr.
Dune: Imperium gehört völlig zu Recht zu den besten Brettspielen der vergangenen Jahre und hat sich seinen Platz in den weltweiten Top 10 redlich verdient.
Und eines steht schon jetzt fest:
Diese Niederlage gegen Josef bleibt nicht lange bestehen.
Dune: Imperium begleitet uns schließlich nicht ohne Grund durch unseren Urlaub. Arrakis wird uns mit ziemlicher Sicherheit schon in den nächsten Tagen wiedersehen.
📌 Unser Gesamturteil
Kategorie
Wertung
🎓 Zugänglichkeit
🟢 Erstaunlich hoch für ein Kennerspiel
⚔️ Interaktion
🟢 Sehr hoch
🧠 Strategie
🟢 Sehr hoch
🔁 Wiederspielwert
🟢 Extrem hoch
🎨 Material
🟡 gut – mit Luft nach oben beim Insert. Ansonsten Euro-typisch
Gemeinsame Wertung der Hügelzelter-Redaktion: ⭐⭐⭐⭐½ (4,5/5 Meeples)
Hinweis: Sobald unser 3D-Drucker ein passendes Insert für Dune: Imperium ausgespuckt hat – und vermutlich auch, wenn Dune: Imperium – Uprising bei uns eingezogen ist – wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Fortsetzung zu diesem Artikel geben. Arrakis lässt einen eben nicht so schnell wieder los.
PS: Eigentlich wollte ich nach diesem Artikel nur noch die Bilder sortieren. Stattdessen werde ich vermutlich erst einmal nach dem LEGO-Ornithopter suchen. Irgendwie fehlt der in meiner Sammlung inzwischen doch ziemlich offensichtlich.
Durch die „SPIEL DOCH!“ gesellten sich einige weitere Holzspiele zu unserer bisherigen Sammlung. Sie gehören wie „Quarto“ und „Quoridor“ zur Gigamic-Reihe. Unsere neuen Titel heißen „Quixo“, „Qomet“, „Quantik“ und „Pylos“. Jetzt erhaltet ihr zu jedem eine kurze Zusammenfassung.
Quixo
Quixo besteht aus einem Feld, das aus fünf mal fünf Würfeln besteht. Diese werden abwechselnd aus dem Rand genommen, auf sein Symbol gedreht und dann wieder so hinein geschoben, dass sich die entstandene Lücke schließt. Man gewinnt, wenn man eine vollständige Reihe gelegt hat.
Besonders gefällt mir, dass sich das Spielfeld bei jedem Zug leicht verändert. Das erinnert irgendwie an das Verrückte Labyrinth gemischt mit Tic Tac Toe.
📊 BoardGameGeek
Erscheinungsjahr: 1995
Autor: Thierry Chapeau
Spieler: 2–4
Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: ca. 15 Minuten
Komplexität: 1,62 / 5
BGG-Bewertung: 6,3 / 10 (über 1.100 Bewertungen)
BGG-Rang (Abstract Strategy): Platz 297
Qomet
Qomet hat eine einzigartige Mechanik, weswegen sie in Kürze schwer zu erklären ist. Dies macht dieses Spiel jedoch auch so toll und reizvoll zu spielen.
Gewonnen hat, wer als Erster ein Quadrat aus seinen Spielsteinen bildet. Dabei gibt es deutlich mehr Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen, als man zunächst vermuten würde. Genau das macht jede Partie spannend.
🏕️ Hendriks Meinung
„Mich erinnert Qomet irgendwie an den Klassiker Mühle. Auch hier kann man seinem Gegenspieler Fallen stellen und Züge vorbereiten. Das hat mir richtig gut gefallen. Da sich auf der SPIEL DOCH! niemand für Qomet entschieden hatte, durfte das Spiel einfach so bei uns einziehen.“
📊 BoardGameGeek
Erscheinungsjahr: 2025
Autor: Fabrice Puleo
Spieler: 2
Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: ca. 15 Minuten
Komplexität: 2,00 / 5
BGG-Bewertung: 6,8 / 10 (59 Bewertungen)
Quantik
Quantik ist sehr ähnlich zu einem Sudoku. Immer wenn man einen seiner Spielsteine auf dem Spielbrett, das aus vier zwei-mal-zwei Feldern besteht, platzieren möchte, muss man darauf achten, dass kein gegnerischer gleicher Spielstein in der gleichen Reihe oder im gleichen zwei mal zwei Feld liegt. Wer dann als Erstes eine Reihe aus vier verschiedenen Steinen, egal welcher Farbe, bildet, gewinnt.
Insgesamt ist es ein sehr schönes Spiel, auch wenn es Maja nicht so sehr gefällt, wie mir und Hendrik.
🏕️ Hendriks Meinung
„Jeder von uns durfte sich auf der SPIEL DOCH! ein Gigamic-Spiel aussuchen. Ich habe mich für Quantik entschieden. Irgendwie erinnert mich der Mechanismus an eine Mischung aus Sudoku und Quarto – zwei Spiele, die ich sehr mag. Deshalb hat mich Quantik sofort angesprochen.“
📊 BoardGameGeek
Erscheinungsjahr: 2019
Autor: Nouri Khalifa
Spieler: 2
Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: ca. 20 Minuten
Komplexität: 1,56 / 5
BGG-Bewertung: 6,0 / 10 (456 Bewertungen)
BGG-Rang (Abstract Strategy): Platz 632
Pylos
In Pylos baut man eine Pyramide aus Kugel mit einer vier mal vier Grundfläche. Wer die Spitze legt, gewinnt. Weil das Spiel ja sonst langweilig wäre, gibt es noch einige weitere Regeln, die es einem ermöglichen Kugeln wieder zu entfernen oder umzulegen, was dem Spiel eine spannende Mechanik gibt.
Mein Favorit ist es zwar nicht, aber Maja mag es wirklich gerne.
👧 Majas Meinung
„Mir gefällt Pylos besonders gut, weil sich das Spiel auch dann noch wenden kann, wenn man erst einmal hinten liegt. Dadurch bleibt jede Partie bis zum Schluss spannend.“
📊 BoardGameGeek
Erscheinungsjahr: 1993
Autor: David G. Royffe
Spieler: 2
Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: ca. 10 Minuten
Komplexität: 1,92 / 5
BGG-Bewertung: 6,3 / 10 (über 2.300 Bewertungen)
BGG-Rang (Abstract Strategy): Platz 253
Mein Fazit
Mir haben alle vier Spiele gut gefallen. Jedes spielt sich anders und trotzdem haben sie gemeinsam, dass man viel nachdenken muss. Ich bin gespannt, welche Gigamic-Spiele wir als Nächstes kennenlernen.
Dieser Boss Battler war auf der Spiel 2025 in Essen ein voller Erfolg und hatte dazu eine sehr große Erstauflage. Doch trotz der Unübersehbarkeit dieses Messehits griffen wir hier nicht zu. Der Grund: Wir hatten bereits eine beträchtliche Anzahl an Spielen in unseren Taschen. Außerdem wartete mit One Hit Heroes bereits ein Boss Battler zuhause auf uns.
Doch dann landete Boss Fighters QR unter unserem Weihnachtsbaum…
⚙️Spielmechanik – Was ist das für ein Spiel?
In diesem kooperativen Boss Battler kämpft man mit seinen individuellen Helden gegen dreiköpfige Oger und explosive Erfindungen. Die Charaktere kann man selbst aus einer Klasse und einer Rasse zusammenstellen und so als Elfen Schurke oder Troll Magierin kämpfen.
Die Helden steuert man über Karten. Auf deren Rückseite befindet sich jeweils ein QR-Code, den man mit der App scannt. Mithilfe einer App kann man so verschiedene Gegner herausfordern, die jeweils über besondere Fähigkeiten verfügen. Immer wenn man dran ist wählt man eine Karte, die man spielen will und scannt den QR-Code auf ihrer Rückseite. Um Strafen zu umgehen, müssen die Spieler darauf achten, welche Verhaltensweisen bei welchem Boss negative Effekte auslösen können.
Nachdem man einen Kampf erfolgreich beendet, schaltet man neue Inhalte, wie hilfreiche Gegenstände oder mächtige Karten, frei. Außerdem kommen im Laufe des Spiels neue Regeln hinzu.
👤Unsere Spielrunde
Kurz nach Weihnachten weckte das Spiel sofort unser Interesse und es kam schnell auf den Tisch. Als erstes haben wir die Kampagne zu viert mit Maria begonnen, der gerade zu Besuch war. Danach haben wir das Spiel zurückgesetzt, um zu dritt und mit anderen Heldenkombinationen noch mal von vorne zu beginnen.
In Höchstgeschwindigkeit haben wir noch in den Ferien einen Boss nach dem anderen bekämpft. Wir wollten immer direkt wissenm, was wohl der nächste für Fähigkeiten, Sonderregeln und Herausforderungen mit sich bringt. Dazu gab es noch einen speziellen Weihnachtsboss, den wir uns zusätzlich vornehmen konnten.
⭐️Unsere Bewertung⭐️
Zugänglichkeit: 😄 hoch – Die Regeln sind einfach und werden nach und nach mehr, ein idealer Boss Battler gerade für Familien.
Interaktion: 😄hoch – Man muss sich als Team abstimmen und überlegen, wie angegriffen und verteidigt wird.
Spielspaß: 🤩sehr hoch – Uns hat es persönlich super gefallen, es ist zugänglich und hat trotzdem verschiedene Spielansätze und eine gewisse taktische Tiefe.
Wiederspielwert: 😄 hoch – Neue Karten, Regeln und Bosse bieten Abwechslung und machen Lust auf mehr, nachdem wir alle Bosse einmal besiegt hatten, wanderte Boss Fighters QR zwar erstmal wieder ins Regal, aber es sollten noch weitere Gegner hinzugekommen, wie z. B. zu Weihnachten oder Ostern
💬Stimmen aus der Familie
Hendrik
Tolles Spiel! Das zeigt sich auch daran, dass ich mich darüber ärgere, den Oster Boss verpasst zu haben.
Josef
Ich mag die QR-Mechanik und die versteckten Bossfähigkeiten.
Maja
Ich war vor jedem Boss gespannt, was es für Fähigkeiten und neue Regeln wohl gibt! Das hat mich total gepackt.
❣️Gesamtbewertung
Insgesamt hat uns Boss Fighters QR richtig abgeholt. Die Kombination von der App mit dem Brettspiel funktioniert sehr gut. Außerdem gefällt es uns, dass über die App neue Bosse eingefügt werden können, ohne dass es einer Erweiterung bedarf.
Unser einziger Kritikpunkt ist, dass wenn man die Kampagne einmal durch hat, die Motivation, die ganzen Karten auseinander zu sortieren, um in anderen Kombinationen erneut loszulegen, eher gering ist.
⭐️⭐️⭐️⭐️½ 4,5/5 Huegelzelterpunkte
📊Eckdaten
🎲 Spieler: 2–4 (Community-Empfehlung: 3 Spieler)
⏱️ Spieldauer: 40–60 Minuten
👦 Alter: ab 10 Jahren (Community: bereits ab 8 Jahren gut spielbar)
🧠 Komplexität (BGG Weight): 2,13 / 5
⭐ BoardGameGeek-Rating: 8,0 / 10
🏆 BGG-Rang: Platz 1.529 insgesamt, Platz 388 der Familienspiele
✍️ Autoren: Michael Palm & Lukas Zach
🎨 Illustrationen: Artur Fast, Maximilian Jasionowski, Bartłomiej Kordowski und Timo Mimus