November 2025 / Hendrik / Spielebewertungen
🧭 Übersicht
Manchmal liest man eine Empfehlung, die einfach hängen bleibt. Bei Slay the Spire: The Board Game war es für uns der Podcast „Brettzeit“. Paul und Nick – eigentlich nicht dafür bekannt, kooperative Dungeon-Crawler mit Deckbuilding-Fokus in den Himmel zu loben – waren unerwartet begeistert. Und genau dieser ungewöhnliche Enthusiasmus hat uns sofort neugierig gemacht.
Als wir das Spiel dann auf der SPIEL in Essen angespielt haben (englische Version, Premium-Matte, viel Platz), war ziemlich schnell klar: Das Ding zieht ein. Und zwar sofort.
Am Ende wurde es die deutsche Basis-Version. Ausnahmsweise ohne Neopren-Matte – und, Überraschung: Wir haben sie zu Hause nicht vermisst.
🧩 Das Spielgefühl – Deckbuilding trifft Koop trifft Rogue-Lite
Slay the Spire ist ein kooperativer Dungeon-Crawler mit Deckbuilding, der sich extrem taktisch, aber gleichzeitig angenehm leichtgängig spielt.
Jeder Charakter spielt sich völlig anders:
- Ironclad – schwere Treffer, Selbstheilung
- Silent – Gift, Kombos, viele kleine Angriffe
- Defect – Orbs, Positionierung, Timing
- Watcher – riskante Haltungswechsel mit hohem Risiko/Ertrag
Schon im Brettspiel entsteht ein echtes PC-Feeling: Karten ziehen, Karten ausspielen, Energie verwalten, Relikte einsammeln, Bosse legen – es ist verblüffend, wie nah die Umsetzung am digitalen Original ist.
Und das gilt selbst für die kleinen Dinge:
- Wie Schaden berechnet wird
- Wie Upgrades funktionieren
- Wie sich ein Deck im Lauf des Runs immer runder anfühlt
- Wie wichtig es ist, „schlechte“ Karten loszuwerden
🏆 Überraschung Nr. 1 – unsere Runs
Wir haben beim ersten Run direkt alle drei Akte geschafft und alle drei Bossmonster gelegt.
Und nein, wir haben nicht geschummelt.
Run 2: wieder Sieg.
Run 3: wieder Sieg.
Nach nur drei vollständigen Runs waren wir im Brettspiel im Prinzip schon im New Game Plus; also dort, wo neue Karten freigeschaltet werden, zusätzliche Optionen entstehen und das Spiel neue Herausforderungen anbietet.
Ob wir einfach gut waren oder der Einstieg gnädig ist, sei dahingestellt. Motiviert hat es uns auf jeden Fall.
🧠 Meta-Progression – leichter Legacy-Effekt, der funktioniert
Das Brettspiel hat eine kleine, aber sehr schöne Form von Meta-Fortschritt:
- Besiegt man Bosse, kommen neue Karten in den allgemeinen Pool.
- Einige Karten lassen sich upgraden, indem man sie im Sleeve dreht.
- Weitere Herausforderungen verlangen, dass man sich im übertragenen Sinn „eine Hand auf den Rücken bindet“ – schwierigere Bedingungen, neue Ziele.
Besonders gut: Diese Meta-Schicht ist schnell, zugänglich und stört nicht den Spielfluss. Sie liefert ein leichtes Legacy-Gefühl, aber ohne Zerstörung, ohne Aufkleber, ohne Reue.
🃏 Sleeves als Mechanik – ungewohnt und clever
Wir hatten das erste Mal Sleeves, die gameplay-relevant sind. Ein Upgrade bedeutet: Karte einfach umdrehen und plötzlich:
- mehr Schaden,
- andere Effekte,
- neue Synergien mit Relikten und anderen Karten.
Das fühlt sich logisch, elegant und überraschend spaßig an. Es verstärkt das Gefühl, dass das eigene Deck wirklich wächst und sich nicht nur numerisch „verbessert“.
🎮 Mini-Abstecher: Das PC-Spiel
Zum Vergleich habe ich kurz in die digitale Vorlage hineingespielt. Es war tatsächlich mein erstes Mal im PC-Spiel, vorher kannte ich nur Berichte und Screenshots.
Erster Eindruck:
- Ja, es ist ein Kartenspiel: rundenbasiert, sehr nah am Brettspiel.
- Ich habe den Ironclad gewählt, wie am Tisch und sofort viele Karten wiedererkannt.
- Die Art, wie die Upgrades und Relikte funktionieren, ist extrem nah an der Brettspielumsetzung.
- Der Computer vereinfacht einiges (z.B. Berechnungen, Zurücksetzen), aber das Grundgefühl bleibt erstaunlich gleich.
Spannend ist, dass sich das Ganze fast „verkehrt herum“ anfühlt: Als wäre das Brettspiel zuerst da gewesen. Das digitale Spiel wirkt im Kern wie ein bereits existierendes Brettspiel mit Automatisierung.
Zur Metaprogression im Digitalspiel kann ich nach 5 Minuten ehrlicherweise noch nichts Seriöses sagen; aber der erste Eindruck ist: auch hier sehr motivierend.
Skala: Wie sehr hat mich der kurze Ausflug gepackt?
6 von 10 – ich bin beim Schreiben zweimal zurückgekehrt, bleibe aber vorerst lieber beim Brettspiel.
Ein ausführlicher Vergleich „Digital vs. Analog“ wäre spannend – das heben wir uns vielleicht für später auf. Vielleicht ist das auch ein Thema, das die Community häufiger sehen möchte.
⭐ Unsere Bewertung ⭐
- Zugänglichkeit: 🟢 Gut – Deckbuilding-typische Einstiegshürde, aber sehr klar strukturiert.
- Interaktion: 🟢 Hoch – kooperativ, viel Abstimmung, trotzdem spielt jeder sein eigenes Deck.
- Spielspaß: 🟢 Sehr hoch – starke Synergien, Erfolgserlebnisse, spannende Entscheidungen.
- Wiederspielwert: 🟢 Extrem hoch – vier Klassen, viele Relikte, variable Runs.
- Gestaltung: 🟢 Klar und funktional – gute Lesbarkeit, stimmige Optik.
💬 Familienmeinung
Hendrik:
„Toll, wie vertraut sich das Deckbuilding anfühlt. Und diese Upgrades im Sleeve… großartige Idee!“
Maja:
„Einer meiner Lieblings-Deckbuilder dieses Jahr. Besonders mit Silent macht es richtig Laune.“
Josef:
„Ich mag, dass wir kooperativ spielen – aber trotzdem jeder versucht, sein Deck optimal zu bauen.“
❣️ Gesamtbewertung
4,5 von 5 Meeples
Ein Brettspiel, das die Magie des digitalen Originals auf außergewöhnlich elegante Weise einfängt. Motivierend, zugänglich und voll kleiner „Aha“-Momente. Wir kommen definitiv zurück an den Spire.
ℹ️ Spieleinfos
- Name: Slay the Spire: The Board Game
- Designer: Gary Dworetsky, Anthony Giovannetti, Casey Yano
- Artist: Bruce Brenneise, Jose David Lanza Cebrian, Anailis Dorta
- Publisher: Contention Games
- Spieltyp: Kooperativer Deckbuilder / Rogue-Lite / Dungeon-Crawler
- Spielerzahl: 1–4
- Spieldauer: 30–150 Minuten
- Alter: ab 12 Jahren
- Komplexität: 2,91 / 5
- BGG-Rating: 8,7
- Erscheinungsjahr: 2024