Schlagwort: Familienspiel (Seite 1 von 4)

🎲 Townsfolk Tussle – Spielbewertung

Boss Battler mit schwarzem Humor und starken Miniature

🧭 Übersicht

Boss Battler waren bei uns lange eher ein Randthema.

Wir hatten zwar immer mal wieder Berührungspunkte, aber nichts, was sich wirklich festgesetzt hätte oder regelmäßig auf den Tisch gekommen ist. Die großen Vertreter des Genres sind an uns meist eher vorbeigegangen.

Mit Primal: The Awakening stand zwar ein entsprechendes Spiel im Regal. Wirklich gespielt haben wir es aber nie. Im Gegenteil: Das Projekt lief von Anfang an eher unglücklich.

Nach dem Grundieren ist mir die erste Heldenfigur aus der Hand gefallen – der Bogen war direkt ab. Ein zweiter Sturz hat dann auch noch die Base erwischt.

Damit lag die Figur bereits in drei Teilen auf dem Schreibtisch und wartete eigentlich nur noch auf eine Reparatur.

Tja. Alle guten Dinge sind drei.

Beim Staubwischen offenbar unbemerkt vom Tisch gerutscht, hat sie anschließend noch Bekanntschaft mit den Rollen meines Schreibtischstuhls gemacht.

👉 Es ist bislang die erste und einzige Figur mit diesem Schicksal. Und dann direkt gleich drei Mal.

Irgendwie kein idealer Start für einen Boss Battler. Der erste Held schon vor dem Start unwiederbringlich gefallen.

Und dann kam die SPIEL Essen 2025. Dort sind wir wieder über Townsfolk Tussle gestolpert. Wir haben uns die Regeln erklären lassen und vor allem die Miniaturen genauer angeschaut.

Und genau an dem Punkt hat es dann doch ziemlich schnell Klick gemacht.

👉 Das hier wirkt zugänglich

👉 Das hier sieht einfach gut aus

👉 Und das hier hat einen eigenen Stil

Also wurde das Spiel gekauft und anschließend einen halben Tag über die Messe getragen.

Bislang bereut am Kauf habe ich eigentlich nur das Gewicht der Box nach einem halben Tag auf der rechten Schulter. Vielleicht bin ich auch genau deshalb ganz froh, bislang auf Erweiterungen verzichtet zu haben.

Ein paar Monate später können wir sagen:

👉 Für uns war das genau der richtige Einstieg in das Genre.

🎨 Miniaturen & Bemalung

Selbst bei den Miniaturen lief es hier direkt besser als bei Primal.

Ein großer Teil des Reizes liegt für mich ganz klar bei den Miniaturen. Der Stil ist stark überzeichnet, bewusst etwas schräg und gleichzeitig erstaunlich detailreich. Gerade dieser Mix sorgt dafür, dass das Bemalen richtig Spaß macht.

Was Townsfolk Tussle für mich aber besonders macht:

👉 Es ist bislang das einzige Spiel, bei dem ich vor der ersten Partie wirklich alle Helden bemalt habe.

Wie so oft hat das zwar etwas gedauert. Inzwischen sind aber:

  • alle Helden bemalt
  • einige Bosse ebenfalls fertig
  • und das Spiel steht komplett „in Farbe“ auf dem Tisch

Das macht für mich einen spürbaren Unterschied. Gerade bei so einem Spiel trägt das massiv zur Atmosphäre bei.

Gleichzeitig habe ich beim Bemalen auch einiges mitgenommen. Die knalligen Farben, der klare Stil und die vielen Details sind erstaunlich lehrreich. Gerade beim Mischen von Farben, aber auch bei Routine und Geschwindigkeit habe ich merklich Fortschritte gemacht.

Und selbst scheinbar einfache Dinge, wie das Weiß bei Henriette Heu, haben sich als deutlich spannender herausgestellt als gedacht.

👉 Dazu werden wir noch einen kleinen Offtopic-Beitrag zum Thema Malerfahrung nachschieben.

Und ja, ein bisschen Stolz ist da natürlich auch dabei. Gerade weil solche Projekte bei mir nicht immer konsequent zu Ende geführt werden.

🎲 Spielidee & Ablauf

Townsfolk Tussle ist ein kooperativer Boss Battler für ein bis fünf Personen. Man übernimmt die Rolle von Dorfbewohnern und stellt sich nacheinander mehreren Bossen. Ziel ist es, am Ende vier dieser Gegner zu besiegen und das Dorf zu verteidigen.

Zwischen den Kämpfen entwickelt sich das Spiel weiter. Man rüstet sich aus, erkundet das Dorf und erlebt kleinere Ereignisse.

Der Kern des Spiels lässt sich gut zusammenfassen:

  • 12 unterschiedliche Bosse
  • pro Partie 4 Begegnungen
  • steigender Schwierigkeitsgrad
  • Ausrüstung und Events zwischen den Kämpfen
  • Und jede hat seine eigenen Nebenziele (Heldentaten)

Das Besondere dabei:

👉 Jeder Boss verändert sich je nach Position im Ablauf.

Das sorgt dafür, dass sich Begegnungen auch dann anders anfühlen, wenn man denselben Gegner bereits kennt.

Ganz klassisch kooperativ ist das Spiel dabei aber nicht. Am Ende möchte schließlich jeder selbst der neue Sheriff werden. Die Ereigniskarten sorgen zusätzlich dafür, dass man sich auch mal gegenseitig etwas wegnimmt oder Vorteile sichert.

Ein gewisses Maß an „Ärgern“ gehört also durchaus zur Spielerfahrung dazu.

Gerade das funktioniert erstaunlich gut, weil der Schwierigkeitsgrad des Spiels dazu passt. Man kann sich auch mal eine nicht ganz optimale Entscheidung erlauben – zumindest aus Sicht des Teams. Für die eigene Figur kann sie nämlich durchaus sinnvoll sein.

Und genau diese kleinen Momente zwischen Kooperation und Eigeninteresse machen einen Teil des Reizes aus.

⚙️ Spielgefühl & Schwierigkeit

Das Spiel ist fordernd, ohne dabei unfair zu wirken. Wir haben Partien erlebt, die früh gescheitert sind, aber auch komplette Durchläufe erfolgreich abgeschlossen.

Typisch für unsere Runden ist dabei ein relativ früher Druck, der sich durch die Partie zieht. Situationen werden schnell unübersichtlich, Entscheidungen müssen oft kurzfristig getroffen werden und nicht selten bleibt am Ende nur die Wahl zwischen zwei nicht ganz optimalen Optionen.

Gerade diese Mischung passt sehr gut zum Spiel. Man hat das Gefühl, dass jede Partie anders verläuft und sich nicht vollständig durchplanen lässt.

Dazu kommt der bereits angesprochene Aspekt, dass nicht immer alle Entscheidungen rein im Sinne des Teams getroffen werden. Wenn jemand sich bewusst einen kleinen Vorteil sichert oder eine eher eigennützige Entscheidung trifft, passt das erstaunlich gut ins Gesamtbild.

👉 Das Spiel hält genau die richtige Balance zwischen Kooperation und Eigeninteresse.

Und genau dadurch entstehen viele der spannenden Momente am Tisch.

Die angegebene Spielzeit von bis zu 180 Minuten passt dabei gut, vor allem bei vollständigen Runs.

😈 Humor & Thema

Der Humor ist ein zentraler Bestandteil des Spiels und sicher nicht für jeden geeignet. Er ist schwarz, teilweise ziemlich böse und bewusst überzogen.

Das zeigt sich oft in kleinen Situationen, die man während der Partie erlebt. Ein Beispiel, das bei uns direkt hängen geblieben ist, war ein kleiner Hund mit zwei Revolvern. Als „Ludwig Knilch“ steht man plötzlich vor der Entscheidung, ob man den Hund tatsächlich tot prügelt oder – wie der Rest der Gruppe es bevorzugt hat – ihn lediglich betäubt und entwaffnet.

Genau solche Momente funktionieren erstaunlich gut, weil sie spielerisch eingebettet sind und gleichzeitig diese leicht absurde, aber eben auch dunkle Note haben.

Noch einmal eine Stufe weiter ging es beim Intro zum vierten Bosskampf gegen „Rüdiger Schreck“.

„Als ihr die Farm erreicht, seht ihr, dass die Schreie von drei Dörflern kommen, die Rüdiger – zusammen mit einigen verrosteten Dosen und Plastiktüten – an einen Pfahl gefesselt hat. Es scheint, als wolle er eine neue, radikale ‚Anti-Müll‘-Politik durchsetzen.“

Unser Auftrag:

👉 Brecht seine Moral und zerstört sein Land.

Spätestens an der Stelle wurde auch außerhalb der Partie kurz aufmerksam zugehört. Anne saß mit im Raum und war doch etwas erstaunt, was ich da eigentlich gerade mit den Kindern spiele.

Bei uns funktioniert dieser Stil insgesamt erstaunlich gut. Auch Josef und Maja konnten mit den meisten Situationen etwas anfangen, selbst wenn nicht jeder Moment gleichermaßen zündet.

👉 Trotzdem würden wir das Spiel thematisch eher bei 14+ einordnen.

🔁 Wiederspielwert

Der Wiederspielwert ist aus unserer Sicht ein klarer Pluspunkt.

Dafür sorgen vor allem:

  • 12 Bosse
  • variable Reihenfolge
  • unterschiedliche Entwicklungen
  • viele Items und Events

Hinzu kommt, dass wir selbst nach mehreren Partien noch längst nicht alles gesehen haben. Es gibt weiterhin neue Kombinationen und neue Situationen, die ausprobiert werden wollen.

👨‍👩‍👧‍👦 Unsere Partien

Inzwischen haben wir mehrere Partien gespielt, darunter sowohl einzelne Kämpfe als auch komplette Durchläufe mit vier Bossen.

Dabei war alles dabei:

  • frühes Scheitern
  • knappe Niederlagen
  • aber auch erfolgreiche Runs

Gerade die vollständigen Durchgänge bleiben besonders in Erinnerung. Nicht, weil alles perfekt läuft, sondern weil man sich gemeinsam durch schwierige Situationen arbeitet.

Viele dieser Momente wirken im Nachhinein fast schon wieder unterhaltsam – auch wenn sie in der Partie selbst eher angespannt waren.

⚙️ Material & Tischpräsenz

Das Spiel lebt stark von seiner Präsentation. Die Miniaturen sind sehr charakteristisch und geben dem Spiel eine klare visuelle Identität.

Besonders in bemaltem Zustand entsteht:

  • eine starke Tischpräsenz
  • ein klarer Wiedererkennungswert
  • und ein insgesamt sehr stimmiges Gesamtbild

Townsfolk Tussle ist damit kein Spiel, das nebenbei läuft, sondern eines, das auch optisch im Mittelpunkt steht.

💸 Erweiterungen: sinnvoll?

Aktuell bin ich bei den Erweiterungen etwas unentschlossen.

Einerseits:

  • das Grundspiel bietet bereits viel Inhalt
  • genug für viele weitere Partien

Andererseits:

  • die Miniaturen reizen schon sehr
  • der Sammelgedanke ist da

Realistisch betrachtet wäre ein Kauf aber eher durch die Figuren motiviert als durch echten Bedarf im Spiel. Und mit Blick auf den eigenen Pile of Shame ist Zurückhaltung vermutlich die vernünftigere Entscheidung. Ich fürchte, dass ich von der Spiel 2026 wieder überladen nach Hause komme 😉

⭐️ Unsere Bewertung ⭐️

Zugänglichkeit: 🟡 Mittel: Die Regeln sind gut machbar, benötigen aber eine gewisse Eingewöhnung.

Interaktion: 🟢 Hoch: Das Spiel lebt von Abstimmung und gemeinsamen Entscheidungen. Und auch dem ein oder anderen Egotripp

Spielspaß: 🟢 Hoch: Die Mischung aus Taktik, Chaos und Humor funktioniert für uns sehr gut.

Wiederspielwert: 🟢 Hoch: Viele Kombinationen sorgen langfristig für Abwechslung.

Atmosphäre & Tischpräsenz: 🟢 Sehr hoch: Gerade mit bemalten Miniaturen ein echtes Highlight.

💬 Stimmen der Hügelzelter-Redaktion

Maja:

„Die Figuren sind schon ziemlich cool. Und die meisten Bosse auch.“

Josef:

„Manchmal ist es schon schwer. Aber wenn man gewinnt, ist es richtig gut.“

Hendrik:

„Vor allem die Mischung aus Humor, Miniaturen und Bosskämpfen funktioniert für mich richtig gut.“

❣️ Gesamtbewertung

⭐ 4 von 5 Meeples

eine gute 4

Townsfolk Tussle ist für uns:

  • ein zugänglicher Boss Battler
  • mit eigenem Stil
  • starken Miniaturen
  • und überraschend viel Wiederspielwert

Zwischen der SPIEL 2025 und heute haben wir zwar noch ein paar andere Boss Battler ausprobiert – darunter auch bekannte Vertreter wie „Bossfighter QR“. Wirklich erfahren in dem Genre sind wir aber nach wie vor nicht.

Was uns bei Townsfolk Tussle auffällt:

Das Spiel funktioniert sehr gut in sich abgeschlossen. Eine Partie fühlt sich rund an, ein kompletter Durchlauf ist ein schönes Erlebnis. Danach kann das Spiel aber auch erst einmal wieder zurück ins Regal wandern.

Das liegt vor allem daran, dass eine übergreifende Geschichte fehlt. Das ist kein wirklicher Kritikpunkt – das Spiel braucht das nicht zwingend. Es sorgt aber eben auch dafür, dass man nicht unbedingt dem nächsten Kapitel „entgegenfiebert“.

Auch bei den Mechaniken bleibt vieles im bekannten Rahmen. Der letzte Boss einer Reihe bringt zwar noch einmal frische Ideen mit, insgesamt entsteht aber weniger das Gefühl, unbedingt sofort die nächste Kombination ausprobieren zu wollen.

👉 Der Reiz, ein komplett neues, noch ungespieltes Spiel auf den Tisch zu bringen, ist bei uns aktuell oft größer als der nächste Bosskampf.

Das ist am Ende vielleicht auch ein Stück weit ein Luxusproblem – bei der aktuellen Auswahl im Regal.

Unterm Strich bleibt aber klar:

👉 Townsfolk Tussle ist ein sehr gutes Spiel, das immer wieder gerne auf den Tisch kommt – aber nicht unbedingt dauerhaft dort liegen bleibt.

ℹ️ Spieleinfos (BGG)

Name: Townsfolk Tussle

Designer: Stephen Louis, Tony Mayer, Rachel Rusk

Verlag: Panic Roll

Spielerzahl: 1–5

Spieldauer: 40–200 Minuten

Alter: ab 14 Jahren

Komplexität (BGG): 2,59 / 5

BGG-Ranking: Overall 1.492

BGG-Wertung: 7,7 / 10

Bomb Busters – Zwischenbericht


Das Spielprinzip

In jedem der 66 Level ist es eure Aufgabe zusammen die Bombe zu entschärfen. Dabei bietet jedes der Level andere Herausforderungen und Einschränkungen. Am Anfang bekommt jeder Spieler gleich viele Kabel. Diese haben verschiedene Zahlenwerte und müssen verdeckt vor sich gelegt werden. Reihum seit ihr am Zug und müsst immer ein eigenes und ein Kabel eines anderen Spieler durchschneiden. Diese müssen denn gleichen Zahlenwert haben. Hat man alle restlichen Kabel eines Zahlenwertes darf man diese ebenfalls durchschneiden. Ihr habt gewonnen, wenn alle Kabel durchgeschnitten wurden.


Unsere bisherigen Erfahrungen

Wir haben bereits die ersten 25 Level abgeschlossen und haben weiterhin Lust alle 66 Level zu meistern. Es wird sich jedoch zeigen ob die Level weiterhin so abwechslungsreich bleiben.


Erste Bewertung

Spielspaß: es ist eine tolle außergewöhnliche Spielmechanik

Interaktion: durch gegenseitiges unterstützen und Tipps geben sehr hoch

Glücksfaktor: ist kaum vorhanden

Zugänglichkeit: gut durch ein langes Tutorial

Gestaltung: solide und eher für junge Kinder

Komplexität: man muss etwas aber nicht zu viel nachdenken

Gesamt: 4 von 5 Meeples


Meinung der Hügelzelter

Hendrik: Ich finde es echt einen Knaller.

Maja: Sehr cooles kooperatives Spiel.

Josef: Schön für zwischendurch, aber nichts für viele Partien hintereinander.


Spielinfos

Verlag: Pegasus

Autor: Hisashi Hayashi

Spielart: kooperatives Denkspiel

Erscheinungsjahr: 2024

Empfohlenes Alter: 10 Jahre

Spielzeit: 20 Minuten,

Spielermenge: 2-5 Spieler

Steam Power: Nachgefasst

Aktuelle Entwicklungen bei Wallace Designs und noch eine Partie zum Anlass

Manchmal sind es nicht geplante Spieleabende oder neue Erweiterungen, die ein Spiel zurück auf den Tisch bringen, sondern eine Nachricht, die man eigentlich lieber nicht gelesen hätte.

Genau so war es bei Steam Power.

Vor wenigen Tagen gab es auf Gamefound ein Update rund um Wallace Designs, das aufhorchen lässt. Hinter den eher nüchtern formulierten Zeilen steckt eine Entwicklung, die man als Brettspielfan nur bedauerlich finden kann: personelle Veränderungen, organisatorischer Umbau und die Ankündigung, dass Steam Power weder nachgedruckt noch erweitert werden soll.

Für alle, die das Spiel bereits besitzen, macht das die Deluxe-Ausgabe plötzlich tatsächlich zu etwas Besonderem. Trotzdem bleibt bei so einer Meldung natürlich ein schaler Beigeschmack. Vor allem für die Mitarbeitenden ist das schade. Und auch für Martin Wallace beziehungsweise Wallace Designs insgesamt kann man nur hoffen, dass die noch laufenden Projekte und offenen Auslieferungen für die Backer am Ende sauber und verlässlich abgewickelt werden.

Für uns war genau das der Anlass, Steam Power noch einmal hervorzuholen.

Noch mal auf den Tisch – diesmal mit Josef auf „West Country“

Also kam das Spiel in der vergangenen Woche noch einmal auf den Tisch — diesmal zu zweit mit Josef und auf der Karte West Country.

Und was sollen wir sagen:
Auch diese Partie hat wieder gezeigt, warum uns Steam Power grundsätzlich gut gefällt.

Der Einstieg ist weiterhin angenehm direkt, die Züge laufen flott, und trotz der überschaubaren Regeldichte entstehen immer wieder enge Entscheidungen. Wo baue ich mein Netz sinnvoll aus? Welche Städte will ich anbinden? Welche Aufträge bekomme ich noch effizient erfüllt? Und wie stark profitiere ich dabei von den Wegen und Möglichkeiten des Mitspielers?

Gerade zu zweit funktioniert das alles überraschend straff. Die Partie hatte ein schönes Auf und Ab, bei dem sich gefühlt mehrfach die Frage gestellt hat, wer hier eigentlich gerade vorne liegt.

Dramatisches Finale mit Gleichstand

Am Ende wurde es dann sogar noch kurios.

Nach der Schlusswertung stand es 67 zu 67, also exakter Punktegleichstand.
Der nächste Blick ging entsprechend direkt in die Regeln.

Dort ist der Gleichstand sauber geregelt:
Wer mehr Aufträge erfüllt hat, gewinnt.

Und damit war die Sache zunächst klar:
Josef hätte gewonnen.

Ein starker Schlusspunkt für eine ohnehin enge Partie und eigentlich auch ein schönes Ende für diesen kleinen spontanen Steam-Power-Abend.

Und dann kam der verrutschte Acrylstein

Beim Aufräumen passierte dann aber noch das, was bei Spielen mit ungewöhnlichem Material eben manchmal passiert:

Einer der Acryl-Auftragssteine war unter einen der dünnen Stoff-Spielpläne gerutscht.

Also noch einmal nachgerechnet.

Und plötzlich lagen dort noch zusätzliche Punkte für mich, die in der Endwertung zunächst schlicht unter den Teppich geraten waren; im wahrsten Sinne des Wortes.

Das macht das Partieende natürlich nicht weniger amüsant. Im Gegenteil: Gerade solche kleinen, leicht absurden Momente bleiben am Ende oft länger hängen als jede noch so sauber geplante Optimierungsrunde.

Unser Eindruck heute: weiterhin gut, aber wohl kein Dauerbrenner

An unserer grundsätzlichen Einschätzung hat die neue Partie wenig geändert, eher im positiven Sinne bestätigt.

Steam Power ist aus unserer Sicht weiterhin ein gutes, clever konstruiertes Eisenbahnspiel, das vor allem durch seinen zugänglichen Regelrahmen, den flüssigen Ablauf und die abwechslungsreichen Karten punktet. Gerade die Deluxe-Ausgabe bringt zudem einige sehr eigene Materialideen mit, die dem Spiel einen besonderen Charakter geben.

Trotzdem würden wir nach weiteren Partien heute auch sagen:

👉 Steam Power gefällt uns weiterhin gut, ist für uns aber vermutlich kein echter Dauerbrenner.

Das ist gar nicht böse gemeint. Es ist eher diese Kategorie von Spiel, bei der man sich über eine Partie freut, die man gern spielt und auch jederzeit wieder mitspielen würde, das sich aber im Regal nicht automatisch gegen die ganz großen Favoriten durchsetzt.

Und wahrscheinlich wäre es auch diesmal ohne die aktuelle Meldung rund um Wallace Designs eher ein anderes Spiel gewesen, das auf dem Tisch gelandet wäre.

Gerade deshalb war diese Partie aber auch eine schöne Erinnerung daran, dass gute Spiele manchmal einfach den richtigen Anlass brauchen.

Wie geht es weiter?

Für Steam Power dürfte bei uns die nächste Haltestelle wohl ein anderer Rahmen sein:
nicht die isolierte Einzelpartie, sondern ein späterer Vergleich mit mehreren Bahnspielen gleichzeitig.

Spannend könnte das vor allem dann werden, wenn Titel wie Brass: Pittsburgh und weitere Genrevertreter tatsächlich bei uns eingezogen sind. Denn genau in so einem Vergleich zeigt sich oft besonders gut, welchen Platz ein Spiel langfristig im Regal und auf dem Tisch behaupten kann.

Bis dahin bleibt Steam Power für uns ein bemerkenswertes, zugängliches und in der Deluxe-Version auch ungewöhnlich ausgestattetes Bahnspiel und inzwischen offenbar auch ein Spiel, das in genau dieser Form wohl eine echte Limited Edition bleiben wird.

🌴 Puerto Rico 1897 – Spielebewertung

Ein zeitloser Euroklassiker zwischen Rollenwahl und perfektem Timing


🧭 Übersicht

Nach unserem Crowdfunding-Artikel zur Puerto Rico 1897: Special Edition war für uns schnell klar:

Puerto Rico bekommt bei uns einen echten Abschlusstest.

➡️ Teil 1 – Gamefound Kampagne & Unboxing

Inzwischen haben wir mehrere Partien gespielt:

  • mehrfach zu viert in der Familienredaktion
  • eine Partie zu fünft beim letzten Brettspielwochenende

Am Tisch saßen dabei:

  • Josef
  • Maja
  • Maria
  • ich
  • und als Gast Callipo (den wir bereits im Zusammenhang mit unserem Valheim-Test erwähnt haben)

Und vorweg:

👉 Puerto Rico bleibt bei uns im Spielregal.


🎲 Spielidee & Ablauf (Grundspiel)

Puerto Rico gehört zu den klassischen Eurogames.

Die Spieler übernehmen die Rolle von Landbesitzern auf der Insel Puerto Rico und versuchen durch Produktion, Handel und Ausbau ihrer Stadt die meisten Siegpunkte zu sammeln.

Der Kern des Spiels ist dabei eine sehr elegante Rollenmechanik.

In jeder Runde wählt ein Spieler eine Rolle, zum Beispiel:

  • Anwerben
  • Händler
  • Baumeister
  • Pflanzen
  • Kapitän
  • Produzent
  • Abenteurer

Das Besondere daran:

👉 Alle Spieler führen die gewählte Aktion aus.

Der Spieler, der die Rolle gewählt hat, erhält lediglich einen kleinen Bonus.

Diese Mechanik sorgt dafür, dass:

  • alle Spieler ständig beteiligt sind
  • kaum Downtime entsteht
  • man jederzeit vorausplanen kann

⚙️ Produktionsketten statt Glück

Das Spiel basiert auf einer klaren Produktionslogik:

Plantagen liefern Rohstoffe
Gebäude verarbeiten diese Waren
Schiffe bringen sie nach Europa
Sie liefern Siegpunkte

Geld wird wiederum genutzt, um neue Gebäude zu kaufen, die wiederum neue Effekte auslösen.

Das Ganze wirkt zunächst simpel, entwickelt aber schnell eine erstaunliche Tiefe.

Die zentrale Frage jeder Partie lautet:

👉 Produktion ausbauen oder früh verschiffen?


⏳ Drei mögliche Spielenden

Das Spiel kann auf drei unterschiedliche Arten enden:

1️⃣ Ein Spieler hat alle Gebäudeplätze seiner Stadt belegt
2️⃣ Alle Siegpunktmarker sind während der Kapitänsphase verteilt
3️⃣ Der Vorrat an Arbeitern reicht nicht mehr, um das Spielbrett wieder aufzufüllen

In unseren bisherigen Partien trat das Spielende meist durch Arbeitermangel ein.

Das zeigt recht gut, wie stark sich das Spiel auf ökonomische Entwicklung und Produktionsketten konzentriert.


🤝 Interaktion statt Glück

Ein besonders interessanter Punkt bei Puerto Rico ist die Interaktion.

Diese entsteht nicht durch direkte Konflikte, sondern durch Entscheidungen in der Rollenwahl.

Typische Situationen:

  • Das Handelshaus ist plötzlich voll, bevor man verkaufen kann
  • Ein Schiff wird vor der eigenen Produktion gefüllt
  • Ein Spieler wählt eine Rolle genau dann, wenn sie den Mitspielern wenig bringt

Das Spiel ist also kein Ärgerspiel.

Aber die Entscheidungen der Mitspieler beeinflussen einen permanent.

Dadurch entsteht ein sehr strategisches Timing-Spiel.


🧠 Easy to learn – hard to master

Die Regeln sind erstaunlich zugänglich.

Nach einer Partie kennt man den Ablauf.
Nach zwei Partien versteht man erste Strategien.
Nach drei Partien merkt man, wie viel man noch optimieren könnte.

Gerade neue Spieler sind oft überrascht, wie schnell sich eine Partie entwickeln kann.

Der Einstieg ist relativ einfach –
aber die strategische Tiefe ist erheblich.


⚙️ Spielfluss & Downtime

Ein weiterer großer Pluspunkt ist der Spielfluss.

Spieler sind zwar nacheinander am Zug, aber durch die Rollenmechanik bleibt man ständig beteiligt.

Während andere überlegen, kann man bereits planen:

  • Welche Rolle wäre sinnvoll?
  • Welche Produktion kommt als nächstes?
  • Welches Gebäude passt in meine Strategie?

Downtime ist daher erstaunlich gering.

Gerade zu viert funktioniert das Spiel sehr rund.


🎨 Material & Spielgefühl (Special Edition)

Die Special Edition hebt das Spielgefühl deutlich an.

Die Deluxe-Komponenten sorgen dafür, dass der Klassiker auch optisch wieder glänzt.

Besonders positiv:

  • hochwertige Spielerboards
  • schöne Bürger- bzw. Arbeiterfiguren
  • Metallmünzen
  • sehr gute Übersicht der Gebäude

Mechanisch bleibt das Spiel natürlich identisch, aber die Präsentation auf dem Tisch wirkt deutlich moderner.


⭐️ Unsere Bewertung ⭐️

Zugänglichkeit: 🟢 Hoch
Die Regeln sind gut verständlich und schnell erklärt.

Interaktion: 🟢 Hoch
Indirekt, aber konstant über Rollenwahl und Timing.

Spielspaß: 🟢 Sehr hoch
Hoher Optimierungsreiz und starke Revanche-Motivation.

Wiederspielwert: 🟢 Sehr hoch
Viele Strategien und unterschiedliche Gebäudekombinationen.

Material & Gestaltung (Special Edition): 🟢 Sehr hoch
Die Deluxe-Version ist optisch und haptisch sehr gelungen.


💬 Stimmen der Hügelzelter-Redaktion

Maja:
„Ich verstehe gar nicht, dass Papa immer pleite ist. Handel ist voll mein Ding“

Josef:
„Die Rollenmechanik ist richtig gut. Man muss immer überlegen, was die anderen als Nächstes machen könnten.“

Anne:
„Es ist schon lustig, wenn das Schiff plötzlich voll ist, bevor du deine Waren verschiffen kannst.“
(Anmerkung der Redaktion: Timing ist alles 😉)

Hendrik:
„Puerto Rico zeigt, wie elegant ein Eurogame sein kann. Die Regeln sind einfach, aber die Entscheidungen sind alles andere als trivial.“


❣️ Gesamtbewertung

4,5 von 5 Meeples

Puerto Rico ist:

  • ein absoluter Eurogame-Klassiker
  • mit sehr eleganter Rollenmechanik
  • klarer Struktur
  • hoher strategischer Tiefe
  • und erstaunlich wenig Glück

Warum keine 5 von 5?

Das Spiel ist hervorragend – aber man merkt, dass sein Ursprung bereits über 20 Jahre zurückliegt. Einige moderne Komfortmechaniken fehlen.

Trotzdem:

👉 Puerto Rico bleibt dauerhaft in unserer Sammlung.

Und wir sind gespannt, was die zahlreichen Erweiterungen der Special Edition noch an zusätzlicher Varianz bringen.


ℹ️ Spieleinfos (BGG)

Name: Puerto Rico 1897 – Special Edition
Designer: Andreas Seyfarth
Verlag: Alea / Awaken Realms / Ravensburger
Spielerzahl: 1–5
Spieldauer: 60–120 Minuten
Komplexität (BGG): 3,14 / 5
BGG-Ranking: Top 100 All-Time (in der ursprünglichen Version)

🌴 Puerto Rico 1897 – Special Edition

Unsere Gamefound-Kampagne und das Unboxing

Ein Klassiker kehrt als Deluxe-Version zurück.

🧭 Einordnung

Als im letzten Jahr The Castles of Burgundy: Special Edition bei uns angekommen ist, waren wir von der Qualität der Komponenten direkt begeistert.

Die Zusammenarbeit zwischen Ravensburger (Alea) und Awaken Realms hat gezeigt, was heute bei modernen Deluxe-Produktionen möglich ist: hochwertige Materialien, durchdachte Organisation und eine beeindruckende Table Presence.

Genau zu diesem Zeitpunkt bin ich auf Gamefound über den Late Pledge für Puerto Rico 1897: Special Edition gestolpert.

Und ehrlich gesagt war ich zunächst skeptisch.


🎲 Deluxe-Komponenten – wirklich notwendig?

Gerade die vielen 3D-Komponenten wirkten auf mich zunächst etwas übertrieben.

Boote aus Kunststoff, auf denen lediglich Warenmarker abgelegt werden?
Mechanisch verändert sich dadurch schließlich nichts.

Es handelt sich also zunächst einmal um optische Upgrades, die keinen direkten spielerischen Mehrwert liefern.

Zumindest dachte ich das.

Doch nach den Erfahrungen mit den Acryl-Tiles der Castles of Burgundy Special Edition habe ich meine Meinung etwas geändert. Ein Spiel gewinnt enorm, wenn der Tisch einfach gut aussieht. Hochwertige Materialien sorgen dafür, dass sich der Aufbau besser anfühlt und das Spiel visuell deutlich mehr Eindruck macht.

Und genau dieser Effekt hat mich letztlich überzeugt.


🎯 Eine Lücke in unserer Brettspielvita

Hinzu kam noch ein weiterer Punkt:

Trotz unserer inzwischen recht umfangreichen Sammlung fehlte Puerto Rico bislang tatsächlich komplett in unserem Regal.

Und das, obwohl das Spiel seit vielen Jahren zu den großen Klassikern gehört und aktuell immer noch etwa um Platz 55 im All-Time-Ranking von BoardGameGeek rangiert.

Eine solche Lücke wollten wir schließen.

Also habe ich am 01.03.2025 schließlich zugeschlagen.


💰 Unser Gamefound-Pledge

Eingestiegen bin ich mit dem

Merchant’s Pledge – 180 $

Dieser enthielt unter anderem:

  • Acryl-Tiles
  • Neopren-Spielmatte
  • Sundrop-Behandlung für die Figuren
  • Deluxe-Komponenten
  • mehrere Erweiterungen

Gerade die Sundrop-Behandlung ist bei Awaken Realms Produktionen inzwischen recht beliebt. Die Miniaturen erhalten dabei bereits ab Werk eine leichte Schattierung und wirken deutlich plastischer, ohne dass man selbst zum Pinsel greifen muss.


⏳ Lieferung nach rund zwölf Monaten

Knapp zwölf Monate später war es dann soweit:
Das Spiel kam bei uns an.

Im Vergleich zu vielen anderen Crowdfunding-Projekten ist das sogar eine erstaunlich kurze Produktionszeit; allerdings bin ich auch erst im Late Pledge eingestiegen.

Beim Öffnen der Box wurde schnell klar:
Awaken Realms bleibt seiner Linie treu – die Produktion ist auf absolutem Premium-Niveau.


📦 Viele Erweiterungen inklusive

Wie bei vielen Deluxe-Editionen üblich enthält auch diese Version eine ganze Reihe an Erweiterungen.

Neben bekannten Erweiterungen früherer Versionen wurde auch neuer Inhalt integriert, außerdem gibt es sogar einen Solo-Modus.

Für unseren eigentlichen Spieletest wollten wir uns zunächst bewusst auf das Basegame konzentrieren. So lässt sich besser verstehen, warum Puerto Rico seit vielen Jahren zu den großen Klassikern gehört.

Doch bevor wir zum Spiel selbst kommen, werfen wir zunächst einen Blick in die Box.


📦 Unboxing – Puerto Rico 1897 Special Edition

Der erste Blick in die Box

Beim Öffnen der Box fällt sofort auf, wie viel Wert auf Organisation und Präsentation gelegt wurde.

Die Komponenten sind sauber in mehreren modularen Kunststoff-Inserts untergebracht. Dadurch wirkt die Box bereits beim Auspacken sehr aufgeräumt und strukturiert.

Neben der Spielanleitung und der Gebäudeübersicht finden sich zahlreiche Komponenten:

  • Gebäudeplättchen
  • Rollen-Karten
  • Warenmarker
  • Münzen
  • Schiffe
  • Bürgerfiguren
  • sowie diverse organisatorische Inserts

Gerade die Gebäudeplättchen liegen bereits sortiert in eigenen Fächern, sodass der Aufbau sehr schnell gelingt.


Hochwertige Spielmaterialien

Besonders positiv fallen die Metallmünzen auf.

Diese ersetzen klassische Pappmarker und sorgen sofort für ein deutlich wertigeres Spielgefühl. Gewicht und Prägung sind sehr gelungen und passen hervorragend zum historischen Setting.

Auch die Gebäudeplättchen sind stabil produziert und übersichtlich in den Inserts untergebracht. Viele der Trays können direkt auf den Tisch gestellt werden und dienen damit gleichzeitig als Spielorganisation während der Partie.


Deluxe-Figuren mit Sundrop

Ein besonderes Highlight sind die Bürgerfiguren.

Durch die Sundrop-Behandlung wirken sie deutlich plastischer als einfache Kunststofffiguren. Die leichte Schattierung sorgt dafür, dass Details sichtbar bleiben und die Figuren auf dem Spielbrett gut zur Geltung kommen.

Gerade bei Spielen mit vielen identischen Figuren ist das ein klarer Gewinn für die Table Presence.


Die Spielerboards

Ein weiteres Deluxe-Element sind die Spielerboards.

Diese sind hochwertig produziert und bieten klare Vertiefungen für Gebäude, Plantagen und Waren. Dadurch bleibt während des Spiels alles ordentlich an seinem Platz.

Gerade bei Spielen mit vielen kleinen Plättchen sorgt das für ein deutlich angenehmeres Spielerlebnis.


🧾 Ersteindruck der Produktion

Nach dem Unboxing bleibt ein sehr klarer Eindruck zurück:

Die Puerto Rico 1897: Special Edition gehört definitiv zu den hochwertigeren Produktionen moderner Brettspiele.

Die Kombination aus

  • hochwertigen Komponenten
  • Metallmünzen
  • durchdachten Inserts
  • Sundrop-Miniaturen
  • und stabilen Spielerboards

sorgt dafür, dass das Spiel bereits beim Aufbau einen starken Eindruck hinterlässt.


🎲 Wie spielt sich Puerto Rico heute?

Die entscheidende Frage bleibt natürlich:

Kann der Klassiker auch spielerisch überzeugen?

Genau das haben wir in mehreren Partien in unserer Familienredaktion getestet.

➡️ Im nächsten Artikel folgt daher unser ausführlicher
Spieletest zu Puerto Rico 1897.

Dort schauen wir uns unter anderem an:

  • Spielmechanik
  • Interaktion
  • strategische Tiefe
  • und die Stimmen unserer Hügelzelter-Redaktion.

🎲 Wir haben dieses Spiel überhaupt nicht getestet – Doch. Leider.

🧭 Übersicht

Auf der Wir haben das Spiel überhaupt nicht getestet mit Chaos Pack Erweiterung-Schachtel steht es schwarz auf weiß:
„Wir haben das Spiel nicht getestet.“

Wir haben das Spiel natürlich trotzdem getestet.
Mehrfach.
Das war vermutlich der erste Fehler.

Gekauft haben wir es auf der SPIEL Essen, direkt vor Ort gespielt – zusammen mit Dungeons & Drinks – und uns gedacht:
„Das ist so dumm, das muss mit.“


🤯 Spielidee

Regelzusammenfassung:
Alle starten mit zwei Karten.
Zug: Eine Karte ziehen, eine ausspielen.
Dann passiert irgendetwas.

Bomben.
Drachen.
Laser.
Zombies.
Rock-Paper-Scissors-Duelle.
Oder man wird von einer Katze gerettet.

Es gibt Star Cards. Die sind besser.
Warum? Weil sie es sind.

Mit der Chaos Pack Expansion kommt pro Partie noch eine zufällige Dauerregel ins Spiel.
Was das bedeutet?
Chaos. Überraschung. Und sehr wenig Planbarkeit.


🌀 Was passiert am Tisch?

Runde 1:
Verwunderung.

Runde 2:
Akzeptanz.

Runde 3:
„Beknackte, lustige Idee.“

Runde 4–5:
Man lacht noch.

Runde 6:
Man fragt sich, ob man nicht doch etwas mit Substanz spielen möchte.

Und genau hier liegt die Wahrheit dieses Spiels.


🎉 Spielgefühl

Es ist totaler Quatsch.
Aber bewusster Quatsch.

Für 3–5 Runden funktioniert es erstaunlich gut – gerade mit Leuten, die das Spiel nicht kennen.
Neue Mitspieler durchlaufen zuverlässig die Kurve von
„Was ist das?“ → „Okay…“ → „Das ist ja komplett absurd!“ → „Okay, reicht.“

Und das ist völlig in Ordnung.

Dieses Spiel will kein Strategie-Feuerwerk sein.
Es will für zehn Minuten eskalieren.


⭐ Unsere Bewertung ⭐

Zugänglichkeit: 🟢 Extrem hoch
Regeln in 60 Sekunden erklärt.

Interaktion: 🟢 Sehr hoch
Alles trifft immer irgendwen.

Spielspaß (erste 3 Runden): 🟢 Sehr hoch

Spielspaß (ab Runde 6): 🔴 Deutlich sinkend

Langzeitmotivation: 🟡 Gering


💬 Stimmen vom Tisch

Hendrik:
„Zweite Runde: 5 von 5. Danach… maximal 2 von 5.“

Josef:
„Ich hab gewonnen. Weiß aber nicht warum.“


❣️ Fazit

Wir haben dieses Spiel getestet.
Und das Spiel hat recht: Man hätte es vielleicht nicht tun sollen.

Aber:
Für einen kurzen, lauten, absurden Einstieg in den Abend funktioniert es.
Als Absacker zwischen zwei „echten“ Spielen auch.

👉 Gesamtwertung: 3 von 5 Meeples

(Die zweite Runde allein würde 5 bekommen. Alles davor und danach eher 2. Der Mittelwert ist gnädig.)


ℹ️ Spieleinfos (BGG)

Name: We Didn’t Playtest This at All (mit Chaos Pack)
Designer: Chris Cieslik
Verlag: Asmadi Games
Spielerzahl: 2–10
Spieldauer: ca. 10 Minuten
Komplexität (BGG): 1,06 / 5
BGG-Wertung: 5,6

🏰 Castles of Burgundy – Der finale Spieletest

Ein zeitloser Euro-Klassiker zwischen Würfelglück und Planungsperfektion


🧭 Übersicht

Nach dem Crowdfunding-Erfahrungsbericht war klar:
Castles of Burgundy bekommt bei uns einen echten Abschlusstest.

➡️ Teil 1 – Gamefound & Premium-Reprint

Seit Frühjahr 2025 liegt die Special Edition nun auf dem Tisch und nicht nur im Regal. Wir haben mehrere Partien zu dritt und zu viert gespielt, unterschiedliche Fürstentümer ausprobiert und erste Erweiterungen getestet.

Und vorweg:

👉 Castles of Burgundy zieht dauerhaft bei uns ein.


🎲 Spielidee & Ablauf (Grundspiel)

Castles of Burgundy von Stefan Feld ist ein klassisches Eurogame:

  • Zwei Würfel pro Runde
  • Zwei Aktionen pro Zug
  • Fünf Phasen à fünf Runden
  • Plättchen nehmen, einsetzen, Effekte auslösen
  • Waren liefern
  • Arbeiter zur Würfelanpassung nutzen

Das Würfelergebnis spannt den Möglichkeitsraum auf.

Man entscheidet nicht ob man Glück hat, sondern wie gut man mit dem Ergebnis arbeitet.

Die zentrale Frage jeder Partie bleibt:

Optimieren oder absichern?
Schnell Punkte oder langfristige Engine?


⏳ Würfel, Planung & Downtime

Was ich besonders mag:

Alle würfeln gleichzeitig.

Man plant bereits, während andere noch überlegen. Downtime verschwindet nicht – aber sie wird produktiv genutzt.

Natürlich passiert es, dass jemand vor einem das entscheidende Plättchen wegschnappt. Dann heißt es: neu denken.

Und genau hier entsteht auch die Interaktion des Spiels: subtil, aber wirkungsvoll. Kein direktes Angreifen, sondern gezieltes Wegnehmen.

(Und ja, Anne nutzt das gerne strategisch gegen mich. Dazu gleich mehr 😉)

Kein Ärger-Spiel.
Kein Chaos.
Sondern taktisches Reagieren.


🧠 „Easy to learn, hard to master“

Die Regeln sind zugänglich.

  • Nach einer Partie kennt man den Ablauf.
  • Nach zwei Partien erkennt man Synergien.
  • Nach drei Partien merkt man, wie viel man noch falsch macht.

Das Spiel wirkt ruhig – aber strategisch enorm tief.

Und genau deshalb steht es seit Jahren so weit oben bei BoardGameGeek.


🏰 Asymmetrie durch Fürstentümer

Bereits im Grundspiel sorgt die Auswahl unterschiedlicher Fürstentümer für leichte Asymmetrie.

Man verfolgt unterschiedliche Schwerpunkte:

  • Tierstrategien
  • Handelsoptimierung
  • Minenfokus
  • Burgketten (wobei das vorallem optisch ein Highlight ist)

Die erste Erweiterung mit vier weiteren Fürstentümern bringt hier genau das Richtige:

👉 Mehr Varianz ohne Regelüberladung.
👉 Mehr unterschiedliche Startbedingungen.
👉 Mehr Wiederspielreiz.

Das fühlt sich organisch an und passt hervorragend ins Grundsystem.


🧩 Erweiterungen – unser Stand

Die Special Edition bringt eine ganze Reihe von Modulen mit. Hier unser Zwischenstand:

✔️ Getestet

Weitere Fürstentümer
Mehr Asymmetrie, mehr Abwechslung und daher klare Empfehlung.

Neue Sechseckplättchen

  • Zwei neue Klöster (mehr Mechanik, mehr Varianz)
  • Der „Kran“ als kleine Kopiermechanik – simpel, aber passend
  • Die Gänse bringen frischen Wind in die Tierwelt

Das fügt sich gut ein, ohne das Spiel zu verbiegen.

Weiße Burgen
Diese haben wir von Beginn an mitgespielt – und die Mechanik gefällt uns gut.
Wer eine weiße Burg baut, darf den weißen Würfel einmalig einsetzen. Der Effekt ist vergleichbar mit dem Schlossplättchen: ein spürbarer, aber kontrollierter Boost.
👉 Eine elegante Ergänzung, die sich nahtlos ins Grundspiel einfügt.

Drei weiße Burgen

🔄 Noch nicht getestet (aber reizvoll)

Grenzposten
8 neue Fürstentümer + zusätzliche Wertungsmechanik. Klingt spannend, steht aber noch aus.

Gasthöfe
Vermutlich eine Art Joker-Mechanik zum Abschließen von Regionen. Eigentlich sehr sinnvoll – kommt bald auf den Tisch.

Handelsstraßen
Könnten den Handel stärker pushen. Da ich bislang kein starker Händler war, vielleicht genau mein Modul 😉


⏳ Derzeit kein Fokus

Teamspiel – aktuell kein Bedarf.
Solospiel – reizt uns momentan nicht.


⚖️ Erweiterungen mit größerem Eingriff

Die Schilde
Verändert laut Beschreibung das Grundspiel deutlich. Aktuell fehlt uns die Motivation für diesen Eingriff.

Chateauma (Weinberge)
Stark verändernd, längere Spieldauer (2+ Stunden). Optisch großartig – das Display und die Acrytiles sehen hervorragend aus. Aber das testen wir nicht „mal eben“.

Hier braucht es bewusst Zeit.


🎨 Material & Spielgefühl

Die Premium-Komponenten helfen dem Spiel.

  • Dual Layer Boards verhindern Verrutschen
  • Größere Hexes erhöhen Übersicht
  • Acrylteile sorgen für Klarheit
  • Die Mini-Burgen geben Präsenz

Es spielt sich (vermutlich) nicht anders, aber angenehmer.

Gerade bei einem analytischen Eurogame ist gute Übersicht Gold wert.


⭐️ Unsere Bewertung ⭐️

Zugänglichkeit: 🟢 Hoch
Regeln schnell erklärt, Einstieg problemlos.

Interaktion: 🟡 Mittel
Indirekt, aber spürbar über Plättchenkonkurrenz – und ja, gezieltes „Wegschnappen“ kann durchaus strategisch eingesetzt werden.

Spielspaß: 🟢 Sehr hoch
Hoher Optimierungsreiz, starke Revanche-Motivation.

Wiederspielwert: 🟢 Sehr hoch
Durch Fürstentümer und Module enorm variabel.

Material & Gestaltung (Special Edition): 🟢 Sehr hoch
Hochwertig, funktional, beeindruckend.


💬 Familienmeinungen

Maja:
„Ich mag, dass man immer etwas machen kann – auch wenn man schlecht würfelt.“

Josef:
„Ich liebe die Taktik und den klaren strategischen Fokus. Man kann richtig zielorientiert spielen.“
(Eigentlich genau sein Genre.)

Anne:
„Ich mag es ja schon, dir das Plättchen wegzuschnappen, das du haben wolltest.“
(Anmerkung der Redaktion: Es zahlt sich selten aus, den Mann zu ärgern – wie man am Spielergebnis der letzten Partie sehen kann 😉)

Hendrik:
„Castles of Burgundy ist eines dieser Spiele, die man unterschätzt, bis man merkt, wie elegant alles ineinandergreift.“

Gewonnen 😎

❣️ Gesamtbewertung

4,5 von 5 Meeples

Castles of Burgundy ist:

  • ein zeitloser Euro-Klassiker
  • mit hervorragender Würfelmechanik
  • klarer Struktur
  • hoher strategischer Tiefe
  • und enormem Wiederspielwert

Die Special Edition macht daraus keine Revolution –
aber die vermutlich schönste Version dieses Klassikers.

Warum keine 5 von 5?

Wir spielen häufig zu dritt – und das Spiel ist unseres Erachtens zu viert noch einmal stärker.
Einfach deshalb, weil dann in der Auslage keine Lücken bleiben und gefühlt „alles“ ins Spiel kommt. Die Konkurrenz um Plättchen ist höher, Entscheidungen sind enger, und das Spiel entfaltet seine volle Dynamik.

Zu dritt ist es sehr gut.
Zu viert ist es exzellent.

👉 Das Spiel bleibt dauerhaft in unserer Sammlung.
👉 Weitere Module folgen Schritt für Schritt.
👉 Und vielleicht wagen wir uns doch schneller an Chateauma als gedacht.


ℹ️ Spieleinfos (BGG)

Name: Castles of Burgundy – Special Edition
Designer: Stefan Feld
Verlag: Awaken Realms / alea
Spielerzahl: 1–4
Spieldauer: 70–120 Minuten
Komplexität (BGG): 2,84 / 5
BGG-Wertung: Top 20 All-Time

🏰 Castles of Burgundy – Special Edition (Gamefound)

🧭 Übersicht

Es wird Zeit, eine Wissenslücke zu schließen.

Castles of Burgundy, ein absoluter Klassiker von Stefan Feld, rangiert seit Jahren ganz weit oben bei BoardGameGeek. Aktuell um Platz 15 im All-Time-Ranking. Ein Eurogame ohne Miniaturen und damit eine klare Gameplay-Ansage.

Und trotzdem hatte ich es nie gespielt.

Als Awaken Realms im Juni 2024 die Special Edition auf Gamefound neu aufgelegt hat, war das die perfekte Gelegenheit. Ein Klassiker; aber in Premium.

Unterstützt habe ich damals im Juni 2024. Ich war extrem neugierig auf dieses renommierte Brettspiel und insbesondere gespannt auf die Zusammenarbeit zwischen Awaken Realms und Ravensburger. Geliefert wurde im Frühjahr 2025. Seitdem ist es kein „Regal-Schönling“, sondern tatsächlich regelmäßig auf dem Tisch gelandet.

Denn die spannende Frage war nicht nur, ob ich es endlich spielen würde, sondern was diese Premium-Version mit einem ohnehin legendären Design anstellt.


📦 Mein Pledge & Inhalt

Ich bin mit dem Splendid Pledge (165 $) eingestiegen.

Enthalten waren:

  • Special Edition Grundspiel
  • Alle Stretch Goals
  • Neoprenmatte
  • Acrylic Hexes Upgrade
  • Acrylic Tiles Upgrade
  • Alle Erweiterungen inklusive Vineyard
  • Solo Automa

Nicht genommen habe ich das Terrain Pack.
Der Sprung von 165 $ auf 255 $ war mir dann doch etwas zu sportlich, zumal Versand, VAT und Sundrop ebenfalls zusätzlich zu Buche schlagen.

Aber: Die Acryl-Upgrades und die Matte waren gesetzt.


🎨 Premiumisierung – was wurde verändert?

Awaken Realms verfolgt mit dieser Reihe eine klare Idee:
Bewährte Designs nehmen und sie technisch wie optisch auf ein neues Niveau heben.

Hier bedeutet das konkret:

  • Komplett neues Artwork
  • Überarbeitetes Layout
  • 30 % größere Hex-Tiles
  • Dual Layer Player Boards
  • Metallmünzen
  • Hochwertiges Insert
  • Spezialbeutel
  • Alle jemals erschienenen Erweiterungen

Und natürlich:

🏰 Die Burgen als Miniaturen – mit Sundrop

Die Castle-Miniaturen sind für mich das emotionale Highlight.
Eigentlich „nur“ Marker – aber mit Sundrop sehen sie einfach großartig aus und geben dem Spiel Präsenz auf dem Tisch.

(Mein Bild der Burgen kommt hier in den Artikel.)


💬 Crowdfunding-Erlebnis

Die Kampagne selbst lief solide.

  • Über 4,2 Millionen USD Finanzierung
  • Mehr als 20.000 Unterstützer
  • Reprint als Pledge Manager Projekt

Die Kommunikation war sachlich und verlässlich.
Die Lieferung im Frühjahr 2025 lag absolut im erwartbaren Rahmen.

Für ein Projekt dieser Größenordnung: angenehm unspektakulär.


🤔 Warum unterstützen – obwohl ich das Original nicht kannte?

Normalerweise teste ich erst und entscheide dann.

Hier war es anders.

  • BGG-Ranking als Qualitätsindikator
  • Stefan Feld als Designer
  • Alle Erweiterungen in einer Box
  • Premium-Komponenten
  • Und der Gedanke: Wenn schon, dann richtig.

Es fühlte sich nicht nach Hype an, sondern nach einer bewussten Investition in einen Klassiker.


🎲 Ersteindruck nach Lieferung

Schon beim Auspacken merkt man:

Das ist die „definitive Version“.

Die Acrylteile wirken schwer und hochwertig.
Die Dual Layer Boards sind funktional durchdacht.
Das Insert ist sinnvoll strukturiert.
Nichts klappert. Nichts wirkt billig.

Und obwohl Castles of Burgundy mechanisch ein klassisches Eurogame bleibt, sorgt die Premiumisierung für deutlich mehr Tischpräsenz.

Gerade bei einem Spiel, das oft als „trocken“ beschrieben wird, macht das viel aus.


🔮 Ausblick

Seit der Lieferung im Frühjahr 2025 haben wir mehrere Partien zu dritt und zu viert gespielt, einmal sogar mit Maria statt Anne, was ebenfalls sehr rund lief.

Wie sich das Spiel mechanisch anfühlt,
warum das gleichzeitige Würfeln so viel zur Downtime-Dynamik beiträgt,
und ob es wirklich „easy to learn, hard to master“ ist …

das klären wir im nächsten Beitrag.


❣️ Fazit zur Kampagne

Für mich war diese Gamefound-Unterstützung:

  • Eine kalkulierte Impulsentscheidung 😉
  • Eine bewusst geschlossene Lücke in meiner Brettspielvita
  • In einer Version, die vermutlich lange Bestand haben wird

Die Special Edition liefert genau das, was sie verspricht:
Ein legendäres Eurogame – neu gedacht, hochwertig produziert, komplett ausgestattet – und alles in einer (großen) Kiste.

Und sie hat bei mir einen Effekt ausgelöst:

👉 „Mehr davon.“

(Deshalb bin ich übrigens auch noch beim Puerto Rico Premium Late Pledge eingestiegen. Dazu folgt bald ein eigener Bericht, denn daas Spiel wurde auch bereits ausgeliefert)


ℹ️ Kampagneninfos

Name: Castles of Burgundy: Special Edition Reprint
Designer: Stefan Feld
Publisher: Awaken Realms / alea
Spielerzahl: 1–4
Spielzeit: ca. 70–120 Minuten
Komplexität (BGG): 2,84 / 5
Kampagnenstart: Juni 2024
Finanzierung: 4.278.299 USD
Unterstützer: 20.620
Pledge: Splendid Pledge (165 $)
Lieferung: Frühjahr 2025
Sprache: Englisch
Bewertung (Ersteindruck): 4,5 von 5 Meeples – Premium trifft Klassiker

🧠 Compile – Kurze Duelle, lange Denkwege

🧭 Übersicht

Es wird mal wieder Zeit für einen neuen Testbericht.
Heute geht es um Compile: Main 1 oder schlicht Compile, wie es im Deutschen heißt.

Im Original trägt das Spiel den Namen Compile: Main 1. Die deutsche Version erschien bei Pegasus und wer Pegasus kennt, weiß: Spiele mit Nummern im Titel sind dort eher unbeliebt. 😄
Nicht ganz unwichtig: 2025 ist mit Compile: Main 2 bereits der nächste Teil auf Englisch erschienen. Hoffentlich ist bald auch eine lokalisierte Variante verfügbar.

Empfohlen wurde mir Compile bei einem Besuch in der Spielebude (unserem lokalen Brettspieledealer) und bei Preis und Spieldauer war klar: No-Brainer.
Josef und ich zocken regelmäßig kurze Duellspiele am Abend, und Compile passte perfekt in dieses Raster.


🎮 Erste Partien & Lernkurve

Die ersten Wochen war ich ungeschlagen.
Ein Zustand, der – wie so oft – nicht von Dauer war.

Als ich Compile heute noch einmal gezielt für diesen Testbericht auf den Tisch bringen wollte, kam es zum Klassiker: Übermut vor dem Fall.
Josef hat mich sauber abgezogen.

Eine Partie dauert etwa 20–30 Minuten, was fast immer noch eine zweite Runde erlaubt und das sich jede Partie anders spielt, kommt es meist auch dazu.


🧩 Spielidee & Ablauf

Compile ist ein reines 2-Personen-Kartenspiel.
Beide Spieler schlüpfen in die Rolle konkurrierender künstlicher Intelligenzen, die versuchen, durch das Testen und „Kompilieren“ von Konzepten ein Verständnis der Realität zu erlangen.

Zu Beginn wählen beide Spieler abwechselnd aus 12 verschiedenen Protokollen (u. a. Dunkelheit, Feuer, Wasser, Leben, Tod …).
Jeder Spieler erhält anschließend drei Protokolle, zu denen jeweils ein Kartenstapel mit sechs unterschiedlichen Karten gehört.

👉 Dadurch entsteht schon vor dem ersten Zug eine enorme Varianz.

Im Spielverlauf werden Karten ausgespielt, Effekte ausgelöst und Schwellenwerte überschritten, um ein Protokoll zu kompilieren.
Wer als Erster alle drei eigenen Protokolle kompiliert, gewinnt.


🔧 Karten, Effekte & Interaktion

Die Karten­effekte sind überraschend vielseitig:

  • Manipulation des eigenen Decks
  • Eingriffe in die eigene Auslage
  • und sehr gern auch direkte Störungen beim Gegner

Gerade dieses ständige Eingreifen in den Spielplan des Gegenübers macht Compile so spannend.
Es fühlt sich wie ein taktisches Duell an, bei dem beide Spieler offen agieren, ihre eigentlichen Pläne aber erst Zug für Zug sichtbar werden.

Besonders gut gefällt uns das Experimentieren mit neuen Protokoll-Kombinationen.
Manche Synergien zünden sofort, andere entpuppen sich als Sackgasse; oft auch abhängig davon, welche Protokolle der Gegner gewählt hat.

Eine klare Winning Strategy haben wir bisher nicht gefunden.
Und genau das ist ein gutes Zeichen.


⭐ Unsere Bewertung ⭐

Zugänglichkeit: 🟢 Gut
Die Regeln sind überschaubar, brauchen aber 1–2 Partien, um wirklich zu sitzen.

Interaktion: 🟢 Sehr hoch
Kaum ein Zug ohne Auswirkungen auf den Gegner.

Spielspaß: 🟢 Hoch
Kurze Dauer, viel Denken, wenig Leerlauf.

Wiederspielwert: 🟢 Sehr hoch
Durch Protokollwahl und Kartenkombinationen entsteht enorme Varianz.

Duell-Tauglichkeit: 🟢 Exzellent
Perfekt für regelmäßige 2-Personen-Abende.


💬 Stimmen vom Tisch

Hendrik:
„Genau die Art Spiel, die man abends noch auf den Tisch bekommt und dann doch länger drüber nachdenkt als geplant.“

Josef:
„Am besten ist, dass Papa am Anfang dachte, er hätte das Spiel raus.“

(Anmerkung der Redaktion: Hatte er nicht.)


❣️ Fazit

Compile ist ein schnelles, taktisches Duellspiel mit erstaunlicher Tiefe.
Es lebt von Varianz, direkter Interaktion und dem ständigen Abwägen zwischen eigenem Fortschritt und gezielter Störung des Gegners.

Kein Spiel für große Runden.
Aber ein richtig starkes Spiel für zwei, mit hoher Wiederspielmotivation.

👉 Unser Fazit:
Schönes, schnelles Spiel zu zweit – mit Abwechslung, Taktik und echtem Reiz zum Wiederholen.

4 von 5 Meeples 🟩🟩🟩🟩⬜

ℹ️ Spieleinfos (BGG)

Name: Compile: Main 1
Designer: Michael Yang
Illustrationen: Nolan Nasser, Allen Panakal
Verlag: Greater Than Games
Spielerzahl: 2 Spieler
Spieldauer: 20–30 Minuten
Alter: ab 14 Jahren
Komplexität (BGG): 2,34 / 5
BGG-Wertung: 7,9 / 10

„Control your opponent’s Protocols, Compile your own reality, and grasp understanding.“

🌲 Aspens – Der finale Spieletest

Ein lebendiger Wald aus Entscheidungen, Würfeln und Varianten


🧭 Übersicht

Nach Crowdfunding-Erfahrungsbericht, Zwischenfazit (Teil 1) und Platz 8 unserer Brettspiele des Jahres 2025 war klar:
Aspens bekommt bei uns einen abschließenden Testbericht.

➡️ Teil 1 – Erste Runden & Zwischenfazit:
➡️ Crowdfunding-Erfahrungsbericht:

Inzwischen haben wir alle Inhalte der Crowdfunding-Kampagne gespielt:

  • das Grundspiel
  • die Erweiterungen Wild Weather, Ancient Artifacts
  • den 4-Spieler-Modus Deciduous Duos
  • sowie Majestic Marvels (ohne Wertung)

Und vorweg:
👉 Aspens zieht dauerhaft bei uns ein.


🌳 Spielidee & Ablauf (Grundspiel)

Aspens ist ein schnelles, taktisches Zwei-Personen-Spiel, bei dem Sonne und Wind über Wachstum oder Stillstand entscheiden.

  • Die Spieler würfeln abwechselnd
  • das jeweilige Würfelergebnis gilt für beide
  • profitieren davon aber unterschiedlich, je nach Spielstil

Die Kernfrage jeder Partie bleibt:
Wachsen oder Expandieren? Sicherheit oder Risiko?

Besonders stark:
Trotz Würfeln fühlt sich keine Partie unfair an.
Der Zufall ist da, aber man entscheidet selbst, wie stark man ihn nutzt.


🎲 Würfel, Varianz & Fairness

Wir hatten Partien mit fast nur hohen Werten und andere mit vielen niedrigen.

  • viele kleine Waldflächen → niedrige Werte führen schell zu „Wachstum“
  • große Wälder → hohe Werte setzen dich vom anderen Spieler ab

👉 Wer auf Sicherheit spielt, gewinnt anders als jemand, der auf Glück setzt.
Beides funktioniert – und genau das macht Aspens so fair.


🛠️ Material & Immersion

Ein echtes Highlight sind die Custom Cut Treeple Pieces aus der Deluxe Edition.

  • vier unterschiedliche Baumtypen
  • gleiche Farbe, aber leicht variierende Formen
  • sofort erkennbar, wem welche Bäume gehören

Gleichzeitig entsteht auf dem Spielplan das Gefühl eines lebendigen, organischen Waldes.
Diese Detailverliebtheit verstärkt die Immersion enorm.

Hier setzt Aspens für mich neue Maßstäbe, die ich mir auch bei anderen Spielen wünschen würde.
Stellt euch vor, Meeple in Spielen wie Carcassonne, DOG oder anderen Klassikern wären nicht einfach nur gleichfarbig identisch, sondern würden sich in kleinen Details unterscheiden – gleiche Farbe, gleiche Funktion, aber leichte Varianz in Form oder Silhouette.
Keine Miniaturen, kein Overkill – sondern genau so viel Unterschied, dass das Spiel lebendiger wirkt.

Einziger kleiner Wermutstropfen:
👉 Das Custom Dice Tray fehlt mir noch.
Das muss ich irgendwie auftreiben –
hoffentlich auf der SPIEL in Essen 2026 😉


🌦️ Erweiterung: Wild Weather

Wild Weather bringt Wettereffekte ins Spiel:

  • unvorhersehbare Impulse
  • neue Chancen, neue Risiken
  • spürbar mehr Interaktion

Direkt nach den ersten Partien haben wir Wild Weather getestet –
und diese Runde konnte ich immerhin für mich entscheiden 😉

Das Wetter passt erstaunlich gut ins Grundsystem und verändert die strategischen Überlegungen genau so viel, dass es frisch bleibt, ohne zu überfordern.

💬 Maja:

„Ohne Erweiterungen spiele ich Aspens am stärksten – aber Wild Weather bringt richtig schöne Abwechslung.
Auch wenn Papa da einmal gewonnen hat.“
(Anmerkung der Redaktion: Es war nicht nur einmal 😉)


🏺 Erweiterung: Ancient Artifacts

Ancient Artifacts bringt einmalige Spezialfähigkeiten ins Spiel, die man sich durch geschicktes Positionieren verdient.

  • mehr Planung
  • mehr Tiefe
  • starke Effekte, aber gut kontrolliert

💬 Hendrik:

„Ancient Artifacts gibt mir genau die zusätzliche Tiefe, die ich mag – ohne Aspens komplizierter zu machen.“

Mein persönlicher Favorit unter den Erweiterungen.


🤝 Erweiterung: Deciduous Duos (4 Spieler)

Aspens im 2-vs-2-Teammodus:

  • stille Abstimmung mit dem Partner
  • kein offenes Reden (so zumindest spielen wir die Variante)
  • Abstimmung ohne Worte – wer oft zusammenspielt, versteht sich auch so

💬 Anne:

„Ein paar Partien Aspens zu viert brauche ich noch.
Zu viert spiele ich ja am liebsten.
Zu zweit bleibe ich bei Roll & Write.“

Die Variante ist spannend und funktioniert gut, auch wenn Aspens für uns im Kern weiterhin ein starkes Zwei-Personen-Spiel bleibt.


🏛️ Erweiterung außer Wertung: Majestic Marvels

Majestic Marvels verändert die Art der Wertung grundlegend (Flächenmehrheiten).

Die Idee ist interessant, aber das Spielbrett fühlt sich für uns weniger „Aspens-typisch“ an. Die Karten unter dem Spielbrett gefallen mir optisch weniger.

Da es ein Promo-Geschenk von der SPIEL war, lassen wir diese Variante bewusst raus aus der Wertung.


⭐️ Unsere Bewertung ⭐️

Zugänglichkeit: 🟢 Hoch
Schnell erklärt, gerade ohne Erweiterungen sofort spielbar.

Interaktion: 🟢 Hoch
Man spielt permanent gegeneinander – subtil, aber wirkungsvoll.

Spielspaß: 🟢 Sehr hoch
Kurze Partien, schnelle Revanche, hoher „Noch-eine-Runde“-Faktor.

Wiederspielwert: 🟢 Hoch
Durch Würfel, Spielstil und Erweiterungen immer leicht anders.

Material & Gestaltung: 🟢 Sehr hoch
Deluxe-Bäume, Würfel, Tableaus – Aspens ist ein echter Hingucker.


💬 Familienmeinungen

Maja:
„Aspens ohne Erweiterungen liegt mir am besten. Wild Weather ist cool – aber pur spiele ich es am stärksten.“

Josef:
„Ich mag eigentlich längere Spiele, aber Aspens ist perfekt für zwischendurch. Schnell erklärt, schnell gespielt.“

Anne:
„Zu viert brauche ich noch ein paar Partien. Aber grundsätzlich mag ich Teamspiele und Aspens hat da Potenzial.“

Hendrik:
„Aspens ist eines dieser Spiele, bei denen einfach alles zusammenpasst: Thema, Mechanik, Material und Präsentation.“


❣️ Gesamtbewertung

4,5 von 5 Meeples

Aspens ist:

  • ein starkes Zwei-Personen-Spiel
  • mit hervorragendem Material
  • fairer Würfelmechanik
  • und genau der richtigen Tiefe

Mit Erweiterungen wird es variabler,
ohne Erweiterungen bleibt es ein perfektes Spiel für zwischendurch.

👉 Das Spiel zieht dauerhaft bei uns ein.
👉 Weitere Partien folgen sicher auch 2026.
👉 Und wir freuen uns sehr auf ein Wiedersehen mit Ludivore Games,
Neil Edwards und Luke Roberts auf der SPIEL 2026 🌲
👉 Im Austausch mit den Entwicklern haben wir außerdem bereits gehört,
dass dort eine neue Kampagne von Ludivore vorgestellt werden soll.
Wir sind sehr gespannt, wohin die Reise geht und werden das natürlich aufmerksam begleiten.


ℹ️ Spieleinfos (BGG)

Name: Aspens
Designer: Neil Edwards, Luke Roberts
Verlag: Ludivore Games
Spielerzahl: 2 Spieler (4 mit Deciduous Duos)
Spieldauer: 20–45 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Komplexität (BGG): 1,73 / 5
BGG-Wertung: 7,8 / 10

Erweiterungen:

  • Wild Weather
  • Ancient Artifacts
  • Deciduous Duos
  • Majestic Marvels (außer Wertung)
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