Im ersten Teil ging es darum, warum ich mich als Steuerberater überhaupt an eine App setze. Jetzt zur Sache: Wie aus vier Fragen in zehn Urlaubsabenden ein Werkzeug wurde und was es kann.
Anderthalb Stunden für einen Dateidialog
Ausgangslage am Abend des 8. August: ein iPad Pro mit Magic Keyboard, kein Mac, kein Plan. Meine Programmierkenntnisse stammen anscheinend aus einer anderen Zeit
Swift hatte ich nie angefasst, iOS-Entwicklung nie auch nur aus der Ferne betrachtet und eigentlich hatte ich auch erwartet mit KI gar nicht viel selber tippen zu müssen … „leider“ nicht am IPad.
Die erste Hürde war entsprechend banal: Welche App lädt man überhaupt? Die Antwort heißt Swift Playground, ist kostenlos und läuft auf dem iPad. Die zweite Hürde war schlimmer. Ich habe rund anderthalb Stunden gebraucht, um ein bereits angelegtes Projekt wieder zu öffnen. Nicht wegen des Codes, sonder aufgrund Apples Dateidialog. Ich bin auch schon mal schneller in neue Software eingestiegen.
Drei Abende bis zur brauchbaren App
„Hello World“ war als Messlatte für den ersten Abend zu niedrig. Am Ende des ersten Abends stand eine navigierbare Spieleliste, die ihre Daten als JSON speicherte und jedem Spiel einen Redaktionsstatus mitgab – berichtet, geplant, offen. Aus Redaktionssicht wäre ich fast fertig …
Tag zwei brachte den zentralen Datenspeicher, die Personenverwaltung, die Partienerfassung mit Fotos und Eindrücken, Suche, Filter, einen Textexport und ein App-Icon. Tag drei die Struktur in Reitern, erste Statistiken, das Elo-Ranking, Import und Export sowie Coverbilder.
Drei Abende von null auf funktionsfähig. Was dabei half, waren weniger die alten Programmierkenntnisse als das Datenmodell-Denken: Welche Entitäten gibt es, wie hängen sie zusammen, was ist ein eigener Datensatz und was nur ein Attribut? Wirtschaftsmathematik und Jahre mit Datenbanken zahlen sich an dieser Stelle aus. Wer eine Spielesammlung sauber modelliert, hat die halbe App.
150 Spiele aus Regalfotos
Die schönste Abkürzung kam am dritten Tag. Statt 150 Titel abzutippen, habe ich unser Regal fotografiert. Claude hat die Buchrücken gelesen und daraus eine Liste gemacht, ich habe korrigiert, wo die Schachtelkante zu wenig hergab oder eine Erweiterung als eigenständiges Spiel durchging.
Das ist keine Magie und es war auch nicht fehlerfrei. Aber der Unterschied zwischen „ich tippe drei Abende lang Titel ab“ und „ich prüfe eine Stunde lang eine Liste“ entscheidet darüber, ob so ein Projekt überhaupt bis zum Ende kommt.
HTTP 401
Am vierten Tag sollte BoardGameGeek dazukommen – Verlag, Autor, Grafik, Erscheinungsjahr, Komplexität, Bewertung, Rang, Cover. Die XML-Schnittstelle von BGG ist seit vielen Jahren dieselbe, sie ist gut dokumentiert, und sie antwortete: HTTP 401.
Der Grund: BGG verlangt seit dem letzten Jahr eine Registrierung für die API. Nicht-kommerzielle Nutzung bleibt kostenlos, Auflage ist im Wesentlichen das „Powered by BGG“-Logo. Also Antrag gestellt und ins Bett gegangen. Am Folgetag war er genehmigt.
Danach ging es schnell: ein Stapelabgleich für alle Spiele auf einmal, ein Picker für Erweiterungen, und schließlich der Crowdfunding-Bereich mit 99 Projekten, die aus einer Excel-Tabelle einwanderten.
Was die App heute kann
Die Sammlung. 150 Spiele mit den BGG-Daten im Rücken. Viele Titel müssen nach dem Urlaub noch erfasst werden. Die App führt bewusst den deutschen Schachteltitel und daneben den englischen BGG-Titel. Wer je versucht hat, eine deutsche Sammlung gegen eine englische Datenbank zu pflegen, weiß, warum das kein Detail ist. Und wichtige (eigentlich bekannte) Erkenntnis: Man brauch reine ID und nicht den Namen, um den Abgleich sauber und regelmäßig hinzubekommen.
Die Partie. Wer hat mitgespielt, wie lange, was ist passiert. Dazu Fotos, ein Eindruck in Textform und eine Note pro Person auf einer Zehnerskala. Nach ein paar Wochen ist das ein Spieltagebuch, das keiner von Hand geführt hätte.
Das Ranking. Statt jeden zu bitten, 150 Spiele in eine Reihenfolge zu bringen, was niemand tut, zeigt die App immer zwei Spiele nebeneinander: Welches lieber? Daraus entsteht pro Person eine Elo-Wertung. „Kenne ich nicht“ ist eine gültige Antwort und verzerrt die Wertung nicht. Josef, Maja und ich haben damit drei sehr unterschiedliche Ranglisten über dasselbe Regal.
Der Vorschlag. Das ist die Karteikarten-Verlosung von 2016, nur klüger. Wer spielt mit, wie viel Zeit haben wir, worauf haben wir Lust — und heraus kommen fünf Titel aus der Schnittmenge der persönlichen Top 50 aller Beteiligten. Dazu einer, den wir lange nicht auf dem Tisch hatten. Der sechste ist mir der liebste: Er bringt genau die Spiele zurück, für die früher die Karten zuständig waren.
Die Crowdfunding-Ecke. Gut 99 Projekte über ihren gesamten Lebenszyklus, vom Pledge bis zur Lieferung, dazu eine Bewertung der Verlage und eine Merkliste für Essen. Erstmals kann ich die Frage „was steht eigentlich noch aus?“ beantworten, ohne alte E-Mails zu durchsuchen. Her muss ich allerdings noch etwas manuelle Pflege einplanen.
Der Redaktionsexport. Der Teil, den nur wir brauchen, der aber der Grund für vieles andere war. Auf Knopfdruck entsteht eine Artikelvorlage: zuerst meine eigenen Notizen, dann die Stimmen der Mitspielenden, dann die Zahlen aus den Partien, dann die BGG-Daten und ein etwaiger Verlagstext klar als Fremdtext ausgewiesen. Diese Reihenfolge ist Absicht. Im Artikel soll von uns ja kein zweiter Verlagstext geschrieben werden.
Zwei Entscheidungen, die sich gelohnt haben
Die eine ist die mit den Titeln: deutsche Schachtel vorne, BGG-Titel daneben. Die andere betrifft Erweiterungen. Sie liegen im Datenbestand als eigene Einträge, so wie BGG sie führt, erscheinen in der Sammlungsliste aber unter dem jeweiligen Grundspiel. Das klingt nach Kleinkram, entscheidet aber darüber, ob Statistiken stimmen und ob man eine Erweiterung wiederfindet, deren Karten längst in der Grundspielschachtel stecken.
Beides waren Entscheidungen, die ich getroffen habe, nicht das Modell. Und das ist der Übergang zum dritten Teil: Wie die Arbeitsteilung zwischen Mensch und KI tatsächlich aussah, was dabei gründlich schiefging und was ich daraus für die Kanzlei mitnehme.
Offtopic und zugleich der Auftakt. In den kommenden Wochen erzähle ich in drei Teilen, wie diese App entstanden ist: in zehn Urlaubsabenden, auf einem iPad, ohne je zuvor eine Zeile Swift geschrieben zu haben. Vorher aber das Ergebnis: sieben Bildschirme, was sie zeigen und warum sie so aussehen, wie sie aussehen.
Stand der Dinge: Die App läuft in Swift Playground auf einem iPad. Sie liegt in keinem App Store und wird dort auch nie liegen. Sie verwaltet aktuell 151 Spiele und 16 erfasste Partien.
Die Sammlung
Der erste Reiter ist der, den ich am häufigsten öffne. Jede Zeile trägt das Cover, den Titel, den Verlag, die Spielerzahl und die Spieldauer — darunter die BGG-Bewertung, die Komplexität und das Erscheinungsjahr.
Zwei Details, die im Bild leicht untergehen: Bei Spielen mit abweichendem englischen Titel steht dieser klein unter dem deutschen — bei 7 Wonders Architects etwa 7 Wonders: Architects, bei Alhambra Family Box das Alhambra: Family Box von BGG. Ohne diese zweite Zeile findet man in einer deutschen Sammlung nichts wieder, was in einer englischen Datenbank steht.
Und die Liste ist ehrlich: Aventuria mit einer BGG-Wertung von 4,6 steht genauso drin wie Ark Nova mit 8,5. Eine Sammlung ist keine Bestenliste.
Das einzelne Spiel
Die Detailansicht ist bewusst dreigeteilt, und die Reihenfolge ist Absicht.
Oben unsere eigenen Angaben: Verlag, Spielerzahl, Spielzeit — dazu der Redaktionsstatus und unsere Bewertung. Bei Deep Regrets stehen dort noch zwei Striche, weil wir zwar zwei Partien gespielt, aber noch nichts geschrieben haben.
Darunter der Block von BoardGameGeek: Autor und Grafik (bei diesem Titel beides Judson Cowan), Jahr, Altersfreigabe, Komplexität, Bewertung, Rang und die Mechaniken. Wichtig ist die letzte Zeile: Stand: 17. Aug 2026. BGG-Werte altern, Ränge verschieben sich. Wer eine Zahl aus einer Datenbank zitiert, sollte dazusagen, wann er sie geholt hat — das gilt für einen Blogartikel genauso wie für einen Prüfbericht.
Ganz unten der Verlagstext, überschrieben mit „Verlagstext von BGG“. Er steht bewusst am Ende und bewusst mit Herkunftsangabe. Was der Verlag über sein Spiel sagt, ist eine Information — aber eben nicht unsere.
Die Partien
Jede Partie mit Datum und Teilnehmenden, absteigend nach Datum. Was hier nach einer schlichten Liste aussieht, ist die Grundlage für alles Weitere: Ohne erfasste Partien gibt es keine Statistik, keine Siegquoten und keinen „lange nicht gespielt“-Vorschlag.
Zu sehen ist übrigens auch, wie ein Urlaub aussieht, in dem nebenbei eine App entsteht: dreimal dnup an zwei Tagen, dreimal Quantik, zweimal Flip 7. Kurze Spiele gewinnen, wenn abends noch programmiert wird.
Ein Eintrag heißt „Unbekanntes Spiel“. Auch das bleibt drin — es ist ein Testdatensatz aus den ersten Tagen, und er erinnert mich daran, dass jede Datenbank ihre Altlasten hat.
Die Statistik
Der Überblick oben ist schnell erzählt: 151 Spiele, 16 Partien, 9 Stunden 35 Minuten Spielzeit. Darunter der laufende Monat, die meistgespielten Titel und eine Zeile pro Person mit Partien und Siegen.
Interessanter ist der untere Teil, der nichts mit Statistik zu tun hat: Sicherung exportieren, Sicherung einlesen, BGG-Abgleich starten, Spiele einzeln nachbearbeiten, BGG-Kennzahlen aktualisieren. Das sind die Werkzeuge, die aus Schaden/Fehlern entstanden sind: ein verrutschtes Einfügen, zwei gelöschte Dateien, drei Stunden Reparatur. Die Geschichte dazu kommt im dritten Teil der Serie; die Export-Funktion steht jedenfalls nicht ohne Grund an erster Stelle.
Ganz unten steht das „Powered by BGG“-Logo. Das ist keine Höflichkeit, sondern die Bedingung, unter der BoardGameGeek seine Schnittstelle für private Zwecke freigibt.
Das Ranking
Hier liegt die Idee, auf die ich am meisten stolz bin, und sie ist geklaut — aus dem Schach.
Niemand bringt 151 Spiele in eine Reihenfolge. Aber jeder kann sagen, welches von zwei Spielen ihm besser gefällt. Genau das fragt die App, immer wieder, mit zwei Coverbildern nebeneinander: dnup oder The Witcher: Old World? Dazu „Unentschieden“, „Überspringen“ und — für jede Seite einzeln — „Kenne ich nicht“.
Aus diesen Paarvergleichen entsteht eine Elo-Wertung, wie man sie von Schachranglisten kennt. Unten sieht man das Ergebnis, und man sieht auch, wie jung es noch ist: An der Spitze stehen Dune: Imperium, Voidfall und Terra Nova mit 1.572 Punkten, aber der lange Rest hängt bei 1.548 — dem Startwert. Diese Spiele wurden schlicht noch nicht verglichen. Eine Rangliste braucht Zeit, und das ist in Ordnung: Sie soll ja das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen sein, nicht eines langen Abends.
Der Vorschlag
Und hier kommen die Karteikarten von 2016 zurück, nur mit Gedächtnis.
Man stellt ein, wer mitspielt, wie viel Zeit zur Verfügung steht und ob eine bestimmte Mechanik gefragt ist. Die App nimmt daraufhin die persönlichen Top 50 aller Beteiligten, bildet die Schnittmenge und prüft, was zur Spielerzahl und zur Zeit passt.
Herauskommen fünf Vorschläge — im Bild Photosynthese, 7 Wonders Architects, Borderlands, Wizard und Agent Avenue, jeweils mit Mechaniken darunter. Wem das nicht gefällt, drückt auf „Nochmal würfeln“; der Name ist eine Verbeugung vor den Karten.
Darunter steht die Rubrik, die mir am wichtigsten ist: Lange nicht gespielt. Ein einzelner Titel, der es aus eigener Kraft nie in die Auswahl schaffen würde. Im Bild ist es Zug um Zug — ein Spiel, das jeder kennt, jeder mag und trotzdem seit Ewigkeiten im Regal steht.
Das Funding
Der siebte Reiter ist der, der außerhalb dieses Blogs vermutlich niemanden interessiert und für uns der wertvollste ist: zahlreihe unterstützte Crowdfunding-Projekte mit Plattform, Verlag, Status und gezahltem Betrag in Euro.
Tainted Grail: The Fall of Avalon für 127,44 €, Frosthaven für 125,32 €, Munchkin Dungeon für 77,79 € und dazwischen VOYAGES als Print-and-Play für 4,63 €. Genau diese Zahlen verschwinden nach ein paar Jahren gern aus dem Netz, wenn Kampagnenseiten umgebaut oder gelöscht werden. Was hier steht kann von uns später noch genutzt werden.
Oben lässt sich nach ausstehenden Projekten filtern. Die Antwort auf „Was kommt eigentlich noch?“ dauert jetzt zwei Sekunden statt zwei Stunden.
Hinter den Kulissen
Zum Schluss ein Blick auf das, worin das alles steckt: Swift Playground auf dem iPad, links die Dateiliste, rechts die ContentView — jene Datei, in der die sieben Reiter definiert werden, die durch diesen Artikel geführt haben.
Man sieht in der Seitenleiste ganz gut, wie so ein Projekt wächst: BGGService, BGGImport, BGGSearchView, CampaignFormView, ExpansionPickerView, HuegelzelterStore. Aus den drei Dateien, für die diese Umgebung gedacht ist, sind rund dreißig geworden.
Was noch fehlt
Alles, was hier zu sehen ist, liegt auf genau einem Gerät. Die Ranglisten der anderen entstehen nur, wenn ich ihnen das iPad reiche — für ein Werkzeug, dessen ganzer Sinn die unterschiedlichen Perspektiven auf dasselbe Regal sind, ist das der eigentliche Mangel.
Der nächste Schritt steht deshalb fest, und er hat mit Brettspielen wenig zu tun: ein Mac, Xcode statt Playground, eine Synchronisierung über die Geräte hinweg und eine Verteilung an die Familie. Wenn das läuft, melde ich mich wieder.
Zuvor aber die Geschichte dahinter. Warum ein Steuerberater überhaupt anfängt, Apps zu bauen; wie aus „welche App lade ich eigentlich?” in zehn Abenden das hier wurde; und was dabei gründlich schiefgegangen ist — in drei Teilen, hier auf der Spielwiese.
Dies ist bewusst kein klassischer Ersteindruck. Über unsere ersten Partien von Dune: Imperium haben wir bereits Ende 2025 berichtet. Seitdem sind einige Monate vergangen, das Spiel hat seinen festen Platz im Hügelzelter-Regal gefunden und inzwischen durfte auch die gesamte Redaktion nach Arrakis reisen. Höchste Zeit also für einen zweiten Blick.
Übersicht
Es gibt Spielwelten, die begegnen einem immer wieder. Bei mir ist das inzwischen ganz klar Dune.
Den Roman von Frank Herbert besitze ich zwar schon seit Jahren, gelesen habe ich ihn allerdings bis heute nicht. Trotzdem lässt mich Arrakis irgendwie nicht mehr los.
Und eigentlich begann das schon deutlich früher.
Für viele Spieler meiner Generation war Dune II Anfang der 90er Jahre einer der ersten Berührungspunkte mit dem Genre der Echtzeitstrategie. Natürlich folgten später mit Command & Conquer, Warcraft und vielen anderen Titeln die ganz großen Klassiker. Trotzdem bleibt Dune II für mich eines der Spiele, das dieses Genre überhaupt erst geprägt hat. Vielleicht kommt daher auch bis heute die gedankliche Verbindung zwischen dem Spice auf Arrakis und dem Tiberium aus Command & Conquer. Beides sind wertvolle Ressourcen, um die ganze Kriege geführt werden und beide prägen das jeweilige Spielgefühl enorm.
Den nächsten großen Schritt machten dann die neuen Kinofilme. Gemeinsam mit Callipo und einigen weiteren Freunden gehörte jeder neue Teil praktisch zum Pflichtprogramm: Burger, Kino und einfach ein richtig guter Abend. Den alten Film von 1984 habe ich zwar vor vielen Jahren einmal ausschnittsweise gesehen, aber damals war ich noch weit davon entfernt, überhaupt ins Kino gehen zu dürfen. Die moderne Verfilmung hat mich dagegen sofort abgeholt. Jetzt warten wir gespannt auf den dritten Teil, der Ende 2026 erscheinen soll.
Zwischendurch führte mich der Weg auch auf den PC. Gemeinsam mit Callipo verbrachte ich viele Abende in Dune: Awakening. Nach unserem letzten Sommerurlaub erwartete uns allerdings eine kleine Überraschung: Unsere komplette Basis war verschwunden. Nicht im übertragenen Sinn: die Wüste hatte sie sich tatsächlich zurückgeholt. Mauern, Werkstätten, Fahrzeuge … fast alles war verschwunden.
Kurz überlegten wir, das Kapitel Dune: Awakening damit zu beenden.
Stattdessen bauten wir alles noch einmal auf, kämpften uns durch die komplette Hauptgeschichte und errichteten unsere Basis von Grund auf neu. Irgendwann hatten wir nahezu alles erreicht, was wir erreichen wollten. Inzwischen dürfte der Sand wieder ganze Arbeit geleistet haben. Geblieben sein sollten lediglich die eingelagerten Vorräte in der Bank und der Ornithopter, den ich vorsorglich für kommende Erweiterungen gesichert habe. Momentan reizt uns beide ein neuer Einstieg allerdings noch nicht.
Und dann ist da natürlich noch das Brettspiel.
Bevor wir die nächste Partie starteten, habe ich mir übrigens noch einmal den Wikipedia-Artikel zum Dune-Universum vorgenommen. Dabei wurde mir erst richtig bewusst, wie gewaltig diese Welt eigentlich ist. Die Geschichte von Dune umfasst nicht nur einige Jahrzehnte, sondern reicht – je nach Epoche – über viele Jahrtausende. Filme, Hörbücher, Computerspiele und Brettspiele beleuchten davon jeweils nur einen kleinen Ausschnitt.
Auch Dune: Imperium war längst nicht der erste Versuch, dieses Universum als Brettspiel umzusetzen. Es dürfte aber der bislang erfolgreichste sein. Nicht ohne Grund gehört es inzwischen zu den absoluten Spitzenreitern bei BoardGameGeek. Und wenn man sich den hervorragenden Ruf von Dune: Imperium – Uprising anschaut, dürfte auch diese eigenständige Weiterentwicklung früher oder später ihren Weg ins Hügelzelter-Regal finden.
Dune: Imperium auf unserem Urlaubstisch – bereit für die nächste Reise nach Arrakis.
🪱 Hügelzelter-Exkurs: Warum gibt es eigentlich überall riesige Würmer?
Wer heute einen riesigen Wurm in einer Wüste sieht, denkt vermutlich sofort an Dune. Dabei sind ähnliche Kreaturen in vielen Science-Fiction-Welten zu finden – allerdings mit ganz unterschiedlichen Aufgaben.
Die Sandwürmer von Arrakis sind weit mehr als riesige Monster. Sie bilden das Herzstück des gesamten Ökosystems. Ohne sie gäbe es kein Spice, ohne Spice keine Raumfahrt und ohne Raumfahrt kein Imperium. Gleichzeitig werden sie von den Fremen verehrt und sogar als Reittiere genutzt.
Ganz anders sieht es beim Sarlacc aus Star Wars aus. Er lauert regungslos an einer Stelle und dient vor allem als tödliche Falle. Für das Universum selbst spielt er dagegen kaum eine Rolle. Der berühmte Weltraumwurm (Exogorth) aus Das Imperium schlägt zurück lebt wiederum im Inneren eines Asteroiden und ist schlicht ein außergewöhnliches Tier. Und selbst Spaceballs konnte sich eine herrliche Parodie auf die Dune-Würmer nicht verkneifen.
Tatsächlich war Frank Herbert seiner Zeit weit voraus: Die ersten Sandwürmer erschienen bereits 1965 im Roman Dune, lange bevor Star Wars überhaupt das Licht der Welt erblickte.
🎲 Und was machen die Sandwürmer im Brettspiel?
Nach all den Geschichten über Shai-Hulud könnte man meinen, dass die riesigen Sandwürmer im Brettspiel jederzeit unter den Spielfiguren hervorschießen und ganze Armeen verschlingen.
So gefährlich wird es bei Dune: Imperium nicht.
Hier übernehmen sie vielmehr eine elegante spielmechanische Aufgabe. Immer dann, wenn ein Spice-Feld längere Zeit nicht genutzt wird, sammelt sich dort immer mehr Spice an. Die Wüste wird also mit jeder Runde lukrativer und lockt die Spieler früher oder später doch dorthin. Die Sandwürmer sorgen dabei thematisch dafür, dass diese Entwicklung glaubwürdig wirkt. Eine zentrale Rolle im Spiel haben sie allerdings nicht.
Wer gehofft hat, selbst auf einem Sandwurm durch die Wüste zu reiten, wird ebenfalls enttäuscht. Dieser ikonische Teil der Dune-Geschichte bleibt den Filmen und Romanen vorbehalten.
Dafür zeigt sich hier eine der großen Stärken von Dune: Imperium: Das Spiel versucht gar nicht, jede Facette des Dune-Universums abzubilden. Stattdessen greift es einige prägende Elemente heraus: Spice, die großen Häuser, Intrigen, Fraktionen und eben auch die Sandwürmer; und verwandelt sie in eine elegante Spielmechanik, die den Blick ehr auf die Entstehung des Spice lenkt.
Nahaufnahme der Spice-Felder und der Sandwurm-Mechanik auf dem Spielplan.
🎲 Vom Wüstenplaneten auf den Spieltisch
Doch so faszinierend die Welt von Dune auch ist, am Ende geht es auf der Spielwiese der Hügelzelter natürlich vor allem um Brettspiele.
Und gerade hier ist Dune längst kein unbeschriebenes Blatt mehr.
Bereits Ende der 1970er Jahre erschien mit dem legendären Avalon-Hill-Spiel eine erste Brettspielumsetzung. In den folgenden Jahrzehnten folgten zahlreiche weitere Versuche, Frank Herberts Universum auf den Spieltisch zu bringen. Manche gelten heute als Geheimtipps, andere verschwanden schnell wieder in der Versenkung.
Den ganz großen Durchbruch schaffte aus unserer Sicht allerdings erst Dune: Imperium.
Paul Dennen kombinierte Deckbuilding und Worker Placement zu einem Spiel, das sich nicht nur hervorragend spielt, sondern das Thema überraschend gut transportiert. Statt riesige Armeen über Arrakis zu bewegen, dreht sich alles um Einfluss bei den großen Fraktionen, knappe Ressourcen, politische Intrigen und die richtige Vorbereitung auf den nächsten Konflikt.
Kein Wunder also, dass sich Dune: Imperium inzwischen dauerhaft in den Top 10 von BoardGameGeek etabliert hat.
Doch was macht das Spiel nach mehreren Monaten und zahlreichen Partien eigentlich so besonders?
Genau das wollten wir in unserem Urlaub noch einmal herausfinden.
⚙️ Die Spielmechanik in aller Kürze
Wer unseren ersten Artikel zu Dune: Imperium gelesen hat, kennt die grundlegenden Mechaniken bereits. Deshalb möchten wir an dieser Stelle gar nicht noch einmal jede Regel im Detail erklären.
Kurz zusammengefasst verbindet Dune: Imperium zwei der beliebtesten Mechaniken moderner Brettspiele:
Deckbuilding, bei dem sich das eigene Kartendeck im Laufe der Partie immer weiter verbessert.
Worker Placement, bei dem Agenten auf begehrte Aktionsfelder gesetzt werden; wie üblich oft genau vor der Nase der Mitspieler, wobei dies weitaus seltener vorkommt, wie bei anderen Genrevertretern.
Hinzu kommen Konflikte, politische Fraktionen, Intrigenkarten und natürlich das allgegenwärtige Spice als wichtigste Ressource auf Arrakis. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass sich keine Partie wie die vorherige anfühlt.
Wer sich ausführlicher für die Regeln interessiert, findet alle Grundlagen in unserem ersten Artikel. Heute möchten wir stattdessen darüber sprechen, warum uns Dune: Imperium auch Monate später noch so begeistert.
🎲 Warum Dune: Imperium bei uns einziehen musste
Unsere ersten Partien fanden übrigens gar nicht mit unserem eigenen Exemplar statt.
Das Spiel gehörte Marcel und nach einem gemeinsamen Spieleabend blieb Dune: Imperium selbstverständlich auch wieder in der Casa Marcel zurück. Ich durfte lediglich die Regeln vorbereiten und erklären.
Als sich einige Zeit später die Gelegenheit ergab, selbst ein Exemplar zu kaufen, musste ich nicht lange überlegen. Mir war schon nach diesen ersten Partien klar: Dieses Spiel passt einfach perfekt zu unserer Redaktion.
Warum? Weil hier gleich mehrere Dinge zusammenkommen, die wir ohnehin gerne spielen.
Deckbuilding gehört schon lange zu unseren Lieblingsmechaniken. Dominion hat auch bei uns zahlreiche Partien gesehen. Dies schon zu Studienzeiten und insbesondere mit Anne. Und auch Aeon’s End landet regelmäßig auf dem Tisch. (Und wir besitzen die Legacy und die ursprüngliche Variante)
Worker Placement dagegen ist spätestens seit vielen anderen Titeln eine Mechanik, bei der insbesondere Josef immer wieder seine Stärken ausspielt.
Und dann ist da natürlich noch das Thema. Seit Terraforming Mars haben Josef und ich eine gewisse Schwäche für Science-Fiction-Szenarien entwickelt. Maja wiederum konnte zuletzt vor allem Anno 1800 begeistern. Dune: Imperium verbindet von all diesen Spielen ein Stück weit etwas miteinander.
Eigentlich fehlte nur noch eines: Zeit.
Deshalb dauerte es einige Monate, bis unser eigenes Exemplar endlich auf den Tisch kam. Und da ging es dann recht schnell: Trotz der vielen Möglichkeiten im Spiel vergingen vom Öffnen der Schachtel bis zum ersten Zug kaum fünfzehn Minuten. Material ausstanzen, kurz die Regeln erklären, aufbauen und schon waren wir mitten auf Arrakis.
Das spricht für das erstaunlich zugängliches Regelwerk. Dune: Imperium ist sicherlich kein Familienspiel, aber eines dieser Kennerspiele, die deutlich weniger Einstiegshürde besitzen, als ihr Ruf zunächst vermuten lässt.
Der Spielaufbau vor der ersten Runde – erstaunlich schnell erklärt und aufgebaut.
🧰 Ein kleiner Kritikpunkt bleibt
Wenn ich dem Spiel dennoch einen kleinen Wunsch mit auf den Weg geben dürfte, dann wäre es ein besseres Insert.
Die Schachtel erfüllt ihren Zweck, aber nach ein paar Partien fliegen Karten, Marker und Ressourcen doch etwas zu ungeordnet durch die Box. Das kostet beim Auf- und Abbau jedes Mal ein paar unnötige Minuten.
Zum Glück lässt sich dieses Problem auf Hügelzelter-Art lösen.
Nach dem Urlaub dürfte sich mein 3D-Drucker wohl um eine passende Lösung kümmern.
Vielleicht wird daraus ja sogar noch ein kleiner Folgeartikel.
🧪 Unsere Urlaubsrunde
Diesmal stand Dune: Imperium zum ersten Mal mit der Hügelzelter-Redaktion auf dem Tisch.
Mit dabei waren Maja, Josef und ich.
Schon nach wenigen Zügen wurde klar, dass diese Partie anders verlaufen würde als unsere ersten Runden bei Marcel.
Ich selbst fühlte mich eigentlich gut aufgestellt. Meine Spice-Produktion lief ordentlich, ich hatte genügend Optionen für die kommenden Runden und hoffte, im Endspiel noch einmal entscheidend angreifen zu können.
Doch Josef hatte andere Pläne.
Vor allem die Intrigenkarten entschieden die Partie deutlich. Im perfekten Moment ausgespielt, machten sie aus einer ohnehin guten Ausgangslage einen am Ende überraschend klaren Sieg.
Bis heute frage ich mich ehrlich gesagt, woher er eigentlich all die Solari genommen hat. Mit meinen gut gefüllten Spice-Vorräten fühlte ich mich bestens vorbereitet; anscheinend lassen sich mit Spice nicht alle Probleme lösen.
Man muss eben auch mal verlieren können.
Oder zumindest so tun, als würde man die Niederlage gelassen hinnehmen.Das Ergebnis können wir so natürlich trotzdem nicht stehen lassen. Dune: Imperium begleitet uns schließlich nicht ohne Grund durch den Urlaub. Arrakis wird uns in den nächsten Tagen mit ziemlicher Sicherheit noch einmal wiedersehen, wenn nicht in Österreich, dann vielleicht in Kroatien.
Der Spielstand kurz vor Schluss – Josef auf dem Weg zum verdienten Sieg.
💬 Stimmen aus der Redaktion
👦 Josef
“Worker Placement ist einfach genau mein Ding. Und wenn dann noch Deckbuilding dazukommt, wird’s richtig gut. Die Intrigenkarten haben diesmal perfekt funktioniert.”
👧 Maja
“Mir gefällt, dass jede Partie anders verläuft. Obwohl alle auf dieselben zehn Siegpunkte spielen, fühlt sich keine Runde gleich an. Man muss sich immer wieder auf neue Situationen einstellen.”
👨 Hendrik
“Mittlerweile verstehe ich noch besser, warum Dune: Imperium dauerhaft ganz oben bei BoardGameGeek steht. Es ist eines dieser Spiele, die mit jeder Partie eher besser als schlechter werden.”
Detailaufnahme des Spielmaterials mit Karten, Agenten und Ressourcen.
📊 Ein moderner Klassiker
Spätestens ein Blick auf BoardGameGeek zeigt, welchen Stellenwert Dune: Imperium inzwischen erreicht hat.
Als wir unseren ersten Artikel geschrieben haben, gehörte das Spiel bereits zur absoluten Weltspitze. Inzwischen konnte es sich sogar noch einmal verbessern.
Aktuelle Platzierungen
🌍 Platz 6 der besten Brettspiele weltweit
🧠 Platz 7 der Strategiespiele
⭐ 8,4 von 10 Punkten
👥 Rund 59.000 Bewertungen
💬 Mehr als 7.700 Kommentare
Auf den ersten Blick wirkt es etwas seltsam, dass Dune: Imperium im Gesamtranking sogar einen Platz vor seiner Platzierung in der Strategie-Kategorie geführt wird. Der Grund ist allerdings recht einfach: BoardGameGeek berechnet die verschiedenen Ranglisten unabhängig voneinander. Die Werte lassen sich deshalb nicht eins zu eins miteinander vergleichen.
Viel beeindruckender finden wir ohnehin etwas anderes:
Ein Spiel kurz nach seinem Erscheinen hoch zu bewerten, ist das eine. Über Jahre hinweg in den Top 10 zu bleiben und dabei von fast 60.000 Spielern bewertet zu werden, schaffen dagegen nur echte Ausnahmeerscheinungen.
Nach unseren inzwischen mehreren Partien können wir dieses Ergebnis jedenfalls sehr gut nachvollziehen.
Für mich persönlich ist Dune: Imperium inzwischen ein modernes Meisterwerk.
Es verbindet zwei meiner liebsten Spielmechaniken so elegant, dass sich jede Partie frisch anfühlt. Gleichzeitig gelingt es dem Spiel, das Dune-Universum hervorragend einzufangen, ohne sich in unzähligen Sonderregeln oder unnötiger Komplexität zu verlieren. Das Thema ist jederzeit präsent, drängt sich aber nie in den Vordergrund.
Vielleicht ist genau das die größte Stärke des Spiels.
Es möchte gar nicht jede Szene aus den Filmen oder jedes Detail der Romane simulieren. Stattdessen nimmt es die wichtigsten Elemente des Dune-Universums: Spice, Intrigen, Fraktionen, Konflikte und Machtkämpfe und macht daraus ein außergewöhnlich gutes Kennerspiel.
Dass ich diesmal gegen Josef verloren habe, ändert daran überhaupt nicht
Im Gegenteil. Gute Strategiespiele erkennt man oft daran, dass man nach einer Niederlage sofort die nächste Partie spielen möchte.
Genau dieses Gefühl hatte ich, als wir die Karten wieder in die Schachtel gelegt haben.
👨👧👦 Gemeinsame Wertung der Hügelzelter-Redaktion
⭐ 4,5 von 5 Meeples
Dune: Imperium gehört für uns zu den stärksten Kennerspielen der vergangenen Jahre.
Die Mischung aus Deckbuilding und Worker Placement funktioniert hervorragend, jede Partie entwickelt ihre eigene Dynamik und selbst nach mehreren Monaten entdecken wir immer wieder neue Strategien und Kombinationen.
Dass Josef unsere Urlaubsrunde so deutlich gewinnen konnte, zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Wege zum Sieg sein können. Genau das sorgt dafür, dass sich keine Partie wie eine Wiederholung anfühlt.
Einen kleinen Kritikpunkt gibt es dennoch.
Ein besseres Insert hätte dem Spiel gutgetan. Nach mehreren Partien wird die Schachtel doch etwas unübersichtlich. Dieses Problem dürfte sich allerdings schon bald erledigt haben – spätestens wenn der 3D-Drucker nach dem Urlaub seine Arbeit aufnimmt.
Ansonsten bleibt eigentlich nur eine Erkenntnis: Das hervorragende Rating auf BoardGameGeek kommt nicht von ungefähr.
Dune: Imperium gehört völlig zu Recht zu den besten Brettspielen der vergangenen Jahre und hat sich seinen Platz in den weltweiten Top 10 redlich verdient.
Und eines steht schon jetzt fest:
Diese Niederlage gegen Josef bleibt nicht lange bestehen.
Dune: Imperium begleitet uns schließlich nicht ohne Grund durch unseren Urlaub. Arrakis wird uns mit ziemlicher Sicherheit schon in den nächsten Tagen wiedersehen.
📌 Unser Gesamturteil
Kategorie
Wertung
🎓 Zugänglichkeit
🟢 Erstaunlich hoch für ein Kennerspiel
⚔️ Interaktion
🟢 Sehr hoch
🧠 Strategie
🟢 Sehr hoch
🔁 Wiederspielwert
🟢 Extrem hoch
🎨 Material
🟡 gut – mit Luft nach oben beim Insert. Ansonsten Euro-typisch
Gemeinsame Wertung der Hügelzelter-Redaktion: ⭐⭐⭐⭐½ (4,5/5 Meeples)
Hinweis: Sobald unser 3D-Drucker ein passendes Insert für Dune: Imperium ausgespuckt hat – und vermutlich auch, wenn Dune: Imperium – Uprising bei uns eingezogen ist – wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Fortsetzung zu diesem Artikel geben. Arrakis lässt einen eben nicht so schnell wieder los.
PS: Eigentlich wollte ich nach diesem Artikel nur noch die Bilder sortieren. Stattdessen werde ich vermutlich erst einmal nach dem LEGO-Ornithopter suchen. Irgendwie fehlt der in meiner Sammlung inzwischen doch ziemlich offensichtlich.
Schickes 4X im Schnelldurchlauf – richtig hübsch, aber mit einer ordentlichen Prise Glück
🧭 Übersicht
Gestolpert sind wir über Last Light im Discord zum Podcast „The Board Game Theory“ (BGT). Dort bot jemand aus Bocholt, genauer gesagt aus Biemenhorst, also quasi um die Ecke, eine besonders schicke Variante an: die Deluxe-Version inklusive der Infinity-Erweiterung, der Promo „Golden Planet“, zusätzlichen Völkern und allem zusammen in einer Box mit 3D-gedrucktem Insert. Für 110 € inklusive Versand.
Schon die Bilder zum Material sahen ausgesprochen wertig aus, und so konnte ich im Dezember 2025 nicht daran vorbeigehen. Besonders die kleinen, haptischen Planeten in ihren verschiedenen Farbschattierungen hatten es mir sofort angetan. Davon abgesehen mögen wir 4X-Spiele ohnehin sehr gern, spätestens seit unseren Partien in Voidfall. Und Last Light versprach das genaue Gegenteil von epischer Länge: ein schnelles, kurzes 4X-Erlebnis.
Auf BoardGameGeek steht das Spiel bei einem Rating von 7,3 und einem Weight von 2,78 – also ein vergleichsweise leichtgewichtiger Vertreter seines Genres, der in der Szene aber durchaus seinen Platz hat.
Auf den Tisch kam es bei uns dann allerdings erst im Mai 2026 – unser Backlog ist eben doch recht lang.
📦 Was haben wir hier eigentlich auf dem Tisch?
Bei uns landete nicht die schlichte Retail-Ausgabe, sondern eine üppig ausgestattete Deluxe-Variante. Mit dabei waren unter anderem:
die Infinity-Erweiterung mit zusätzlichen Völkern
die Promo „Golden Planet“
die haptischen 3D-Planeten in verschiedenen Farbschattierungen
ein passgenaues, 3D-gedrucktes Insert
alles gebündelt in einer Box
Die erwartete Haptik war voll und ganz gegeben. Die rotierenden Rundplatten des Spielbretts verändern nach jeder Runde zwar planbar, aber doch merklich die Situation im All – gepaart mit den hübschen Planeten macht das direkt eine tolle Tischpräsenz her.
🌌 Worum geht es in Last Light?
Das Universum liegt im Sterben. Kurz vor dem Wärmetod machen sich verschiedene Alien-Völker auf den Weg zum letzten Weißen Zwerg, um dessen Licht für das eigene Überleben einzusammeln. Wer zuerst 20 Licht zusammenhat, gewinnt.
Das Herzstück ist ein rotierendes Spielbrett: Jede Runde wählen alle gleichzeitig eine Aktionskarte und führen ihre Züge dann (nahezu) simultan aus – erkunden, Rohstoffe abbauen, Technologien erforschen und Flotten kommandieren. Anschließend dreht sich das Brett ein Stück weiter, wodurch sich die Lage im „Weltall“ verändert. Last Light will damit ein echtes 4X-Gefühl liefern, aber in deutlich kürzerer Zeit als die großen Genrevertreter.
👥 Unsere Partien
Gespielt haben wir zu dritt – mit Josef und Maja. Das Regelheft war (irgendwie passend zur Spielzeit) schnell gelesen, und ich konnte die Regeln den beiden direkt beibringen. Alles keine komplexe Geschichte.
Die kurze Spieldauer ergibt sich auch daraus, dass alle gleichzeitig (oder fast immer gleichzeitig) ihren Zug ausführen und die Interaktion untereinander in etwa fünf von sechs Fällen recht übersichtlich bleibt.
Für mich liefen die Partien allesamt sehr glücklich – und das meine ich durchaus wörtlich. Denn ein wenig Glück ist im Spiel, je nachdem, was man im tiefen Raum oder bei den Planeten beim Erstbesuch entdeckt. Eine der möglichen Belohnungen ist es, eine seiner Aktionskarten zurückzuerhalten. Dasselbe lässt sich auch über eine (zufällig gezogene) Forschung erreichen.
Aus unserer Sicht sind beides sehr mächtige Funktionen, die einen großen Vorteil verschaffen können. In einer Partie wurde bei mir direkt beides ausgelöst – mit dem Ergebnis, dass ich die nötigen Zielpunkte schon in der zweiten Runde erreicht hatte. Deutlich schneller als alle anderen, weil ich nahezu konkurrenzlos im Raum stand.
Den anderen beiden hat das Spiel – sicher auch, weil es sich an dieser Stelle etwas unausbalanciert anfühlt – nicht ganz so gut gefallen.
🧠 Einstieg, Lernkurve und Spielgefühl
Der Einstieg ist angenehm niedrig. Das Regelwerk ist überschaubar, schnell erklärt und auch für jüngere Mitspielende gut zugänglich. Hier muss niemand erst einen Regelabend überstehen, bevor es losgeht.
Im Gegenzug sollte man wissen, worauf man sich einlässt: Last Light ist ein leichtgewichtiges 4X. Die taktische Tiefe der großen Brocken des Genres erreicht es bewusst nicht – dafür ist man eben in unter einer Stunde durch.
⚡ Tempo und Glück: Der große Reiz und gleichzeitig unser größtes Manko
Genau hier liegt für uns die Stärke des Spiels: das Tempo. Schnell erklärt, schnell gespielt, schicke Tischpräsenz, kaum Wartezeit dank der simultanen Züge. Wer ein 4X-Gefühl für zwischendurch sucht, bekommt hier genau das.
Gleichzeitig ist das auch der Punkt, an dem es bei uns hakt. Der Glücksfaktor bei den Entdeckungen im tiefen Raum und beim Erstbesuch der Planeten kann – in Kombination mit den sehr starken „Aktionskarte zurück“-Effekten – zu Partien führen, die sich nicht ganz ausgewogen anfühlen. Wenn beides zusammenkommt, ist das Rennen mitunter früher entschieden, als allen lieb ist.
🗣️ Stimmen aus der Runde
Hendrik: „Das Tempo und die Optik haben mich sofort abgeholt – ein 4X in unter einer Stunde, das auf dem Tisch was hermacht, ist genau mein Ding. In einer Partie ist mir allerdings direkt beides um die Ohren geflogen: Aktionskarte zurück über die Belohnung und noch einmal über die Forschung. Da war ich nach zwei Runden durch. Spannend ist das dann eher für mich als für den Rest.“
Josef: „Ich finde es stark, wenn man Karten zurückbekommt, aber nicht alle Boni sind gleich gut. Sonst aber eine schöne Spielmechanik.“
Maja: „Die Optik und das Material finde ich richtig spannend gestaltet – das macht schon was her. Nur fühlt sich das Spiel für mich einfach nicht gut ausbalanciert an.“
⭐ Unsere Bewertung ⭐
Zugänglichkeit: 🟢 Hoch Regeln schnell erklärt, niedriger Einstieg, auch für jüngere Mitspielende geeignet.
Tiefe: 🟡 Mittel Bewusst leichtgewichtiges 4X – eher taktisch und flott als tief-strategisch.
Interaktion: 🟡 Mittel Durch die simultanen Züge bleibt die direkte Interaktion in den meisten Fällen übersichtlich.
Downtime: 🟢 Gering Dank gleichzeitiger Züge gibt es kaum Wartezeit – ein klarer Pluspunkt.
Spielspaß: 🟡 Gut Schnell und schick, aber das Glücks- und Balancegefühl trübt den Spaß für einen Teil der Runde.
Wiederspielwert: 🟡 Mittel Variable Völker, Brett und Technologien sprechen dafür, der Glücksfaktor dagegen.
❣️ Gesamtbewertung
👉 3 von 5
Last Light ist ein optisch toller, herrlich schneller Einstieg ins 4X-Genre, der genau das liefert, was er verspricht: ein Raumfahrt-Erlebnis in unter einer Stunde, mit starker Tischpräsenz und niedriger Einstiegshürde.
Warum keine 4? Weil der Glücksfaktor in Kombination mit den sehr mächtigen „Aktionskarte zurück“-Effekten zu unausgewogenen Partien führen kann. Höre ich auf meine Koautoren Josef und Maja, müsste ich deshalb sogar eher eine 2,5 vergeben.
Warum keine 2? Weil das Spiel sein Kernversprechen – schnelles, schickes 4X – wirklich einlöst. Tempo, Material und Zugänglichkeit stimmen, und für die richtige Runde ist das genau das Richtige.
Und sonst?
Gerade in dieser Deluxe-Ausstattung macht das Material ordentlich etwas her. Die haptischen Planeten, die rotierenden Rundplatten und das passgenaue 3D-gedruckte Insert sorgen dafür, dass das Spiel auch optisch und beim Aufbau Eindruck hinterlässt.
Mit der Infinity-Erweiterung und den zusätzlichen Völkern liegt zudem noch reichlich ungenutztes Potenzial in der Box.
Fazit und Ausblick
Für 4X-Fans, die zwischendurch eine schnelle Galaxie-Eroberung suchen, ist Last Light einen Blick wert. Wer ein durchbalanciertes, planbares Strategieerlebnis erwartet, sollte den Zufall im tiefen Raum allerdings einkalkulieren.
Was bei uns noch aussteht: eine Partie in größerer Besetzung sowie ein Ausflug in die zusätzlichen Völker der Infinity-Erweiterung. Beides reichen wir nach, sobald es soweit ist.
ℹ️ Spieleinfos (BGG)
Name: Last Light (2023)
Designer: Roy Cannaday
Illustrationen: Jose David Lanza Cebrian, Clark Miller, Christian Strain