Zwei Tage, ein Brettspielblog und viel Merch
20 Meter nach unten statt Opening Night Live
Meine erste gamescom begann mit einem Versäumnis. Für die Opening Night Live hatte ich mir nicht rechtzeitig ein Ticket besorgt, und als ich mich endlich darum kümmerte, waren sowohl die regulären Karten als auch die gesonderten Presseplätze längst vergeben. Die normale Akkreditierung allein reicht dafür nämlich nicht. Damit steht dieser Punkt jetzt ziemlich weit oben auf der Liste für nächstes Jahr.
Der Abend war trotzdem nicht verloren, er fiel nur deutlich nasser aus als geplant. Statt Bombast bei der ONL ging es nach Bonn zu Dive4Life, und dort in ein 20 Meter tiefes Becken. Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass Freitauchen mit Marcel bei uns immer mal wieder Thema ist. An diesem Abend kam ein kleiner persönlicher Rekord dazu: einmal komplett bis nach unten, dort kurz hingesetzt, in Ruhe umgeschaut, wieder hoch. 20 Meter waren für mich Premiere. Als Ersatzprogramm für eine Show, die ich verpasst hatte, kann man das durchaus gelten lassen.
[BILD: Dive4Life / Tauchbecken]

Zwei Tage, die kaum unterschiedlicher hätten sein können
Auf der Messe selbst war ich anschließend an zwei Tagen, und die hatten wenig miteinander zu tun.
Der erste war der Mittwoch, also der Media- und Fachbesuchertag. Ich war allein unterwegs, ohne Plan, ohne Zeitfenster, ohne Vorstellung davon, was mich eigentlich erwartet. Passenderweise begann dieser Tag auch nicht mit Spielen, sondern mit einer Videokonferenz: Laptop auf im Pressezentrum, Kopfhörer rein, arbeiten. Erst gegen elf Uhr konnte ich den Rechner zuklappen und wirklich losziehen. Was danach folgte, war vor allem staunen, laufen und mich treiben lassen. Ich habe an diesem Tag deutlich mehr gesehen als ausprobiert.
Der zweite Tag war der Sonntag, für die gamescom also Tag fünf, für mich erst Tag zwei. Diesmal war Maja dabei, für die es der erste Messetag war. Und plötzlich sah alles anders aus: Wir hatten ein Ziel für neun Uhr, eine grobe Reihenfolge, klare Interessen und mit meinem Vorwissen aus dem Mittwoch auch eine Idee davon, welche Wege sich lohnen. Dafür waren die Hallen voller, die Schlangen länger und die Auswahl entsprechend härter.
Planlos und überrolt gegen gezielt und zu zweit. Beides hatte seinen Reiz, und ehrlich gesagt hätte ich auf keinen der beiden Tage verzichten wollen.

Durch die Hallen: erste Eindrücke
Halle 8 war vielleicht der falsche Einstieg
Meinen ersten Schritt auf die Messe machte ich in Halle 8, und rückblickend war das nicht der klügste Ort, um sich langsam an eine gamescom heranzutasten. Langsam war hier nämlich überhaupt nichts. Standflächen in der Größe eines Einfamilienhauses, Displays, auf denen man den Vorspann eines Kinofilms hätte zeigen können, Figuren, Fahrzeuge, Bühnen und zwischen all dem sehr, sehr viele Menschen. Ich habe die erste Stunde im Grunde nur geschaut.
Und mich fotografieren lassen. Auf einem Motorrad, das nirgendwohin fuhr. Neben Geralt von Riva, der freundlicherweise stillhielt. Man kann sich dagegen wehren, aber warum eigentlich.
Nebenbei gab es an dieser Stelle tatsächlich Neuigkeiten: CD Projekt Red hatte zur Messe nicht nur eine überarbeitete Fassung von The Witcher 3 angekündigt, sondern auch die kommende Erweiterung Songs of the Past näher vorgestellt. Ein paar Meter weiter war Lara Croft auf dem Weg nach Atlantis unterwegs. Auch so ein Moment, in dem man einfach stehen bleibt.


Wo bleibt man eigentlich stehen?
Danach habe ich die Hallen 7, 6 und 9 eher durchquert als besucht. Und genau hier lag meine größte Schwierigkeit am ersten Tag: Wenn hinter jeder Ecke wieder ein gigantischer Stand, eine neue Ankündigung oder irgendeine völlig überdimensionierte Figur wartet, wird die Frage „Wo bleibe ich stehen?“ überraschend anstrengend. Man kann nicht überall anhalten, und wer sich das nicht eingesteht, steht am Ende des Tages immer noch in derselben Halle.
Irgendwann habe ich aufgehört, das lösen zu wollen, und mich einfach treiben lassen. Das war vermutlich die richtige Entscheidung, auch wenn es sich anfangs wie Kapitulation anfühlte.
Einen kurzen Blick habe ich außerdem in die Business Area geworfen, die nicht bei den großen Publikumshallen liegt, sondern etwas abseits. Kontakte habe ich dort keine geknüpft, das war für diesen ersten Besuch ehrlich gesagt auch gar nicht mein Anspruch. Ich wollte vor allem sehen, wie sich dieser Teil der Messe anfühlt: deutlich ruhiger, deutlich geschäftsmäßiger und ungefähr so weit vom Bombast in Halle 8 entfernt, wie es auf einem Gelände möglich ist.
Halle 5: Lootboxen funktionieren im echten Leben leider hervorragend
In den Ebenen 5.1 und 5.2 verschiebt sich das gamescom-Gefühl noch einmal komplett. Unten das Cosplay Village, oben Reihe um Reihe Merchandise, dazwischen Anime, Fanartikel, Künstlerinnen und Künstler und sehr viele Dinge, von denen man vorher nicht wusste, dass man sie haben möchte.
Und immer wieder: Lootboxen.
Das ist insofern absurd, als ich Lootboxen in Spielen für eine ziemlich zweifelhafte Erfindung halte. Zufallsgenerator gegen Geld, mit allem, was da an Mechanik dranhängt. Stellt mir aber im echten Leben eine Überraschungsbox hin, und irgendein Teil meines Gehirns fragt sofort: Was da wohl drin ist?
Enttäuscht wurde ich bislang tatsächlich nie. Was allerdings nicht dasselbe ist wie: gebraucht hätte ich es. Ich brauche keinen Minecraft-Topflappen. Ich brauche vermutlich auch keine weitere Guardians-of-the-Galaxy-Minifigur. Und mein Leben wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ohne zusätzliches Star-Wars-Kissen vollständig. Mein Regal wäre mir sogar ausgesprochen dankbar.
Maja sieht das nüchterner. Als wir am Sonntag am Stand von Where Winds Meet vorbeikamen und ich mit der Idee liebäugelte, mich für ein Werbegeschenk anzustellen, kam ihr Kommentar prompt: „Anstehen nur für Merch für Papa? Irgendwie Quatsch.“
Sie hat natürlich recht. Ich habe mich trotzdem angestellt.

Codes, Rätsel und ein sehr ratloser Bellwright-Eindruck
Ein Stand hat uns am zweiten Tag deutlich länger festgehalten als geplant, nämlich der von Snail Games. Dort musste man an verschiedenen Stellen Codes einsammeln und daraus ein Dechiffrierrätsel lösen. Für ein Brettspielblog ist das ungefähr die freundlichste Art, jemanden anzusprechen. Wir haben natürlich mitgemacht.
Die Belohnung war, wie sollte es anders sein, ein T-Shirt. Dazu will ich nach dem Absatz oben nichts mehr sagen.
Am selben Stand habe ich dann Bellwright angespielt, und die knapp fünfzehn Minuten haben mich vor allem mit einer Frage zurückgelassen: Was möchtest du eigentlich sein? Auf den ersten Blick wirkte einiges wie ein Open-World-Rollenspiel, allerdings sichtbar weniger poliert. Vor allem auf dem Pferd bin ich gefühlt an jedem zweiten Objekt hängen geblieben. Dann tauchten plötzlich Aufbau- und Managementelemente auf: Ställe errichten, Farmer beschäftigen, das eigene Dorf entwickeln. Und zwischendurch überfiel uns eine Gruppe Diebe, die ich immerhin erfolgreich abwehren konnte.
Rollenspiel, Survival, Aufbauspiel? Vermutlich von allem etwas. Nach einer Viertelstunde wusste ich jedenfalls noch nicht, ob diese Mischung für mich funktioniert. Das muss nichts heißen, ein Spiel dieser Art braucht wahrscheinlich schlicht mehr Zeit, als eine Messedemo bieten kann. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich sie ihm geben würde.

Halle 10: kleinere Stände, größere Ideen
Am spannendsten wurde es für mich dort, wo die Standflächen wieder schrumpfen. In Halle 10.1 lag unter anderem der Jobs-und-Karriere-Bereich mit heise, in Halle 10.2 die große Indie Area.
Hier ist alles eine Nummer kleiner: die Stände, die Budgets, oft auch die Spiele. Dafür steht mit hoher Wahrscheinlichkeit jemand hinter dem Tresen, der das Spiel tatsächlich gebaut hat. Die Gespräche werden dadurch sofort persönlicher, und man bekommt Dinge erklärt, statt sie nur vorgeführt zu bekommen.
In dieser Ecke bin ich außerdem Dom Schott über den Weg gelaufen und habe kurz Hallo gesagt. Ich höre „Auf ein Bier von Gamespodcast.de“, in der Community meist nur „The Pod“ genannt, seit 2019. Was mir daran gefällt, ist die Perspektive: Es geht dort eben nicht nur um Wertungen und Rezensionen, sondern um das Medium insgesamt, um die Menschen, die Spiele bauen, um Arbeitsbedingungen, Entwicklung und Kunst. Dom Schott macht daneben mit OK COOL noch seinen eigenen Podcast, der in eine ähnliche Richtung geht.
Es blieb bei zwei, drei Sätzen, aber die musste ich loswerden. Ich finde den Podcast gut, ich finde seine Haltung gut, und ich habe ihm das gesagt. Man freut sich ja selbst über Lob, also sollte man es auch verteilen, wenn man schon die Gelegenheit dazu hat.
Ansonsten lagen genau hier am Ende zwei meiner größten Überraschungen. Dazu gleich mehr.

Meine Highlights
Drei Spiele haben sich bei mir festgesetzt, und interessanterweise aus drei völlig unterschiedlichen Gründen.
Gate Zero
Mein spannendster Fund des ersten Tages stand in Halle 10.1, an einem Stand, wie er unauffälliger kaum sein könnte. Gate Zero ist ein Action-Adventure, das die Spielenden ins Israel des ersten Jahrhunderts versetzt. Historische Orte wie Kapernaum und Jerusalem sollen dabei so glaubwürdig wie möglich dargestellt werden, und die gamescom war die erste Messe, auf der das Spiel mit einem öffentlich zugänglichen Stand und einer neuen Demo vertreten war.
Was hier zusammenkam, war ziemlich genau die Mischung, wegen der ich Halle 10 überhaupt so gemocht habe: Der Kontakt am Stand war ausgesprochen freundlich, ich durfte die Demo komplett durchspielen, und niemand stand mit der Stoppuhr daneben.
Spielerisch hat mich das direkt abgeholt. Die Action funktioniert, die Mechaniken greifen ineinander und machen Lust auf mehr. Bei der Geschichte war mein erster Eindruck dagegen eher zurückhaltend. Es ging unter anderem um eine Vater-Sohn-Konstellation, und ich konnte nach der Demo noch nicht abschätzen, wie tief das Spiel an dieser Stelle tatsächlich gehen möchte oder ob die Erzählung am Ende nur Rahmen für die Spielmechanik bleibt. Das muss eine Messedemo aber auch gar nicht leisten.
Wichtig genug war es mir jedenfalls, um am zweiten Tag noch einmal mit Maja hinzugehen. Und sie hat die Demo ebenfalls komplett durchgespielt, was bei der Hallendichte an einem Sonntagnachmittag durchaus etwas heißen will. Ihr Fazit war knapp und eindeutig:
„Habe ich auch durchgezockt, also die Demo. Das müssen wir uns besorgen.“
Damit steht Gate Zero bei uns endgültig auf der Liste. Und ich habe am zweiten Tag noch mal einen Notizblock (Kustledergebunden) bekommen. So bekommt man mich.
Rayman Legends Retold
Auf dieses Spiel hatten wir uns schon vor der Messe gefreut, entsprechend klar war unser Ziel für den zweiten Tag. Wir sind morgens direkt in Halle 6 zu Ubisoft gelaufen und konnten Punkt neun Uhr die erste Runde spielen: zwanzig Minuten, drei unterschiedliche Demolevel, gemeinsam auf einem Sofa.
Genau darum ging es uns. Couch-Coop ist bei uns keine Nische, sondern der Normalfall. Spiele, die wir zu zweit oder zu dritt nebeneinander spielen können, statt jeder für sich vor einem eigenen Bildschirm, haben es bei uns grundsätzlich leichter. Davon dürfte es deutlich mehr geben.
Das Remake gehört zu den größeren Neuankündigungen der Messe und soll bereits am 1. Oktober erscheinen, was die Vorfreude nicht gerade dämpft. Maja hat die Sache direkt praktisch betrachtet:
„Da müssen wir einsteigen. Gut, dass die Switch 1 und 2 schon zu Hause sind.“
Dem ist wenig hinzuzufügen. Wir haben zwanzig Minuten lang gelacht und uns durch die Spielmechanik gekäpft, wobei diese in allen drei Demoleveln unterschiedlich war. Fazit: Ich muss etas mehr üben…


1001 Threads of Mizan
Das dritte Highlight ist das mit dem größten Fragezeichen dahinter, und trotzdem geht es mir seit der Messe nicht mehr aus dem Kopf.
1001 Threads of Mizan ist ein kooperatives Action-Adventure für drei Spielende und war am ersten Tag bei MBC Game Studio in Halle 8 zu sehen. Ich habe mich dafür tatsächlich einmal richtig angestellt, was an diesem Mittwoch die Ausnahme war.
Die Demo hat das eingelöst. Unter anderem durfte ich auf einem fliegenden Teppich Gegner verprügeln, was für sich genommen schon als Kaufargument funktionieren könnte. Vor allem aber sprang bei mir sofort der Gedanke an, der bei uns zu Hause über jedes Spiel entscheidet: Das könnten wir zu dritt spielen.
Am Stand haben sie dann allerdings ganze Arbeit geleistet. Ich bin am ersten Tag mit einer riesigen Merch-Tasche wieder herausgekommen, in der für jeden von uns ein Pin mit einem der Charaktere steckte, dazu ein ausgewachsenes Mousepad. Josef, der an diesem Tag nicht dabei sein konnte, hat seinen Pin am Abend bekommen. Drei Pins für drei Personen, bei einem Spiel für exakt drei Personen: Damit ist die Sache eigentlich entschieden.
Ich weiß natürlich, dass das kein Argument ist. Aber wir haben es hier ja bereits geklärt — ich bin käuflich, und zwar erschreckend günstig.
Maja hat es am Sonntag nur im Vorbeigehen gesehen, ohne selbst zum Controller zu kommen. Ihre Einschätzung fiel trotzdem klar aus:
„Wenn Papa recht hat und es ein Spiel für drei Personen ist, müssen wir das im Blick behalten. Klingt super spannend.“
Genau so würde ich es auch formulieren. Ein kooperatives Abenteuer, das für exakt drei Personen gebaut ist, ist bei einer dreiköpfigen Spielrunde kein Zufall mehr, sondern fast schon eine Einladung. Der Pin liegt jedenfalls schon bereit.
[BILD: 1001 Threads of Mizan]
[BILD: Merch-Tasche / Pins / Mousepad]
Was macht ein Brettspielblog eigentlich auf der gamescom?
Das ist eine berechtigte Frage, und ich habe sie mir auf dem Weg nach Köln selbst gestellt. Die Antwort fiel dann vor Ort deutlich klarer aus als erwartet: Die Grenze zwischen Brettspiel und Videospiel ist inzwischen so durchlässig, dass man sie kaum noch ziehen muss. An gleich mehreren Ständen stand das Brettspiel direkt neben der digitalen Fassung, und in einem Fall war die Reihenfolge sogar umgekehrt.
Heroes of Might and Magic III — und ein Denkfehler
Es gibt Momente, in denen eine Messe kurz zur Erinnerungsmaschine wird. Bei mir war das der Heroes-Stand. Und es gibt Momente, in denen man sich hinterher an den Kopf fasst. Das war, wie sich herausstellte, derselbe Stand.
Ubisoft hatte am Abend zuvor auf der Opening Night Live das Remake von Heroes of Might and Magic III angekündigt – auf jener Veranstaltung, die ich zugunsten eines Tauchbeckens verpasst hatte. Erscheinen soll es 2027, mit einer frei drehbaren 3D-Welt statt der starren Isometrie von damals, dazu 4K, Wetter und Jahreszeiten. Beide Add-ons sind enthalten, neun Fraktionen, Karteneditor, Online-Partien für bis zu acht Spieler. Und, für mich der eigentliche Punkt: ein Hotseat-Modus.
Anspielen hätte ich es können. Ich habe es gelassen.
Der Grund ist so banal wie ärgerlich: Ich hatte schlicht angenommen, dort stehe Heroes of Might and Magic: Olden Era. Das ist der von Unfrozen entwickelte Prolog zur Reihe, der seit April im Early Access ist und ohnehin auf meiner Festplatte liegt. Knapp fünf Stunden stehen dort auf der Uhr, was ehrlicherweise heißt: angefangen, für gut befunden, dann kam etwas dazwischen. Zwei Heroes-Titel innerhalb weniger Monate, beide neu, beide in ähnlicher Optik beworben; ich habe im Vorbeigehen die falsche Schublade aufgezogen und bin weitergelaufen.
Und damit habe ich mir ausgerechnet das Spiel entgehen lassen, an dem für mich am meisten hängt. Denn die Erinnerungen brauchen zwar keine Demo, aber sie hätten eine verdient gehabt: lange Hotseat-Abende in den WGs von Maria, Tim und Esther, ein Rechner, mehrere Leute und immer dieser eine Zug, nach dem angeblich Schluss sein sollte. Später habe ich das Spiel dann mit Josef gespielt, was den Kreis auf angenehme Weise schließt. Dass ausgerechnet der Hotseat-Modus im Remake wieder dabei ist, halte ich deshalb für keine Kleinigkeit.
Lehre für das nächste Mal: einmal nachfragen kostet nichts. Auf einer Messe mit über tausend Ausstellern reicht ein flüchtiger Blick auf ein Logo eben nicht.
Umso schöner, dass direkt daneben die Brettspielumsetzung stand und die ist tatsächlich Teil III, nicht Olden Era. Sie steht bei uns schon eine Weile im Regal [LINK: Heroes-Brettspiel-Test]. Passenderweise wartete zu Hause noch die große Erweiterungsbox aus der zweiten Gamefound-Kampagne darauf, ausgepackt zu werden.
Was Josef und ich am Abend nach dem ersten Messetag gemacht haben, dürfte damit absehbar sein. Die Box war offen, bevor ich die Schuhe ausgezogen hatte. Wir wollten sogar noch eine Partie anfangen, haben dann aber auf die Uhr gesehen und die Sache vertagt. Manchmal gewinnt die Vernunft. Am Nachmittag hatte sie eindeutig Pause.
Star Squadrons
Der spannendste Fund für ein Brettspielblog stand in der Indie Area in Halle 10.2, bei Indies Stand Together. Star Squadrons ist ein taktisches Sci-Fi-Sammelkartenspiel, das derzeit als frühe Alpha direkt im Browser gespielt werden kann; eine Steam-Version mit Crossplay ist ebenfalls geplant.
Interessant finde ich vor allem die Richtung dahinter. Die digitale Fassung soll Menschen an das Spiel heranführen. Parallel wird das physische Sammelkartenspiel weiterentwickelt und soll erneut über Kickstarter finanziert werden. Perspektivisch denkt das Team sogar über eine Erweiterung Richtung Tabletop nach. Digitales Spiel, Kartenspiel, Tabletop: Mit dieser Kombination rennt man bei unserer Redaktion normalerweise offene Türen ein.
Maja war deutlich zurückhaltender:
„Wir können Star Squadrons gern mal testen. Aber Trading Card Games mit Suchtfaktor sind mir eigentlich zu nah an Lootboxen. Ich bin skeptisch.“
Sie hat damit einen Punkt, den ich beim Zuhören lieber nicht so scharf gehabt hätte. Ein Sammelkartenspiel lebt vom Nachkaufen, vom Booster, vom nächsten Päckchen, und der Unterschied zur Lootbox ist am Ende vor allem der, dass die Karten anschließend physisch auf dem Tisch liegen. Ob das ein prinzipieller Unterschied ist oder nur ein angenehmerer, kann ich ehrlich gesagt nicht sicher sagen.
Und wenn wir schon dabei sind, kann ich mir das Urteil gleich selbst sprechen. In meinem Crowdfunding-Tracker stehen aktuell 99 Projekte. Neunundneunzig. Wer bei einer Kampagne wegen eines exklusiven Stretch Goals zwei Stunden vor Ende doch noch auf „Pledge“ klickt, sollte über den Suchtfaktor bei anderen vielleicht nicht allzu laut reden.
Star Squadrons behalte ich trotzdem im Auge, und zwar genau wegen des Konzepts dahinter. Über den Rest reden wir dann, wenn die Kampagne läuft. Vermutlich mit Maja daneben.
Onitama, Compile und ein Mitbringsel für Josef
Natürlich führte der Weg an beiden Tagen durch Halle 5, und natürlich blieb es nicht bei Überraschungsboxen. Zwischen Merch, Cosplay-Zubehör und mehr Würfeln, als ein Mensch in einem Leben braucht, stehen dort auch etliche Brettspielhändler.
Zwei Erweiterungen sind mit nach Hause gekommen: eine für Onitama und eine für Compile [LINK: Compile-Test]. Compile 2 hätte ich ebenfalls gerne mitgenommen, das war allerdings ausverkauft. Man bekommt offenbar selbst auf der gamescom nicht alles.
Am schönsten war daran ohnehin etwas anderes. Josef konnte an diesem Tag nicht mit, und beide Erweiterungen passen ziemlich genau zu dem, was wir zu dritt am Tisch spielen. Ein Mitbringsel, das nicht nur nett gemeint ist, sondern tatsächlich benutzt wird, ist deutlich mehr wert als das zwölfte T-Shirt.
Womit ich mir also vorwerfen lassen muss, dass ich in Halle 5 offenbar doch vernünftige Entscheidungen treffen kann. Zumindest an guten Tagen.

Alles Weitere in der Übersicht
| Spiel | Wo & wann | Kurzurteil | Auf der Liste? |
|---|---|---|---|
| Counter-Strike 2 | Tag 1, Halle 8 | Erster PC des Tages, einmal warmspielen. Unser Training am Dienstag hatte ich schließlich verpasst. | Läuft ohnehin |
| Crimson Desert | Tag 1, Samsung, Halle 9 | Liegt bei mir auf der Platte, weit bin ich nicht. Die Demo-Figur war deutlich weiter und hatte einen Drachen als Reittier. Fühlte sich vertraut und fremd zugleich an. | Weiterspielen |
| Call of Duty | Tag 1, Halle 9 | Team Deathmatch gewonnen, zugegeben mit starkem Team. Belohnung: T-Shirt. Sieg ist Sieg. | Nein |
| Fruit Ninja (Google Play) | Tag 1 | Eine Runde gespielt, 100 Store-Credits kassiert, kurz gefragt warum. Mobile ist einfach nicht meine Spielewelt. | Nein |
| Bellwright | Tag 2, Snail Games | Rollenspiel, Survival und Aufbauspiel gleichzeitig. Nach 15 Minuten war ich vor allem ratlos. Ausführlich weiter oben. | Unentschieden |
| Honeycomb: The World Beyond | Tag 2, Snail Games | Survival-Crafting auf einem fremden Planeten. Sehr cozy, für meinen Geschmack fast zu niedlich. Könnte trotzdem etwas für uns gemeinsam sein. | Beobachten |
| Silver Palace | Tag 2 | Action-RPG mit Ermittlungen, Rätseln und Echtzeitkämpfen. Jeder an einem eigenen Rechner. Maja: „Ich mag ja den Detektiv-Anteil, aber Manga ist optisch doch etwas cringe.“ | Beobachten |
| TARAE: The Unbound | Tag 2, später Nachmittag | Eastern Dark Fantasy, sechs Klassen, wir haben je eine ausprobiert und waren beide angetan. Hatte allerdings einen unfairen Vorteil: Wir konnten sitzen. | Beobachten |
| Where Winds Meet | Tag 2 | Nur die Minispiele am Rand des Standes, kein Gameplay gesehen. Angestellt haben wir uns trotzdem – für Merch. Siehe oben. | Kein Urteil möglich |
| Valheim | Tag 2 | Kurzer Blick auf die kommende Version 1.0 nach langer Alpha. Maja: „Hat Spaß gemacht und muss auf unseren Server zu Hause.“ Ist es inzwischen auch. | Läuft bereits |
Fazit: Wir kommen wieder
Der erste Tag war vor allem eines: zu groß. Ich bin ohne Plan hineingegangen, habe zwei Stunden lang nur geschaut und am Abend vermutlich immer noch nicht verstanden, wie groß diese Messe eigentlich ist. Der zweite Tag war das Gegenteil. Zu zweit, mit Zielen, mit Vorwissen und mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass man Eindrücke sofort mit jemandem abgleichen kann. Beides hat funktioniert, und ich würde es wieder genau so machen.
Geblieben sind drei Titel, die wir weiterverfolgen, ein Sammelkartenspiel, über das wir zu Hause noch diskutieren werden, zwei Brettspielerweiterungen, ein Server, auf dem seit dem Wochenende Valheim läuft, und ein Anspieltermin, den ich aus reiner Schludrigkeit habe sausen lassen.
Dazu eine Menge Werbegeschenke, die kein Mensch braucht. Bei mir sorgen die für eine kurze Ausschüttung von Endorphinen, bei Maja eher für den Gedanken „Save the Planet“. Sie hat recht. Ich nehme das nächste T-Shirt trotzdem mit, und wir wissen inzwischen beide, dass ich das tue.
Am meisten mitgenommen habe ich allerdings etwas anderes: Die Trennung zwischen Brettspiel und Videospiel, die wir hier gelegentlich noch mitdenken, existiert auf einer Messe wie dieser praktisch nicht mehr. Ein Klassiker von 1999 bekommt ein Remake und steht neben seiner eigenen Brettspielumsetzung. Ein Indie-Team baut erst das digitale Kartenspiel und dann das analoge. Und das Spiel, auf das wir uns am meisten freuen, ist ausgerechnet eines für ein gemeinsames Sofa.
Wir kommen wieder, nächstes Jahr dann hoffentlich mit der ganzen Redaktion. Und wenn wir ehrlich sind, war das Ganze auch eine ziemlich gute Vorbereitung auf das nächste große Ereignis. In Essen brauchen wir dann allerdings deutlich mehr Platz im Auto.
