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Rock am Ring 2026 – 120.000 Schritte, null Brettspiele und sehr viel Freundschaft

🎸Out of Context

Eigentlich hatte ich versucht, für Rock am Ring 2026 eine Akkreditierung zu bekommen. Das hat leider nicht geklappt.

Kein Pressebereich also. Keine Interviews. Kein offizieller Festivalbericht aus privilegierter Perspektive.

Dafür aber ein sehr ehrlicher Blick auf fünf Tage Ring aus der Mitte des Geschehens: zwischen Zelten, Freunden, Grill, Kühlschränken, Monsterbox, Regen, Sonne, Bier, Musik, Muskelkater und dem leisen Zweifel, ob der eigene Körper wirklich noch für über 30.000 Schritte am Tag gebaut ist.

Mit dabei waren Callipo, sein Bruder Sascha, Daniel, Maria und ich. Vor Ort trafen wir außerdem noch Whity, der eigentlich mit einer anderen Gruppe angereist war – aber zufällig auf demselben Zeltplatz landete. Und wie das bei guten Festivals so ist: man geht zusammen feiern.

Und obwohl wir als Hügelzelter natürlich eigentlich immer irgendwie an Spiele denken: Für Brettspiele blieb keine Zeit. Nicht einmal für eine Runde Doppelkopf.

Das sagt eigentlich schon fast alles.


⛺ Donnerstag – Anreise, Regen und die Geburt des Luxus-Camps

Die Anreise begann zunächst mit einer kleinen Ernüchterung: Der ursprünglich angesteuerte Campingplatz war voll. Also erst einmal umplanen, nachfragen, hoffen – und dann kam die Ersatzlösung.

Und die war am Ende vielleicht sogar besser.

Nähe zum Gelände, mehr Platz und trockener als zunächst befürchtet. Manchmal startet ein Festival eben nicht mit perfekter Planung, sondern mit einer Improvisation, die sich im Nachhinein als Glücksfall herausstellt.

Der Aufbau selbst fand allerdings im Regen statt. Dabei lernt man schnell praktische Festivalweisheiten. Zum Beispiel: Wenn man mit freiem Oberkörper aufbaut, wird wenigstens das T-Shirt nicht nass. Ob das gesund, vernünftig oder optisch überzeugend war, sei einmal dahingestellt. Praktisch war es in dem Moment allemal.

Nach und nach entstand unser kleines Lager. Und dieses Lager war weit entfernt von „Dose Ravioli und lauwarmes Bier“.

Wir hatten Kühlschränke. Wir hatten Gefriereinheiten. Wir hatten einen Airfryer. Wir hatten einen Sandwichmaker. Wir hatten eine Teufel Rockster, also im Grunde eine mobile Monsterbox. Und wir hatten vor allem ziemlich gutes Essen.

Entrecôte, Rib Eye, Filet, Currywurst vom Grill mit selbstgemachter Soße – zwischen einfachen Zelten, Festivalregen und matschigem Boden wirkte das fast absurd luxuriös. Aber eben auch ziemlich perfekt.

Dazu kamen die üblichen ersten Festivalrituale: ankommen, einchecken, Tickets einlösen, Bändchen holen, sich orientieren und langsam begreifen, dass man jetzt wirklich für ein paar Tage in dieser eigenen kleinen Welt angekommen ist.

Der Ring hatte begonnen.


🪈Freitag – Flötenmann, Frühstückswhiskey und Linkin Park

Der erste Morgen auf dem Zeltplatz begann nicht etwa mit Vogelgezwitscher, sondern mit anderen Campern und dem Flötenmann.

Festivalweckdienst eben.

Danach wurde erst einmal gebruncht. Und auch hier blieb unser Camp seiner Linie treu: Rührei, Kaffee, Frühstückswhiskey und Steakbrötchen. Man kann schlechter in einen Festivaltag starten.

Anschließend ging es aufs Gelände. Drei Bühnen, viele Menschen, laute Musik und dieses typische Gefühl, dass der Tag eigentlich viel zu kurz ist für alles, was man sehen möchte.

Papa Roach war ein guter Einstieg. Danach wurde es mit Architects deutlich härter. Genau das macht ein Festival aber aus: Man steht plötzlich vor einer Bühne, hört Musik, die man vielleicht nicht jeden Tag auflegt, und merkt dann, wie gut diese Energie live funktionieren kann.

Mein persönlicher Hauptgrund für Rock am Ring war allerdings Linkin Park.

Die Vorfreude war groß, gerade auch mit Blick auf die neue Besetzung am Mikrofon. Und diese Vorfreude wurde erfüllt. Es war einer dieser Auftritte, bei denen man merkt, dass nicht nur die Musik selbst zählt, sondern auch die Erinnerungen, die daran hängen. Linkin Park war für mich nicht einfach nur ein Headliner, sondern ein emotionaler Fixpunkt des Wochenendes.

Nach dem Auftritt war dann allerdings kein Durchkommen mehr zu Limp Bizkit. Wir waren offenbar nicht die Einzigen, die diesen Plan hatten. Aber auch das gehört zu einem Festival: Manchmal entscheidet nicht der Zeitplan, sondern die Menschenmasse.

Also zurück zum Zeltplatz.

Sandwichmaker an.

Abend gerettet.


🔥Samstag – Electric Callboy, Marteria und ein deutsches Volkslied

Der Samstag wurde musikalisch der vielleicht stärkste Tag des Wochenendes.

Electric Callboy waren für mich die große Überraschung. Spaßig, druckvoll, komplett überdreht und live einfach ein Brett. Eine dieser Bands, bei denen man vielleicht vorher denkt: „Mal schauen“ – und danach weiß: „Okay, das war richtig stark.“

Und dann kam Tom Morello.

Für mich hatte dieser Auftritt gleich doppelt Gewicht. Zum einen wegen seines Satzes über das deutsche Volkslied „Killing in the Name“, den man in diesem Moment einfach feiern musste. Zum anderen, weil ich vor 26 Jahren schon Rage Against the Machine live bei Rock am Ring gesehen habe.

Da schloss sich für mich ein ziemlich lauter Kreis.

Danach ging es in eine ganz andere Richtung.

Marteria wäre vermutlich kein Act gewesen, für den ich alleine ein Ticket gekauft hätte. Aber genau dafür sind Festivals da. Man landet vor einer Bühne, bleibt stehen – und merkt plötzlich, dass das live richtig gut funktioniert. Deutschsprachiger Hip-Hop mit Festivalwucht, guter Stimmung und einem Auftritt, der mich deutlich mehr abgeholt hat, als ich vorher erwartet hätte.

Volbeat war danach für mich nicht ganz so stark wie im letzten Jahr in Oberhausen. Nicht schlecht, aber eben auch nicht dieser besondere Moment, den ich damals mitgenommen hatte. Manchmal ist der Vergleich mit einem vorherigen Konzert einfach unfair – aber er ist eben da.

Der Samstag hatte insgesamt hart abgeliefert. Nach über 32.000 Schritten, davon einige nicht ganz freiwillig und einige sehr freiwillig im Kreis vor den Bühnen, war bei mir irgendwann Schluss. H-Blockx habe ich nicht mehr geschafft.

Auch das gehört dazu: Irgendwann gewinnt nicht der Wille, sondern der Körper.

Also wieder zurück zum Camp. Wieder gutes Essen. Wieder dieser schöne Ausklang zwischen müden Beinen, lauter Musik und dem Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.


🎂Sonntag – Geburtstag, Sonne, Nachbarn und Sondaschule als Abrissbirne

Am Sonntag hatte Callipo Geburtstag.

Und wenn man schon auf einem Festival Geburtstag hat, dann bitte genau so: mit Freunden, Sonne, Musik am Zeltplatz, Gesprächen mit den Nachbarn, Sekt, Lynchburg, Bier und Kuchen.

Es war einer dieser Vormittage, bei denen man gar nicht sofort los muss. Man sitzt zusammen, lacht, hört Musik, schaut über den Zeltplatz und merkt, dass das Festival nicht nur vor den Bühnen stattfindet.

Manchmal ist der Campingplatz selbst die beste Bühne.

Wir starteten an diesem Tag etwas später Richtung Gelände, konnten dann aber bei Social Distortion direkt wieder durchstarten. Dieser Auftritt hatte Druck. Energie. Wucht. Das war kein nostalgisches „auch mal gesehen haben“, sondern ein richtig intensiver Konzertmoment.

Breaking Benjamin haben wir anschließend noch etwa zur Hälfte mitgenommen. Und nebenbei liefen dann auch noch ein paar eher unbekannte Nachwuchsprojekte wie The Offspring und Iron Maiden.

Der letzte Act unseres Festivals war dann Sondaschule.

Und das war genau der richtige Abschluss.

Laut, direkt, genial und mit genau der Energie, die man braucht, wenn der Körper eigentlich schon längst Feierabend angemeldet hat. Sondaschule haben mich noch einmal richtig durchgerockt. Deutscher Punk als perfekter Abschluss eines Wochenendes, das ohnehin kaum Pausen kannte.

Trotz spätem Start waren auch an diesem Tag die obligatorischen 30.000 Schritte wieder deutlich überschritten. Ein paar Extraschritte gab es anschließend noch im Lidl-Popupstore, wo gerade ordentlich laut Linkin Park lief.

Natürlich sind wir da noch einmal eine Runde gegangen.

Man muss Prioritäten setzen.


🚗Montag – Geburtstag Nummer zwei, Reste-Frühstück und Abreise als Letzte

Am Montag hatte dann Maria Geburtstag.

Also gab es erneut Kuchen. Dazu die Reste der Vortage zum Frühstück. Festivalküche in ihrer ehrlichsten Form.

Nach fünf Tagen Ring sieht ein Camp nicht mehr aus wie bei der Ankunft. Die Wiese ist müde, die Zelte sind müde, die Menschen sind müde. Aber irgendwie liegt genau darin auch ein Teil des Reizes.

Man packt zusammen, sortiert, sucht, findet Dinge wieder, die man längst vergessen hatte, und fragt sich, wie all das eigentlich jemals in die Autos gepasst hat.

Als wir gegen 12:30 Uhr die Heimreise antraten, waren wir gefühlt die Letzten auf dem Campingplatz.

Zurück blieben plattgetretene Wiesen, leere Verpackungen, schwere Beine und das sehr sichere Gefühl, dass dieses Wochenende noch eine ganze Weile nachhallen würde.


🤘Fünf musikalische Momente, die bleiben

Natürlich gab es sehr viel Musik. Viel mehr, als man in einem Artikel sinnvoll vollständig erzählen kann. Aber fünf Momente bleiben für mich besonders hängen.

Linkin Park war mein persönlicher Hauptgrund für den Besuch. Die neue Besetzung am Mikrofon hat für mich funktioniert, die Vorfreude wurde erfüllt und der Auftritt war einer der emotionalen Fixpunkte des Wochenendes.

Electric Callboy waren die große Überraschung. Spaßig, laut, druckvoll, komplett überdreht und live einfach unfassbar wirkungsvoll.

Tom Morello war für mich ein besonderer Kreis. Einerseits wegen seines Satzes zum deutschen Volkslied „Killing in the Name“. Andererseits, weil ich vor 26 Jahren schon Rage Against the Machine live bei Rock am Ring gesehen habe.

Social Distortion hatten eine ganz eigene Energie. Dieser Druck, diese direkte Art, diese Wucht – das war einer der intensivsten Auftritte des Wochenendes.

Und Sondaschule waren der perfekte Abschluss. Deutscher Punk, laut und mitreißend, genau richtig für die letzten Reserven eines langen Festivals.


🧭Fazit

Rock am Ring 2026 war für uns kein Presseevent, kein geplanter Artikel und ganz sicher kein Wochenende der Ruhe.

Es war laut, nass, sonnig, anstrengend, lecker, manchmal absurd und sehr oft ziemlich großartig.

Wir hatten keine Zeit für Brettspiele. Nicht einmal für Doppelkopf. Dafür hatten wir 120.000 Schritte, viele davon vor Bühnen, einige davon im Kreis, sehr gutes Essen, laute Musik, gute Gespräche, Geburtstage, Nachbarn, Muskelkater und ganz viel Freundschaft.

Keine Akkreditierung. Kein Pressebereich. Aber ein Mega-Event.

Und ganz sicher nicht unser letztes Festival.

Von Digital zu Analog – Musik, Vinyl und warum wir wieder zurückgehen

🎸 Rock am Ring 2026 – Zwischen Bühne, Brettspiel und Bierbank

🧭 Übersicht
Mit 46 Jahren gehöre ich zu einer Generation, die beides wirklich erlebt hat:
👉 analog aufgewachsen, digital groß geworden.

Und irgendwie fühlt es sich so an, als hätten wir jeden einzelnen Schritt dieser Entwicklung selbst mitgestaltet.

Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe rund um Rock am Ring 2026 und aus einer Perspektive, die man dort vielleicht nicht erwartet.


💾 Kassetten, C64 und der Anfang von allem

Gestartet hat alles irgendwo zwischen C64, Amiga und den ersten 286er-PCs.

Digital war spannend – aber Musik?
👉 Die war noch komplett analog.

Kassetten.
Aufnahmen aus dem Radio.
Der Finger auf „Rec“ und die stille Hoffnung, dass der Moderator nicht reinquatscht.

Das war nicht bequem.
Aber es war echt.


💿 Die CD – und plötzlich war alles möglich

Dann kam die CD.

Meine erste: Scorpions.
Kurz danach: Metallica – das schwarze Album.

Und ich habe sie gefeiert.

Auf der alten Bang & Olufsen Anlage meiner Eltern lief das plötzlich in einer Qualität, die ich so noch nicht kannte.
👉 Man hatte das Gefühl: Jetzt geht wirklich alles.


🇬🇧 England, neue Musik – und bleibende Erinnerungen

Im Austauschjahr in England hat sich mein musikalischer Horizont dann noch einmal komplett verschoben.

Jonathan hat mir neue Richtungen gezeigt.
Neue Bands. Neue Sounds.

Unvergessen ist Frank Black, aber auch viele andere.

Die Kassetten von damals liegen heute noch auf dem Dachboden.
Und warten – ganz ehrlich – darauf, irgendwann wieder gehört zu werden.


🎪 Rock am Ring – Soundtrack einer Generation

2000 bei Rock am Ring – ein Moment, eigentlich ein Ergeinis, das hängen bleibt.

Ich denke sofort an:
– Korn
– Such a Surge
– Rage Against the Machine
– Die Toten Hosen
– und parallel dazu Papa Roach

Alles hintereinander.
Alles intensiv.
Alles laut.

👉 Und die CDs dazu? Corssing all Over 3 und 4
Die liefen danach und dabei rauf und runter.

Unvergessen.
Und bald wieder: bei Rock am Ring 2026.


💻 MP3, Napster und das Studentenleben

Im Studentendorf wurde es dann noch einmal digitaler.

MP3 kam auf.
Und plötzlich gab es diesen einen Server, auf dem gefühlt alles lag.

Napster.
Winamp.
Und die Frage:

👉 Wer baut aus einem alten Rechner eigentlich ein Abspielgerät für den Opel Corsa?

Ich habe trotzdem weiter CDs gekauft.
Fürs Auto. Für die Qualität.

Aber die Möglichkeiten der MP3?
Die waren einfach zu groß, um sie zu ignorieren.


🎧 DJ Winamp – und ein bisschen Magie

Die Partys der Fachschaft (Wirtschafts-)Mathematik?
Die liefen über meinen Rechner.

Ich war DJ.
Mit Winamp. (Eigentlich waren alle DJ … an meinem Rechner)

Und das war…
👉 eine unglaubliche Zeit.

Manchmal frage ich mich heute, ob man noch einmal so unbeschwert und gleichzeitig technikverliebt aufwachsen kann.


📀 Zurück zur CD und weiter zum Klang

Irgendwann ist die MP3-Sammlung gewachsen und gleichzeitig dennoch in den Hintergrund gerückt.

Die CDs sind geblieben.
Und sie sind wieder wichtiger geworden.

Parallel dazu habe ich mich tiefer mit Klang beschäftigt:
Frequenzweichen.
Holz.
Lötkolben.

👉 Eigene Lautsprecher bauen.

Soundcheck?
Einfach nur: geil.


🎁 Vinyl und plötzlich wird alles langsamer

Zu meinem 40. Geburtstag habe ich mir etwas gewünscht:
👉 einen Plattenspieler.

Meine Freunde haben mir dazu Platten geschenkt, jede einzelne verbunden mit einer Erinnerung.

Und genau da hat es mich erwischt.

Vinyl ist wieder eingezogen.
Und mit ihm etwas, das ich lange nicht mehr hatte:

👉 Entschleunigung

Plötzlich wieder:
– ganze Alben hören
– bewusst Musik erleben
– kein Shuffle, kein Next


🤖 Und trotzdem: Alexa in jedem Raum

Man soll ja ehrlich bleiben.

Natürlich ist auch die andere Seite da:

Die erste in Deutschland per Losverfahren verfügbare Alexa ist direkt eingezogen.
Und es blieb nicht bei einer.

👉 Fast jeder Raum hat heute Musik auf Knopfdruck (bzw. Zuruf).

Teilweise gekoppelt mit meinen eigenen Anlagen.
Teilweise einfach bequem.

Und ja:
👉 Ein bisschen Anspruch an Sound bleibt trotzdem.
(Siehe: drölfzig Kopfhörer 😉)


❤️ Musik, Technik und eine Menge Gefühl

Ich liebe Musik.
Ich liebe Technik.
Ich liebe gute Qualität.

Und inzwischen liebe ich auch wieder:
👉 das bewusste Hören

Und das Beste ist:
Heute geht alles gleichzeitig.


🎲 Und was hat das mit Brettspielen zu tun?

Mehr, als man denkt.

Denn wenn Vinyl das analoge Gegenstück zur digitalen Musik ist,
dann ist das Brettspiel genau das Gleiche im Gaming.

👉 Noch analoger geht kaum.
(okay… vielleicht Bossfighter QR 😉)

Unsere Sammlung wächst.
Die Regale auch.

Und vor allem:
👉 die Abende.

Mit Freunden.
Mit meinen Kindern.
Mit Geschichten, Kampagnen, Minis und Momenten, die bleiben.


🌊 Ein letzter Gedanke

Wenn ich in ein Hobby eintauche, dann richtig.

Ohne Kompromisse.
Mit voller Leidenschaft.

Musik läuft dabei fast immer.

Fast.

👉 Nur beim Freitauchen nicht.
Das ist der eine Moment, in dem Stille perfekt ist.

Und genau deshalb auch dieser Moment so besonders.