Schlagwort: Strategiespiel

7 Wonders Architects – Spielbewertung

🏛️ Wenn das Weltwunder mal eben zwischendurch entsteht

🧭 Übersicht

Nach Aqualin ging der Feldtest unserer eigenen Brettspiel-App direkt in die zweite Runde.

Im Artikel zu Aqualin hatte ich bereits beschrieben, dass ich unsere App inzwischen um eine für uns ziemlich praktische Funktion erweitert habe: Zu den Spielen sind nun auch unsere bisherigen Blogartikel hinterlegt. Bei den Empfehlungen kann ich damit gezielt nach Spielen suchen lassen, über die wir noch nicht geschrieben haben.

Genau das wollten Josef und ich ausprobieren, während der Rest der Hügelzelter noch gut eine Stunde unterwegs war.

Vorschlag Nummer eins war Aqualin. Vorschlag Nummer zwei:

7 Wonders Architects.

Ein Spiel, das bei uns keineswegs unbekannt ist.

Kennengelernt habe ich 7 Wonders Architects vor ungefähr 22 Monaten bei einem Spieleabend bei Maggi, einem meiner engsten Freunde. Mitgebracht hatte es Maria, der hier auf dem Blog ja inzwischen ebenfalls kein Unbekannter mehr ist.

Wir waren damals zu fünft. Keine klassische Vielspielergruppe, aber alles Leute, die am Anfang des Abends klug genug sind, neue Regeln schnell zu verstehen und bei unseren größeren Brettspielaktionen auch immer mal wieder mit am Tisch sitzen.

Und genau dort zeigte 7 Wonders Architects bereits eine seiner größten Stärken:

Der Einstieg funktioniert erstaunlich problemlos.

Die Regeln waren schnell verstanden, die Partie lief flüssig und anschließend blieb es nicht bei einer Runde.

Irgendwann ist das Spiel dann auch bei uns eingezogen. Seitdem gab es immer wieder einzelne Partien, auch Josef und Maja haben es bereits zu zweit gespielt.

Ich selbst hatte dabei allerdings immer im Hinterkopf:

Ist das nicht eigentlich ein Spiel, das mit mehr Leuten besser funktioniert?

Gerade beim militärischen Teil erschien mir eine größere Runde irgendwie passender. Zeit, das zu überprüfen.


⚙️ Spielmechanik

Das grundlegende Ziel ist schnell erklärt:

Jeder Spieler bekommt eines der berühmten Weltwunder der Antike und versucht, dieses Stück für Stück fertigzustellen.

Dafür sammeln wir hauptsächlich Karten.

Je nach Karte erhalten wir Rohstoffe, Siegpunkte, wissenschaftliche Symbole oder militärische Stärke.

Besonders angenehm ist dabei die Art, wie die Karten gewählt werden. Vor jedem Spieler liegen Kartenstapel, und grundsätzlich greift man auf Karten aus der eigenen unmittelbaren Umgebung oder auf eine verdeckte Alternative zurück.

Dadurch gibt es Entscheidungen, ohne dass das Spiel in längere Grübelphasen verfällt.

Brauche ich gerade einen Rohstoff für mein Weltwunder?

Will ich Wissenschaftssymbole sammeln? Sollte ich militärisch verhindern, dass Josef zu weit davonzieht?

Oder nehme ich einfach sichere Siegpunkte? Damit hat Josef dann auch gewonnen.

Das alles ist relevant, aber nie so kompliziert, dass der Spielfluss ins Stocken gerät.

7 Wonders Architects spielt sich einfach gut herunter.


🏛️ Ein bisschen Asymmetrie ist immer gut

Ganz identisch sind die Ausgangsbedingungen allerdings nicht.

Jeder Spieler baut ein anderes Weltwunder, und diese bringen jeweils leicht unterschiedliche Vorteile mit.

Die Unterschiede sind nicht riesig. Zumindest nach unseren bisherigen Partien wirken die Wunder ziemlich ausgewogen.

Trotzdem verändern sie die Partie ein wenig.

Mit einem anderen Weltwunder setzt man vielleicht andere Prioritäten oder freut sich über bestimmte Karten mehr als in der vorherigen Runde.

Wir wählen die Wunder bislang übrigens gar nicht bewusst aus.

Es wird zugelost.

Das passt für uns ganz gut, weil die Unterschiede groß genug sind, um ein bisschen Abwechslung hineinzubringen, aber nicht so groß, dass man vor der Partie erst über die optimale Wahl diskutieren müsste.


👀 Das kommt mir doch bekannt vor

Wer 7 Wonders Duel kennt, wird sich bei Architects ohnehin sehr schnell zu Hause fühlen.

Grafik, Symbolsprache, Karten und das gesamte Erscheinungsbild erinnern deutlich an den bekannten Zweier-Ableger.

Das liegt natürlich nicht nur am ähnlichen Namen.

Antoine Bauza steckt hinter beiden Spielen und auch Repos Production sorgt dafür, dass die optische Familienzugehörigkeit kaum zu übersehen ist.

Spielerisch sind die Unterschiede allerdings deutlich.

7 Wonders Duel ist wesentlich taktischer, kontrollierter und konfrontativer.

Architects ist dagegen die leichtere Variante. (nach meiner Meinung)


🎲 Entscheidungen ja – Kontrolle nur bedingt

Ganz ohne Glück geht es allerdings nicht.

Welche Karten zur Verfügung stehen und welche anschließend nachkommen, lässt sich nur begrenzt beeinflussen.

Natürlich kann man Entscheidungen treffen und Wahrscheinlichkeiten einschätzen. Trotzdem gibt es Partien, in denen die passenden Karten etwas angenehmer auf einen zulaufen als in anderen.

Der Glücksfaktor ist also durchaus vorhanden.

Mich stört das hier allerdings wenig.

Vielleicht liegt das auch daran, dass ich Niederlagen bei Spielen mit etwas höherem Glücksanteil wesentlich besser verkraften kann.

Dann lag es schließlich nicht ausschließlich an meiner spielerischen Leistung.

Nach meiner Farbfehlsichtigkeit bei Aqualin ist damit auch für die zweite Niederlage des Abends eine vollkommen plausible Erklärung gefunden.


⚔️ Und funktioniert es zu zweit?

Das war für mich eigentlich die spannendste Frage dieser Partie.

Meine prägendste Erinnerung an 7 Wonders Architects stammt schließlich aus der Fünferrunde bei Maggi.

Mehr Spieler bedeuten mehr Nachbarn, mehr Bewegung beim Militär und grundsätzlich mehr Leben am Tisch.

Zu zweit funktioniert das Spiel aber überraschend gut.

Natürlich fehlt ein Teil dieses Gruppengefühls. Dafür geht die Partie noch einmal besonders flott von der Hand und die Entscheidungen bleiben trotzdem interessant.

Auch der militärische Bereich funktioniert.

Vielleicht ist er mit mehreren Spielern etwas lebendiger – kaputt geht das Spiel zu zweit dadurch aber keineswegs.

Nach rund 20 Minuten war unser Weltwunder-Wettstreit beendet.

Und wie schon bei Aqualin hieß der Sieger: Josef.

Zwei Empfehlungen unserer App, zwei Spiele, zwei Siege für Josef.

Vielleicht muss ich den Algorithmus noch einmal überarbeiten.


⭐️ Unsere Bewertung ⭐️

Zugänglichkeit: 🤩 Sehr hoch – Wenige Regeln, einfache Symbolik und nach wenigen Zügen vollständig verstanden.

Interaktion: 😄 Mittel bis hoch – Man schaut durchaus darauf, was der andere sammelt, und gerade Militär sowie verfügbare Karten sorgen für gegenseitige Einflussnahme.

Spielspaß: 😄 Hoch – Flott, unkompliziert und trotzdem mit genügend Entscheidungen.

Wiederspielwert: 😄 Hoch – Unterschiedliche Weltwunder, wechselnde Karten und verschiedene Spielerzahlen sorgen für Abwechslung.

Gestaltung: 😄 Hoch – Die 7-Wonders-Familie ist sofort erkennbar. Besonders der Bau des eigenen Weltwunders macht auch optisch etwas her.

Glücksfaktor: 🙂 Mittel – Die verfügbaren Karten bestimmen einen Teil der Möglichkeiten. Genug Entscheidungen bleiben trotzdem bestehen.


💬 Familienmeinung

Hendrik:

„Es spielt sich einfach angenehm herunter. Genug Entscheidungen, damit es nicht belanglos wird, aber gleichzeitig so wenig Ballast, dass man jederzeit schnell eine Partie einschieben kann. Auch zu zweit funktioniert es besser, als ich erwartet hatte.

Und bei dem Glücksanteil kann ich die Niederlage auch ganz gut verkraften.“

Wertung: 7 von 10

Josef:

„Schönes Spiel, schöne Mechanik. Und ich musste Papa mal nicht bei 7 Wonders Duel oder dem ‚Klon‘ Der Herr der Ringe: Duell um Mittelerde abziehen.“

Wertung: 7,5 von 10

Maja:

„Hat schon Spaß gemacht. Papa mag ja die alten Steine. Und dann doch lieber auf dem Tisch als irgendwo zwischen den Ruinen der Weltwunder.“


📊 Unsere Partie in Zahlen

Für diesen Artikel erfasste Partien: 1

Spielzeit: ca. 20 Minuten

Durchschnittsnote: 7,2 von 10

Sieger: Josef

Dabei ist wichtig: Diese Partie war natürlich nicht unsere erste Begegnung mit 7 Wonders Architects. Das Spiel war bereits mehrfach bei uns und zuvor auch in anderen Gruppen auf dem Tisch.

Die Statistik stammt lediglich aus der inzwischen in unserer App erfassten Partie.


❣️ Gesamtbewertung

4 von 5 Meeples

7 Wonders Architects ist kein besonders schweres Strategiespiel – und möchte das auch gar nicht sein.

Seine Stärke liegt woanders.

Es schafft es, Elemente aus der bekannten 7-Wonders-Welt so weit herunterzubrechen, dass praktisch jeder sehr schnell mitspielen kann.

Rohstoffe sammeln, Weltwunder bauen, Wissenschaft entwickeln, ein bisschen kämpfen und Siegpunkte einsammeln.

Das alles passiert in rund 20 bis 30 Minuten, ohne dass man das Gefühl bekommt, überhaupt nichts entscheiden zu können.

Natürlich muss man akzeptieren, dass Glück eine größere Rolle spielt als etwa bei 7 Wonders Duel. Wer jeden Zug mehrere Runden vorausplanen möchte, wird hier vermutlich nicht glücklich.

Wer dagegen ein unkompliziertes Spiel sucht, das mit Gelegenheitsspielern genauso funktioniert wie mit erfahrenen Brettspielern und sowohl zu zweit als auch in größerer Runde auf den Tisch kommen kann, bekommt erstaunlich viel Spiel für vergleichsweise wenig Regelaufwand.

Dass jedes Weltwunder zudem noch leicht unterschiedliche Fähigkeiten besitzt, bringt genau genug Asymmetrie hinein, um die nächste Partie ein bisschen anders aussehen zu lassen.

Und unsere Partie hat noch eine zweite Erkenntnis gebracht:

Ja, auch zu zweit funktioniert 7 Wonders Architects ziemlich gut.

Nur den Sieger sollten wir beim nächsten Mal vielleicht austauschen.


ℹ️ Spielinfos

Name: 7 Wonders Architects

Originaltitel: 7 Wonders: Architects

Autor: Antoine Bauza

Grafik: Etienne Hebinger

Verlag: Repos Production

Erscheinungsjahr: 2021

Spielart: Familienspiel / Set Collection / Open Drafting

Spielerzahl: 2–7 Spieler

Spieldauer: ca. 25 Minuten

Alter: ab 8 Jahren

Komplexität bei BoardGameGeek: 1,39 von 5

BGG-Bewertung: 7,03

BGG-Rang: #816

Mechaniken: Neighbor Scope, Open Drafting, Set Collection, Variable Player Powers

BoardGameGeek-Daten: Stand 10. September 2026

Rebirth – Aufbruch in eine neue Zeit – Spielbewertung

Wir mochten es schon, bevor es jeder mochte.

🏆 Kennerspiel des Jahres 2026? Was auch sonst!

Als Anfang Juli Rebirth zum Kennerspiel des Jahres 2026 gewählt wurde, mussten wir ein wenig schmunzeln. Nicht, weil uns die Entscheidung überrascht hätte, sondern weil wir das Spiel bereits Monate vorher ins Herz geschlossen hatten.

Schon auf der SPIEL DOCH! konnten wir Rebirth am Stand von Frosted Games bzw. im offenen Brettspielbereich anspielen. Damals war uns schnell klar: Das hier ist ein Titel, den wir unbedingt noch einmal in Ruhe zu Hause auf den Tisch bringen möchten. Leider war das Spiel auf der Messe bereits ausverkauft und anschließend auch im Handel kaum noch zu bekommen.

SPIEL DOCH! Dortmund

Also hieß es warten.

Umso größer war die Freude, als uns Frosted Games schließlich den Reprint zuschickte. Eine kleine Besonderheit: Unsere Ausgabe stammt noch aus der ersten Nachproduktion und trägt deshalb noch nicht das inzwischen bekannte anthrazite Kennerspiel-des-Jahres-Siegel.

Nicht aus Sammlergründen, sondern weil es uns daran erinnert, dass wir Rebirth schon begeistert waren, bevor plötzlich alle begeistert waren.


🎲 Ein weiterer Knizia – aber wieder ein ganz anderer

Der Name Reiner Knizia dürfte Brettspielfans längst ein Begriff sein. Kaum ein anderer Spieleautor hat in den vergangenen Jahrzehnten so viele Spiele veröffentlicht.

Erst kürzlich begegnete uns sein Name sogar im Inhalt eines anderen Brettspiels, bei einer Schätzfrage in Wer stiehlt mir die Show?. Dort lautete die Aufgabe sinngemäß:

Wie viele Spiele hat Reiner Knizia eigentlich veröffentlicht?

Die tatsächliche Zahl war beeindruckend und zeigt eindrucksvoll, welchen Einfluss Knizia bis heute auf unser Hobby hat.

Mit Rebirth beweist er erneut, dass elegante Spielmechaniken oft mehr überzeugen als komplizierte Regelwerke.


🏰 Worum geht es?

Nach mehreren Katastrophen liegt Schottland in Trümmern. Die alten Clans beginnen damit, das Land neu aufzubauen: nachhaltiger, naturverbundener und hoffnungsvoller als zuvor. EIne Thema, dass ins unsere Zeit passt.

Spielerisch geschieht dies durch das Platzieren von Plättchen auf dem Spielplan. Jeder Spieler verfügt über denselben Vorrat und damit grundsätzlich über identische Voraussetzungen. Runde für Runde übernimmt man Burgen, prägt die Landschaft durch Energie oder Landwirtschaft und versucht sich in der Nähe von Kathedralen zu platzieren; während gleichzeitig verschiedene Wertungsziele erfüllt werden.

Die Regeln sind erstaunlich schnell erklärt. Genau darin liegt aber auch die große Stärke des Spiels.

Denn schon nach wenigen Partien merkt man, dass hinter den einfachen Abläufen eine beachtliche strategische Tiefe steckt.


🤔Thema und Mechanik – zwei verschiedene Welten?

Während unserer Partien entstand eine spannende Diskussion am Tisch.

Rebirth erzählt die Geschichte einer Welt, die sich nach dem Zusammenbruch der Zivilisation neu erfindet. Nachhaltigkeit, Windkraft und ein respektvoller Umgang mit der Natur stehen im Mittelpunkt der Hintergrundgeschichte.

Spielmechanisch spürt man davon allerdings vergleichsweise wenig.

Letztlich legen wir Plättchen, erfüllen Wertungen und sammeln Punkte. Mit einer anderen Illustration könnte dieselbe Mechanik vermutlich genauso gut Eisenbahnstrecken, Handelsrouten oder mittelalterliche Städte darstellen.

Das ist ausdrücklich keine Kritik.

Im Gegenteil. Rebirth funktioniert spielerisch hervorragend und zeigt vielmehr, dass ein Brettspiel nicht zwangsläufig eine tief verwobene Geschichte erzählen muss, um Spaß zu machen.

Die Diskussion hat uns vielmehr auf eine spannende Idee gebracht: Vielleicht lohnt sich irgendwann einmal ein eigener Artikel darüber, wie eng Thema und Mechanik in Brettspielen tatsächlich miteinander verbunden sind oder eben auch nicht.


🖼️ Eines der schönsten Cover des Jahres

Auch wenn das Thema spielmechanisch eher im Hintergrund bleibt, begeistert uns die Gestaltung umso mehr.

Schon das Cover sorgte auf der Messe dafür, dass wir stehen blieben.

Während unserer Partien waren wir uns sogar einig: Diese Illustration könnte problemlos als Poster an der Wand hängen.

Eine mächtige Burg erhebt sich über sanfte Hügel, moderne Windräder drehen sich zwischen weiten Feldern und im Hintergrund erstreckt sich eine Landschaft, die sofort an Schottland erinnert.

Zufällig hatte ich erst heute einen Artikel über die enorme Anzahl historischer Burgen in Wales gelesen. Auch wenn Rebirth in Schottland spielt, transportiert das Cover genau dieses Gefühl der britischen Burgenlandschaften.

Historische Architektur trifft auf eine hoffnungsvolle Zukunft.

Genau dieses Bild vermittelt Rebirth schon, bevor die erste Partie überhaupt begonnen hat.


🧠 Überraschend viele Wege zum Sieg

Nach mehreren Partien wurde deutlich, dass jeder von uns ganz unterschiedliche Strategien verfolgte.

Josef konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Auftragskarten. Während wir noch versuchten, überall ein paar Punkte mitzunehmen, arbeitete er konsequent auf die Zusatzwertungen hin.

Maja entschied sich dagegen für eine vollkommen andere Herangehensweise. Im letzten Spiel baute sie nahezu ein riesiges Energiefeld auf und sammelte damit eine beeindruckende Anzahl an Punkten.

Ich selbst versuchte möglichst ausgewogen zu spielen und überall ein wenig mitzunehmen.

Rückblickend war das allerdings die schwächste unserer Strategien.

Gerade das zeigt, dass Rebirth deutlich mehr Tiefe besitzt, als man den wenigen Seiten der Spielanleitung zunächst zutrauen würde.


⚔️ Man spielt irgendwann gegen die Mitspieler, nicht gegen das Spiel

Eine weitere Erkenntnis stellte sich erst nach einigen Partien ein.

Anfangs sucht man einfach den eigenen besten Zug.

Mit zunehmender Erfahrung richtet sich der Blick aber immer häufiger auf die Mitspieler.

Welche Wertung verfolgt Josef gerade?

Welche Landschaft möchte Maja unbedingt noch vervollständigen?

Ab welchem Zeitpunkt lohnt es sich mehr, einen gegnerischen Plan zu verhindern, als den eigenen weiter auszubauen?

Genau diese kleinen Störmanöver sorgen dafür, dass Rebirth auch nach mehreren Partien spannend bleibt.


⚡ Kaum Downtime und genau unser Geschmack

Einen Punkt möchten wir besonders hervorheben.

Rebirth spielt sich unglaublich flüssig.

Während die Mitspieler am Zug sind, kann der eigene Zug meist bereits vollständig geplant werden. Die Entscheidungsmöglichkeiten sind bewusst überschaubar, ohne banal zu wirken.

Wer aufmerksam mitzählt, kann sogar relativ gut abschätzen, welche Plättchen sich noch im eigenen Vorrat befinden und welche Wahrscheinlichkeiten sich daraus ergeben.

Dadurch reduziert sich der Glücksfaktor Stück für Stück.

Für uns ist genau das die ideale Mischung:

Wenig Downtime, schnelle Spielzüge und trotzdem ausreichend strategische Tiefe.


📦 Material & Ausstattung

Die Materialqualität bewegt sich auf einem sehr guten Retail-Niveau.

Alle Komponenten erfüllen ihren Zweck, die Plättchen sind stabil und das Spiel macht auf dem Tisch einen hochwertigen Eindruck.

Dennoch würden wir – wie inzwischen bei einigen unserer Lieblingsspiele – vermutlich auch hier zu einer zukünftigen Premium-Version greifen, sollte Frosted Games oder Mighty Boards irgendwann eine solche veröffentlichen.

Notwendig wäre das allerdings keineswegs.

Bereits die Standardausgabe macht einen ausgezeichneten Eindruck.


👨‍👩‍👧‍👦 Stimmen aus der Runde

Hendrik ⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5)

„Für mich lebt Rebirth genau von der Mischung aus schnellen Spielzügen und echter strategischer Tiefe. Ich mag Spiele, die kaum Downtime besitzen und trotzdem viele Entscheidungen verlangen. Genau das gelingt hier hervorragend.“

Anne ⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5)

„Leicht erklärt, wunderschön gestaltet und trotzdem jedes Mal spannend. Genau die Art Spiel, die man immer wieder gern auf den Tisch bringt.“

Maja ⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5)

„Mir gefällt, dass man völlig unterschiedliche Strategien ausprobieren kann. Mein riesiges Energiefeld hat gezeigt, dass Spezialisierung richtig belohnt werden kann.“

Josef ⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5)

„Die Auftragskarten fand ich am spannendsten. Es macht Spaß, seine ganze Strategie auf diese Ziele auszurichten und zu sehen, dass das am Ende auch funktioniert.“


⚖️ Für wen eignet sich Rebirth?

Persönlich hätten wir Rebirth durchaus auch im Bereich Familienspiel des Jahres gesehen.

Die Regeln sind innerhalb weniger Minuten erklärt. Das Regelheft umfasst nur wenige Seiten und ermöglicht einen schnellen Einstieg.

Wie so häufig bei Spielen von Reiner Knizia gilt jedoch:

Easy to learn – hard to master.

Die ersten Partien gelingen sofort.

Wer allerdings dauerhaft gewinnen möchte, wird lernen müssen, Wahrscheinlichkeiten einzuschätzen, die Strategien der Mitspieler zu lesen und langfristig zu planen.

Gerade dadurch spricht Rebirth sowohl Familien als auch erfahrene Vielspieler an.

Besonders empfehlen können wir das Spiel allen, die strategische Entscheidungen mögen, dabei aber keine zwei Stunden Grübelzeit am Tisch verbringen möchten.


⭐ Unser Fazit

Gesamtwertung: ⭐⭐⭐⭐⭐ (5 von 5)

Rebirth gehört für uns zu den größten positiven Überraschungen des Jahres.

Nicht wegen einer spektakulären Innovation oder außergewöhnlich komplexer Mechaniken.

Sondern weil es etwas schafft, das erstaunlich wenige Spiele erreichen:

Es erklärt sich in wenigen Minuten, spielt sich in unter einer Stunde, besitzt kaum Downtime und entfaltet dennoch genügend strategische Tiefe, um auch nach mehreren Partien immer wieder neue Wege zum Sieg zu eröffnen.

Dass wir den Titel bereits vor seiner Auszeichnung entdeckt hatten, macht die Geschichte für uns natürlich noch ein wenig schöner.

Ob mit oder ohne Kennerspiel-Siegel:

Rebirth hätte seinen Platz in unserem Spieleregal ohnehin sicher gehabt.


Unsere Wertung

KategorieWertung
🎲 Spielspaß⭐⭐⭐⭐⭐
📖 Zugänglichkeit⭐⭐⭐⭐⭐
🧠 Strategische Tiefe⭐⭐⭐⭐⭐
👨‍👩‍👧‍👦 Familien­tauglichkeit⭐⭐⭐⭐⭐
🎨 Material & Gestaltung⭐⭐⭐⭐☆
🔁 Wiederspielreiz⭐⭐⭐⭐⭐

📊 Eckdaten

Autor: Reiner Knizia

Illustrationen: Anna „Mikado“ Przybylska, Vesna Redesiuk

Verlag (deutsch): Frosted Games

Originalverlag: Mighty Boards

Erscheinungsjahr: 2024

Spielerzahl: 2–4 Personen

Alter: ab 10 Jahren

Spieldauer: 45–60 Minuten

BGG-Bewertung: 7,8 / 10

Komplexität (Weight): 2,00 / 5

BGG-Rang (Stand heute):

  • Gesamt: Platz 365
  • Strategy Games: Platz 233
  • Family Games: Platz 57

Mechaniken: Tile Placement, Area Majority, Contracts, Endwertungen, Hexfeld-Spielplan

Themen: Nachhaltigkeit, Wiederaufbau, Schottland, Burgen, Zukunft

Unsere Wertung: ⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5)

Last Light – Spielbewertung

Schickes 4X im Schnelldurchlauf – richtig hübsch, aber mit einer ordentlichen Prise Glück

🧭 Übersicht

Gestolpert sind wir über Last Light im Discord zum Podcast „The Board Game Theory“ (BGT). Dort bot jemand aus Bocholt, genauer gesagt aus Biemenhorst, also quasi um die Ecke, eine besonders schicke Variante an: die Deluxe-Version inklusive der Infinity-Erweiterung, der Promo „Golden Planet“, zusätzlichen Völkern und allem zusammen in einer Box mit 3D-gedrucktem Insert. Für 110 € inklusive Versand.

Schon die Bilder zum Material sahen ausgesprochen wertig aus, und so konnte ich im Dezember 2025 nicht daran vorbeigehen. Besonders die kleinen, haptischen Planeten in ihren verschiedenen Farbschattierungen hatten es mir sofort angetan. Davon abgesehen mögen wir 4X-Spiele ohnehin sehr gern, spätestens seit unseren Partien in Voidfall. Und Last Light versprach das genaue Gegenteil von epischer Länge: ein schnelles, kurzes 4X-Erlebnis.

Auf BoardGameGeek steht das Spiel bei einem Rating von 7,3 und einem Weight von 2,78 – also ein vergleichsweise leichtgewichtiger Vertreter seines Genres, der in der Szene aber durchaus seinen Platz hat.

Auf den Tisch kam es bei uns dann allerdings erst im Mai 2026 – unser Backlog ist eben doch recht lang.

📦 Was haben wir hier eigentlich auf dem Tisch?

Bei uns landete nicht die schlichte Retail-Ausgabe, sondern eine üppig ausgestattete Deluxe-Variante. Mit dabei waren unter anderem:

  • die Infinity-Erweiterung mit zusätzlichen Völkern
  • die Promo „Golden Planet“
  • die haptischen 3D-Planeten in verschiedenen Farbschattierungen
  • ein passgenaues, 3D-gedrucktes Insert
  • alles gebündelt in einer Box

Die erwartete Haptik war voll und ganz gegeben. Die rotierenden Rundplatten des Spielbretts verändern nach jeder Runde zwar planbar, aber doch merklich die Situation im All – gepaart mit den hübschen Planeten macht das direkt eine tolle Tischpräsenz her.

🌌 Worum geht es in Last Light?

Das Universum liegt im Sterben. Kurz vor dem Wärmetod machen sich verschiedene Alien-Völker auf den Weg zum letzten Weißen Zwerg, um dessen Licht für das eigene Überleben einzusammeln. Wer zuerst 20 Licht zusammenhat, gewinnt.

Das Herzstück ist ein rotierendes Spielbrett: Jede Runde wählen alle gleichzeitig eine Aktionskarte und führen ihre Züge dann (nahezu) simultan aus – erkunden, Rohstoffe abbauen, Technologien erforschen und Flotten kommandieren. Anschließend dreht sich das Brett ein Stück weiter, wodurch sich die Lage im „Weltall“ verändert. Last Light will damit ein echtes 4X-Gefühl liefern, aber in deutlich kürzerer Zeit als die großen Genrevertreter.

👥 Unsere Partien

Gespielt haben wir zu dritt – mit Josef und Maja. Das Regelheft war (irgendwie passend zur Spielzeit) schnell gelesen, und ich konnte die Regeln den beiden direkt beibringen. Alles keine komplexe Geschichte.

Die kurze Spieldauer ergibt sich auch daraus, dass alle gleichzeitig (oder fast immer gleichzeitig) ihren Zug ausführen und die Interaktion untereinander in etwa fünf von sechs Fällen recht übersichtlich bleibt.

Für mich liefen die Partien allesamt sehr glücklich – und das meine ich durchaus wörtlich. Denn ein wenig Glück ist im Spiel, je nachdem, was man im tiefen Raum oder bei den Planeten beim Erstbesuch entdeckt. Eine der möglichen Belohnungen ist es, eine seiner Aktionskarten zurückzuerhalten. Dasselbe lässt sich auch über eine (zufällig gezogene) Forschung erreichen.

Aus unserer Sicht sind beides sehr mächtige Funktionen, die einen großen Vorteil verschaffen können. In einer Partie wurde bei mir direkt beides ausgelöst – mit dem Ergebnis, dass ich die nötigen Zielpunkte schon in der zweiten Runde erreicht hatte. Deutlich schneller als alle anderen, weil ich nahezu konkurrenzlos im Raum stand.

Den anderen beiden hat das Spiel – sicher auch, weil es sich an dieser Stelle etwas unausbalanciert anfühlt – nicht ganz so gut gefallen.

🧠 Einstieg, Lernkurve und Spielgefühl

Der Einstieg ist angenehm niedrig. Das Regelwerk ist überschaubar, schnell erklärt und auch für jüngere Mitspielende gut zugänglich. Hier muss niemand erst einen Regelabend überstehen, bevor es losgeht.

Im Gegenzug sollte man wissen, worauf man sich einlässt: Last Light ist ein leichtgewichtiges 4X. Die taktische Tiefe der großen Brocken des Genres erreicht es bewusst nicht – dafür ist man eben in unter einer Stunde durch.

⚡ Tempo und Glück: Der große Reiz und gleichzeitig unser größtes Manko

Genau hier liegt für uns die Stärke des Spiels: das Tempo. Schnell erklärt, schnell gespielt, schicke Tischpräsenz, kaum Wartezeit dank der simultanen Züge. Wer ein 4X-Gefühl für zwischendurch sucht, bekommt hier genau das.

Gleichzeitig ist das auch der Punkt, an dem es bei uns hakt. Der Glücksfaktor bei den Entdeckungen im tiefen Raum und beim Erstbesuch der Planeten kann – in Kombination mit den sehr starken „Aktionskarte zurück“-Effekten – zu Partien führen, die sich nicht ganz ausgewogen anfühlen. Wenn beides zusammenkommt, ist das Rennen mitunter früher entschieden, als allen lieb ist.

🗣️ Stimmen aus der Runde

Hendrik: „Das Tempo und die Optik haben mich sofort abgeholt – ein 4X in unter einer Stunde, das auf dem Tisch was hermacht, ist genau mein Ding. In einer Partie ist mir allerdings direkt beides um die Ohren geflogen: Aktionskarte zurück über die Belohnung und noch einmal über die Forschung. Da war ich nach zwei Runden durch. Spannend ist das dann eher für mich als für den Rest.“

Josef: „Ich finde es stark, wenn man Karten zurückbekommt, aber nicht alle Boni sind gleich gut. Sonst aber eine schöne Spielmechanik.“

Maja: „Die Optik und das Material finde ich richtig spannend gestaltet – das macht schon was her. Nur fühlt sich das Spiel für mich einfach nicht gut ausbalanciert an.“

⭐ Unsere Bewertung ⭐

Zugänglichkeit: 🟢 Hoch Regeln schnell erklärt, niedriger Einstieg, auch für jüngere Mitspielende geeignet.

Tiefe: 🟡 Mittel Bewusst leichtgewichtiges 4X – eher taktisch und flott als tief-strategisch.

Interaktion: 🟡 Mittel Durch die simultanen Züge bleibt die direkte Interaktion in den meisten Fällen übersichtlich.

Downtime: 🟢 Gering Dank gleichzeitiger Züge gibt es kaum Wartezeit – ein klarer Pluspunkt.

Spielspaß: 🟡 Gut Schnell und schick, aber das Glücks- und Balancegefühl trübt den Spaß für einen Teil der Runde.

Wiederspielwert: 🟡 Mittel Variable Völker, Brett und Technologien sprechen dafür, der Glücksfaktor dagegen.

❣️ Gesamtbewertung

👉 3 von 5

Last Light ist ein optisch toller, herrlich schneller Einstieg ins 4X-Genre, der genau das liefert, was er verspricht: ein Raumfahrt-Erlebnis in unter einer Stunde, mit starker Tischpräsenz und niedriger Einstiegshürde.

Warum keine 4? Weil der Glücksfaktor in Kombination mit den sehr mächtigen „Aktionskarte zurück“-Effekten zu unausgewogenen Partien führen kann. Höre ich auf meine Koautoren Josef und Maja, müsste ich deshalb sogar eher eine 2,5 vergeben.

Warum keine 2? Weil das Spiel sein Kernversprechen – schnelles, schickes 4X – wirklich einlöst. Tempo, Material und Zugänglichkeit stimmen, und für die richtige Runde ist das genau das Richtige.

Und sonst?

Gerade in dieser Deluxe-Ausstattung macht das Material ordentlich etwas her. Die haptischen Planeten, die rotierenden Rundplatten und das passgenaue 3D-gedruckte Insert sorgen dafür, dass das Spiel auch optisch und beim Aufbau Eindruck hinterlässt.

Mit der Infinity-Erweiterung und den zusätzlichen Völkern liegt zudem noch reichlich ungenutztes Potenzial in der Box.

Fazit und Ausblick

Für 4X-Fans, die zwischendurch eine schnelle Galaxie-Eroberung suchen, ist Last Light einen Blick wert. Wer ein durchbalanciertes, planbares Strategieerlebnis erwartet, sollte den Zufall im tiefen Raum allerdings einkalkulieren.

Was bei uns noch aussteht: eine Partie in größerer Besetzung sowie ein Ausflug in die zusätzlichen Völker der Infinity-Erweiterung. Beides reichen wir nach, sobald es soweit ist.

ℹ️ Spieleinfos (BGG)

  • Name: Last Light (2023)
  • Designer: Roy Cannaday
  • Illustrationen: Jose David Lanza Cebrian, Clark Miller, Christian Strain
  • Verlag: Grey Fox Games
  • Spielerzahl: 2–4 (Grundspiel; mit Infinity mehr)
  • Spieldauer: 45–75 Minuten
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Komplexität: 2,78 / 5
  • BGG-Wertung: 7,3