Ein zeitloser Euro-Klassiker zwischen Würfelglück und Planungsperfektion

🧭 Übersicht
Nach dem Crowdfunding-Erfahrungsbericht war klar:
Castles of Burgundy bekommt bei uns einen echten Abschlusstest.
➡️ Teil 1 – Gamefound & Premium-Reprint
Seit Frühjahr 2025 liegt die Special Edition nun auf dem Tisch und nicht nur im Regal. Wir haben mehrere Partien zu dritt und zu viert gespielt, unterschiedliche Fürstentümer ausprobiert und erste Erweiterungen getestet.
Und vorweg:
👉 Castles of Burgundy zieht dauerhaft bei uns ein.
🎲 Spielidee & Ablauf (Grundspiel)
Castles of Burgundy von Stefan Feld ist ein klassisches Eurogame:
- Zwei Würfel pro Runde
- Zwei Aktionen pro Zug
- Fünf Phasen à fünf Runden
- Plättchen nehmen, einsetzen, Effekte auslösen
- Waren liefern
- Arbeiter zur Würfelanpassung nutzen
Das Würfelergebnis spannt den Möglichkeitsraum auf.
Man entscheidet nicht ob man Glück hat, sondern wie gut man mit dem Ergebnis arbeitet.
Die zentrale Frage jeder Partie bleibt:
Optimieren oder absichern?
Schnell Punkte oder langfristige Engine?
⏳ Würfel, Planung & Downtime
Was ich besonders mag:
Alle würfeln gleichzeitig.
Man plant bereits, während andere noch überlegen. Downtime verschwindet nicht – aber sie wird produktiv genutzt.
Natürlich passiert es, dass jemand vor einem das entscheidende Plättchen wegschnappt. Dann heißt es: neu denken.
Und genau hier entsteht auch die Interaktion des Spiels: subtil, aber wirkungsvoll. Kein direktes Angreifen, sondern gezieltes Wegnehmen.
(Und ja, Anne nutzt das gerne strategisch gegen mich. Dazu gleich mehr 😉)
Kein Ärger-Spiel.
Kein Chaos.
Sondern taktisches Reagieren.
🧠 „Easy to learn, hard to master“
Die Regeln sind zugänglich.
- Nach einer Partie kennt man den Ablauf.
- Nach zwei Partien erkennt man Synergien.
- Nach drei Partien merkt man, wie viel man noch falsch macht.
Das Spiel wirkt ruhig – aber strategisch enorm tief.
Und genau deshalb steht es seit Jahren so weit oben bei BoardGameGeek.
🏰 Asymmetrie durch Fürstentümer
Bereits im Grundspiel sorgt die Auswahl unterschiedlicher Fürstentümer für leichte Asymmetrie.
Man verfolgt unterschiedliche Schwerpunkte:
- Tierstrategien
- Handelsoptimierung
- Minenfokus
- Burgketten (wobei das vorallem optisch ein Highlight ist)
Die erste Erweiterung mit vier weiteren Fürstentümern bringt hier genau das Richtige:
👉 Mehr Varianz ohne Regelüberladung.
👉 Mehr unterschiedliche Startbedingungen.
👉 Mehr Wiederspielreiz.
Das fühlt sich organisch an und passt hervorragend ins Grundsystem.
🧩 Erweiterungen – unser Stand
Die Special Edition bringt eine ganze Reihe von Modulen mit. Hier unser Zwischenstand:
✔️ Getestet
Weitere Fürstentümer
Mehr Asymmetrie, mehr Abwechslung und daher klare Empfehlung.
Neue Sechseckplättchen
- Zwei neue Klöster (mehr Mechanik, mehr Varianz)
- Der „Kran“ als kleine Kopiermechanik – simpel, aber passend
- Die Gänse bringen frischen Wind in die Tierwelt
Das fügt sich gut ein, ohne das Spiel zu verbiegen.
Weiße Burgen
Diese haben wir von Beginn an mitgespielt – und die Mechanik gefällt uns gut.
Wer eine weiße Burg baut, darf den weißen Würfel einmalig einsetzen. Der Effekt ist vergleichbar mit dem Schlossplättchen: ein spürbarer, aber kontrollierter Boost.
👉 Eine elegante Ergänzung, die sich nahtlos ins Grundspiel einfügt.

🔄 Noch nicht getestet (aber reizvoll)
Grenzposten
8 neue Fürstentümer + zusätzliche Wertungsmechanik. Klingt spannend, steht aber noch aus.
Gasthöfe
Vermutlich eine Art Joker-Mechanik zum Abschließen von Regionen. Eigentlich sehr sinnvoll – kommt bald auf den Tisch.
Handelsstraßen
Könnten den Handel stärker pushen. Da ich bislang kein starker Händler war, vielleicht genau mein Modul 😉
⏳ Derzeit kein Fokus
Teamspiel – aktuell kein Bedarf.
Solospiel – reizt uns momentan nicht.
⚖️ Erweiterungen mit größerem Eingriff
Die Schilde
Verändert laut Beschreibung das Grundspiel deutlich. Aktuell fehlt uns die Motivation für diesen Eingriff.
Chateauma (Weinberge)
Stark verändernd, längere Spieldauer (2+ Stunden). Optisch großartig – das Display und die Acrytiles sehen hervorragend aus. Aber das testen wir nicht „mal eben“.
Hier braucht es bewusst Zeit.
🎨 Material & Spielgefühl
Die Premium-Komponenten helfen dem Spiel.
- Dual Layer Boards verhindern Verrutschen
- Größere Hexes erhöhen Übersicht
- Acrylteile sorgen für Klarheit
- Die Mini-Burgen geben Präsenz
Es spielt sich (vermutlich) nicht anders, aber angenehmer.
Gerade bei einem analytischen Eurogame ist gute Übersicht Gold wert.

⭐️ Unsere Bewertung ⭐️
Zugänglichkeit: 🟢 Hoch
Regeln schnell erklärt, Einstieg problemlos.
Interaktion: 🟡 Mittel
Indirekt, aber spürbar über Plättchenkonkurrenz – und ja, gezieltes „Wegschnappen“ kann durchaus strategisch eingesetzt werden.
Spielspaß: 🟢 Sehr hoch
Hoher Optimierungsreiz, starke Revanche-Motivation.
Wiederspielwert: 🟢 Sehr hoch
Durch Fürstentümer und Module enorm variabel.
Material & Gestaltung (Special Edition): 🟢 Sehr hoch
Hochwertig, funktional, beeindruckend.
💬 Familienmeinungen
Maja:
„Ich mag, dass man immer etwas machen kann – auch wenn man schlecht würfelt.“
Josef:
„Ich liebe die Taktik und den klaren strategischen Fokus. Man kann richtig zielorientiert spielen.“
(Eigentlich genau sein Genre.)
Anne:
„Ich mag es ja schon, dir das Plättchen wegzuschnappen, das du haben wolltest.“
(Anmerkung der Redaktion: Es zahlt sich selten aus, den Mann zu ärgern – wie man am Spielergebnis der letzten Partie sehen kann 😉)
Hendrik:
„Castles of Burgundy ist eines dieser Spiele, die man unterschätzt, bis man merkt, wie elegant alles ineinandergreift.“

❣️ Gesamtbewertung
4,5 von 5 Meeples
Castles of Burgundy ist:
- ein zeitloser Euro-Klassiker
- mit hervorragender Würfelmechanik
- klarer Struktur
- hoher strategischer Tiefe
- und enormem Wiederspielwert
Die Special Edition macht daraus keine Revolution –
aber die vermutlich schönste Version dieses Klassikers.
Warum keine 5 von 5?
Wir spielen häufig zu dritt – und das Spiel ist unseres Erachtens zu viert noch einmal stärker.
Einfach deshalb, weil dann in der Auslage keine Lücken bleiben und gefühlt „alles“ ins Spiel kommt. Die Konkurrenz um Plättchen ist höher, Entscheidungen sind enger, und das Spiel entfaltet seine volle Dynamik.
Zu dritt ist es sehr gut.
Zu viert ist es exzellent.
👉 Das Spiel bleibt dauerhaft in unserer Sammlung.
👉 Weitere Module folgen Schritt für Schritt.
👉 Und vielleicht wagen wir uns doch schneller an Chateauma als gedacht.
ℹ️ Spieleinfos (BGG)
Name: Castles of Burgundy – Special Edition
Designer: Stefan Feld
Verlag: Awaken Realms / alea
Spielerzahl: 1–4
Spieldauer: 70–120 Minuten
Komplexität (BGG): 2,84 / 5
BGG-Wertung: Top 20 All-Time
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