Schlagwort: Asymmetrisches Spiel

Aqualin – Spielbewertung

🐠Wenn Farbe gegen Form antritt

🧭 Übersicht

Feldtest für unsere (eigene) Brettspiel-App. Wir wollten ein paar kurze Spiele für Josef und mich raussuchen, da der Rest der Hügelzelter noch gut eine Stunde weg war ….

Zuvor hatte ich die App der Hügelzelter noch einmal etwas erweitert. Inzwischen sind dort auch unsere bisherigen Artikel mit den Spielen verknüpft. Bei den Spielvorschlägen kann ich damit nun gezielt danach filtern, über welche Spiele wir noch nicht geschrieben haben.

Eine Erweiterung, die natürlich getestet werden wollte.

Der erste Vorschlag der App: Aqualin. Danach sollte noch 7 Wonders Architects folgen.

Beide Spiele standen schon häufiger bei uns auf dem Tisch, schlummerten inzwischen aber zugegebenermaßen eine ganze Weile unbeachtet im Regal. Also haben wir uns auf die Empfehlung eingelassen.

Und bei Aqualin musste ich zunächst tatsächlich überlegen.

Ich wusste gar nicht mehr so richtig, wo das Spiel überhaupt herkam. Natürlich war mir die kleine Schachtel im Regal immer wieder aufgefallen, aber eine konkrete Erinnerung an eine Partie hatte ich nicht mehr. Im Zweifel hätte ich sogar behauptet:

Das haben wir noch gar nicht gespielt.

Offenbar eher ein Problem meines Namensgedächtnisses.

Denn kaum war die Schachtel geöffnet, kamen die Erinnerungen zurück. Vor allem die schönen, schweren Spielsteine kamen mir sofort bekannt vor. Sie wirken fast wie kleine Steine oder Fliesen – vermutlich Acryl beziehungsweise ein ähnlich hochwertiger Kunststoff – und machen haptisch auf jeden Fall einiges her.

Und auch die Spielidee war plötzlich wieder präsent.

Aqualin ist ein kleines, abstraktes Zwei-Personen-Spiel, bei dem beide Spieler auf demselben Spielfeld und sogar mit denselben Steinen spielen – aber vollkommen unterschiedliche Ziele verfolgen.


⚙️ Spielmechanik

Auf jedem Spielstein befinden sich gleich zwei Merkmale:

  • eine Farbe
  • und ein Motiv aus der Meereswelt

Der Clou dabei: Ein Spieler versucht, möglichst große Gruppen gleicher Farben zu bilden. Der andere sammelt dagegen möglichst große zusammenhängende Gruppen gleicher Meerestiere beziehungsweise Symbole.

Damit verfolgen beide Spieler auf demselben Spielbrett unterschiedliche Ziele.

In jedem Zug darf zunächst ein bereits ausliegender Stein horizontal oder vertikal verschoben werden. Anschließend wird einer der offen ausliegenden Steine genommen und auf ein freies Feld gelegt.

Immer sechs Steine stehen zur Auswahl. Wird einer davon verwendet, rückt ein neuer nach.

Dadurch gibt es durchaus einen kleinen Glücksfaktor. Viel wichtiger ist aber, was man aus dem vorhandenen Angebot macht.

Denn nahezu jeder Zug verändert gleichzeitig die eigenen Möglichkeiten und die des Gegners.

Vielleicht verschiebe ich einen Stein, um meine eigene Gruppe zu vergrößern. Vielleicht geht es mir aber auch nur darum, Josefs schöne Dreier- oder Vierergruppe auseinanderzureißen.

Und meistens versucht man natürlich beides gleichzeitig.

Das sorgt für erstaunlich viel direkte Interaktion.

Gerade weil kein Stein eindeutig einem Spieler gehört, entstehen ständig kleine Zielkonflikte: Ein für mich hervorragend passender Stein kann gleichzeitig genau das Symbol besitzen, das Josef gerade benötigt.

Oder umgekehrt.


🎨 Farbe oder Form?

Bei uns war schnell geklärt, wer welche Aufgabe übernimmt.

Da Farben bekanntlich nicht unbedingt meine Paradedisziplin sind und Aqualin keinen speziellen Modus für Farbfehlsichtigkeit besitzt, habe ich mich für die Symbole entschieden.

Das passt ohnehin besser zu mir.

Ich sortiere meine Bücher schließlich auch nach Autor, Thema und Inhalt – und nicht nach der Farbe des Buchrückens.

Auch wenn ich eine solche Sortierung innerhalb unserer Familie tatsächlich schon einmal gesehen haben soll.

Theoretisch herrscht bei Aqualin natürlich Chancengleichheit.

Da Josef die Partie allerdings gewonnen hat, möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich festhalten, dass ich grünblind bin.

Man muss Niederlagen schließlich einordnen können.

Josef sieht das naturgemäß etwas anders.


⭐️ Unsere Bewertung ⭐️

Zugänglichkeit: 😄 Hoch – Die Regeln sind schnell erklärt und nach wenigen Zügen vollständig verstanden.

Interaktion: 🤩 Sehr hoch – Fast jeder Zug beeinflusst auch die Pläne des Gegners. Man baut ständig selbst auf und gleichzeitig beim anderen wieder ab.

Spielspaß: 😄 Hoch – Ein schönes kleines Duell mit erstaunlich vielen Entscheidungen.

Wiederspielwert: 😄 Hoch – Durch die zufällige Auswahl der Steine und das gemeinsame Spielfeld entwickelt sich jede Partie etwas anders.

Gestaltung: 😄 Hoch – Die massiven Spielsteine fühlen sich gut an und passen hervorragend zum abstrakten Spielprinzip.

Glücksfaktor: 🙂 Niedrig bis mittel – Welche Steine nachkommen, lässt sich nicht beeinflussen. Da aber immer sechs Steine zur Auswahl stehen, bleibt genügend Raum für eigene Entscheidungen.


💬 Familienmeinung

Hendrik:

„Schönes kleines Zwei-Personen-Spiel. Kaum Regeln, schnell gespielt und trotzdem steht man sich permanent gegenseitig im Weg. Mir hat es nach der langen Pause wieder richtig Spaß gemacht.

Und wegen der Niederlage möchte ich noch einmal ausdrücklich auf meine Farbfehlsichtigkeit hinweisen.“

Josef:

„Mal wieder den Herrn Vater abgezogen. Und die Farben sind unterschiedlich genug – keine Ausreden hier.“

Maja:

„Ach ja, Aqualin. Das würde ich auch gern mal wieder spielen.“


📊 Unsere Partie in Zahlen

Partien für diesen Artikel: 1
Spielzeit: ca. 20 Minuten
Sieger: Josef

Wobei diese eine Partie nicht unsere erste Begegnung mit Aqualin war. Das Spiel war früher durchaus häufiger auf dem Tisch – nur offenbar lange genug nicht mehr, dass zumindest ich es gedanklich beinahe als ungespielt einsortiert hätte.

Die App hat ihren ersten Test damit jedenfalls bestanden:

Ein vergessenes Spiel wieder aus dem Regal geholt.

Genau dafür war die neue Filterfunktion gedacht.


❣️ Gesamtbewertung

4 von 5 Meeples

Aqualin erfindet das abstrakte Zwei-Personen-Spiel nicht neu, kombiniert aber einige sehr schöne Ideen.

Besonders gefällt mir, dass beide Spieler dieselben Steine auf demselben Spielfeld benutzen und trotzdem vollkommen unterschiedliche Ziele verfolgen. Dadurch entsteht fast automatisch eine starke Interaktion.

Man arbeitet ständig am eigenen Punktestand und zerstört gleichzeitig die Pläne des anderen.

Dazu kommen eine kurze Spielzeit von rund 20 Minuten und Regeln, die praktisch sofort verstanden sind.

Genau die Art Spiel also, die man am Abend schnell aus dem Regal ziehen kann, ohne erst wieder eine halbe Stunde Regeln zu lesen.

Und offenbar auch genau die Art Spiel, die man nach längerer Pause problemlos vergessen kann – bis man die Schachtel öffnet und sofort wieder weiß, warum sie überhaupt im Regal steht.

Hat Spaß gemacht. Kommt diesmal hoffentlich etwas früher wieder auf den Tisch.


ℹ️ Spielinfos

Name: Aqualin

Autor: Marcello Bertocchi

Grafik: Sophie Rekasowski

Verlag: KOSMOS

Erscheinungsjahr: 2020

Spielart: Abstraktes Zwei-Personen-Spiel / Tile Placement / Set Collection

Spielerzahl: 2 Spieler

Spieldauer: ca. 20 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Komplexität bei BoardGameGeek: 1,52 von 5

BGG-Bewertung: 6,94

BGG-Rang: #2430

Mechaniken: Grid Movement, Set Collection, Square Grid, Tile Placement

BoardGameGeek-Daten: Stand 10. September 2026

The Voynich Puzzle – Spielbewertung

Zwischen Rätsel, Eurogame und Kettenreaktion

🧭 Übersicht

Am 26.08.2025 bin ich auf The Voynich Puzzle bei Gamefound gestoßen – und habe den Beschreibungstext wohl… sagen wir mal: kreativ interpretiert.

„Puzzle“, „Secret“, „Manuskript entschlüsseln“ – in meinem Kopf war sofort klar:

👉 Das wird ein Rätselspiel.

Und damit eigentlich ein perfektes Geschenk für Maja, die nicht nur Rätsel liebt, sondern selbst regelmäßig Spiele in diesem Genre entwickelt

Dazu war die Optik stark, das Thema irgendwie spannend und Preis mit rund 40 € absolut im Rahmen. Ich bin also in die Kampagne eingestiegen.

Und Lieferung vor Weihnachten? Perfekt.

Das Spiel basiert auf dem sogenannten Voynich-Manuskript – einem literarischen ungelösten Rätsel der Geschichte.

Entdeckt wurde es 1912 vom Antiquar Wilfrid Voynich, der Schöpfer ist bis heute unbekannt, ebenso die Sprache und der tatsächliche Inhalt des Textes.

👉 Wer tiefer in die Geschichte eintauchen möchte: Dazu folgt bei uns noch ein separater Offtopic-Artikel.

📦 Kampagne & erster Eindruck

Das Spiel kam tatsächlich pünktlich im Dezember an und landete direkt unter dem Weihnachtsbaum.

Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten:

👉 Das ist kein Rätselspiel.

🤯 Erwartung vs. Realität

Relativ schnell wurde klar:

👉 The Voynich Puzzle ist ein waschechtes Eurogame.

Und zwar kein leichtes.

Sondern ein Engine-/Machine-Builder, der es in sich hat.

Mein erster Kommentar dazu in einer Discord-Gruppe in der Rubrik „gespielt“ war dann auch:

👉 „Kettenreaktion – das Spiel.“

Denn genau das beschreibt es ziemlich gut.

⚙️ Spielidee & Ablauf

Zu Beginn wirkt alles noch überschaubar:

  • In Runde 1 setzt man wenige Marker
  • danach entfaltet sich das System immer weiter

Die „Meeple“ sind dabei thematisch eingebettet:

  • Wassertropfen
  • Blätter
  • Sterne
  • Buchseiten / Schrift

Und jede Aktion kann weitere Aktionen auslösen.

👉 Klassischer Engine Builder mit sehr starker Dynamik.

👉 unbekannte Schrift

Gespielt wird auf fünf Aktionsfeldern, die unterschiedliche Bereiche des Manuskripts darstellen.

Auf einem sechsten Bereich entsteht nach und nach das eigentliche Herzstück:

👉 das Voynich Puzzle

📖 Das Thema – mehr als nur Kulisse

Hier spielt das Spiel eine seiner größten Stärken aus.

Es basiert auf dem realen Voynich-Manuskript – einem ungelösten Rätsel der Geschichte.

👉 ungeklärter Inhalt und Author

👉 Illustrationen zwischen Botanik, Anatomie und Alchemie

Und genau dieses Gefühl transportiert das Spiel erstaunlich gut.

📚 Zusatz: Das echte Manuskript

Die Faszination ging bei uns sogar so weit, dass ich mir zusätzlich das Buch:

„Das Voynich-Manuskript – The Complete Edition“ zugelegt habe.

👉 Das wertet das Spielerlebnis tatsächlich noch einmal auf. (Rede ich mit ein 😉)

Man versteht zumindest besser, woher die Ideen kommen und entdeckt Parallelen zwischen Spiel und Vorlage.

🎲 Unsere Spielerfahrung

Die ersten Partien waren… ausbaufähig.

Grund:

👉 Regeln nur auf Englisch und Spanisch

👉 Zwar Maja liest regelmäßig aus den spanischen Regeln vor 😄, aber wir brauchten erst ein paar Testspiele um alles zu verinnerlichen.

Mit der Zeit lief es dann deutlich runder.

Und dann kam eine wichtige Partie:

👉 Hendrik: 497 Punkte: Die Punkte können ganz schön eskalieren.

👉 Maja & Josef: deutlich weniger

(Details werden hier bewusst nicht weiter ausgeführt und sollen unter Verschluss bleiben … hier wurde ich überstimmt)

🤝 Interaktion & Dynamik

Ein Punkt, den wir anders eingeschätzt haben:

👉 Die Interaktion ist deutlich stärker als gedacht.

Man spielt hier eben nicht nebeneinander, sondern miteinander und gegeneinander zugleich:

  • Puzzle-Teile anderer Spieler werden aktiv mitgenutzt
  • Aktionen können Punkte für Mitspieler auslösen
  • gelegte Elemente anderer werden Teil der eigenen Engine

Das führt zu einem spannenden Wechselspiel:

👉 Unterstütze ich dich gerade oder profitiere ich selbst mehr?

⏳ Downtime & Entscheidungsdruck

Diese starke Verzahnung hat allerdings auch eine Kehrseite:

👉 Die Downtime ist spürbar erhöht.

Warum?

  • Felder werden vor der eigenen Nase belegt
  • gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten
  • Kettenreaktionen verändern die Lage ständig

Das führt dazu, dass man seinen Zug häufig komplett neu denken muss.

Gerade in den späteren Runden wird das anspruchsvoll – aber auch reizvoll.

💬 Maja: „Eigentlich plane ich meinen Zug und dann macht jemand vor mir irgendwas und alles ist wieder anders.“

💬 Hendrik: „Man hat einen Plan und dann kommen zwei Kettenreaktionen und plötzlich gibt es drei bessere Optionen.“

💬 Josef: „… und das führt dann zu recht viel Downtime“

⚖️ Material & Mechanik

Material:

Solide bis gut, thematisch passend und für die Preisgestaltung absolut angemessen.

Highlight:

👉 Das persönliche Manuskript jedes Spielers

Jeder stellt sich sein eigenes „Buch“ aus zufälligen Seiten zusammen.

➡️ Dadurch entsteht eine asymmetrische Ausgangslage

Kritischer Punkt:

👉 Wie fair ist diese Verteilung?

Unser Eindruck:

  • teilweise sehr unterschiedliche Startvoraussetzungen
  • Glück spielt eine gewisse Rolle

Für ein Eurogame nicht ungewöhnlich, aber spürbar.

💬 Stimmen vom Tisch

Josef: „Die Karten sind zu glücksabhängig – gerade für ein Eurogame.“

Maja: „Ich finde die Kettenreaktionen richtig cool … wenn es klappt. Und das Thema ist schön umgesetzt.“

Hendrik: „Wenn die Engine einmal läuft, fühlt sich das richtig gut an – dafür ist das Spiel recht abrupt zu Ende.“

⭐ Unsere Bewertung ⭐

Zugänglichkeit: 🟡 Mittel: Regeln brauchen Zeit, Einstieg nicht trivial.

Tiefe: 🟢 Hoch: Viele Wege, viele Kombinationen.

Interaktion: 🟢 Hoch: Stark verzahntes System mit gegenseitiger Nutzung.

Downtime: 🟡 Erhöht: Neue Optionen erfordern ständiges Umdenken.

Spielspaß: 🟢 Hoch: Vor allem, wenn die Engine zündet.

Wiederspielwert: 🟢 Gut: Durch variable und asymetrische „Bücher“ ergeben sich immer neue Strategien.

❣️ Gesamtbewertung

👉 4 von 5 Meeples

The Voynich Puzzle ist kein Rätselspiel – auch wenn es zunächst so wirkt.

Es ist ein anspruchsvolles Eurogame mit starker Verzahnung und ungewöhnlichem Thema.

Nicht perfekt ausbalanciert – aber:

👉 atmosphärisch

👉 eigenständig

👉 und definitiv etwas Besonderes

ℹ️ Spieleinfos (BGG)

Name: The Voynich Puzzle

Designer: Dani Garcia

Illustrationen: Jorge Tabanera Redondo

Verlag: Salt & Pepper Games

Spielerzahl: 1–4

Spieldauer: 90–120 Minuten

Komplexität: 3,85 / 5

BGG-Wertung: 7,8