🧭 Übersicht
Zurück in die Kindheit, diesmal in 3D
Manche Spiele begleiten einen über Jahrzehnte. Das verrückte Labyrinth ist für uns eines davon.
Schon in meiner eigenen Kindheit habe ich den Klassiker von Ravensburger mit meinen Eltern und Geschwistern gespielt. Später stand das Spiel dann mit unseren eigenen Kindern auf dem Tisch. Und inzwischen finden sich gleich zwei Varianten in unserem Spieleregal: das klassische Labyrinth und eine Star-Wars-Ausgabe.
Gerade aus unseren Familienurlauben gibt es noch jede Menge Fotos, auf denen Maja und Josef in jungen Jahren durch die verschiebbaren Gänge irren. Anfangs noch mit vereinfachten Regeln, später in der normalen Variante. Und nachdem ich Josef mit LEGO Star Wars erfolgreich ins Star-Wars-Universum gezogen hatte, durfte natürlich auch das passende Labyrinth nicht fehlen.

Entsprechend viele schöne Erinnerungen verbinden wir mit diesem Spiel.
Als Awaken Realms nun eine aufwendig produzierte Premiumausgabe ankündigte, war mein Interesse sofort geweckt. Ein dreidimensionales Labyrinth, hochwertige Miniaturen und zusätzlich eine kooperative Kampagne? Das klang ausgesprochen verlockend.

Auf einer der vergangenen Spielemessen konnte ich mir das beeindruckende 3D-Labyrinth bereits ansehen. Spätestens da war ich ein wenig angefixt.
Dabei war das ursprüngliche Labyrinth bei uns schon länger nicht mehr auf den Tisch gekommen. Die Kinder waren dem Spiel inzwischen vielleicht etwas entwachsen.
Aber das muss einen ja nicht davon abhalten, sich eine besonders schöne Ausgabe zuzulegen.
🚀 Express Crowdfunding – Ausnahmsweise ohne lange Wartezeit
Ein bisschen bin ich noch um die Gamefound-Kampagne herumgetanzt. Allerdings nicht besonders lange.
Eine Besonderheit war das sogenannte Express Crowdfunding. Awaken Realms hatte bereits 5.000 englischsprachige Exemplare produziert und für den Versand vorbereitet. Statt der sonst üblichen Wartezeit von ein oder zwei Jahren sollte das Spiel also unmittelbar nach Kampagnenabschluss ausgeliefert werden.
Für mich war das ausgesprochen attraktiv.
Ich entschied mich für die englischsprachige Ausgabe mit Sundrop-Finish, also bereits optisch aufgewerteten Miniaturen. Gleichzeitig blieb mir damit die Versuchung erspart, noch allerlei Erweiterungen und zusätzliches Material zu bestellen.
Vielleicht war das sogar ganz gut so. Wer meine Crowdfunding-Gewohnheiten kennt, weiß, dass ich mich bei solchen Kampagnen nicht immer besonders gut zurückhalten kann.
Und Englisch? Das sollte mit den inzwischen deutlich älteren Kindern nun wirklich kein Problem mehr sein.
Die Lieferung erfolgte tatsächlich erfreulich schnell. Nur auf unserem Spieltisch musste sich Labyrinth Chronicles noch etwas gedulden. Der übliche Spiele-Backlog eben.
⚙️ Spielmechanik – Ein Labyrinth wird kooperativ
Zunächst haben wir die neue Ausgabe mehrfach in der klassischen Variante gespielt. Auch mit anderen Gästen, denn dieses dreidimensionale Labyrinth eignet sich hervorragend, um zu zeigen, was man aus einem altbekannten Familienspiel mit ausreichend Kunststoff und Produktionsbudget machen kann.
Für eine Rezension wollten wir allerdings unbedingt auch die neue Kampagne durchgespielt haben.
Und so haben wir uns schließlich gemeinsam in das Labyrinth gewagt. Kooperativ.

Das klingt zunächst vielleicht ein wenig merkwürdig. Schließlich kennen wir Labyrinth als klassischen Wettbewerb, bei dem sich die Mitspieler gegenseitig die Wege verbauen.
Doch das neue Konzept funktioniert erstaunlich gut.
Im Mittelpunkt steht eine kleine Fantasygeschichte rund um einen verfluchten Drachen und ein beschädigtes Dorf. Wir müssen Ressourcen sammeln, beim Wiederaufbau helfen und die Unterstützung der Bewohner gewinnen, um schließlich den Goblins entgegenzutreten und den Fluch zu brechen.
Das bekannte Spielprinzip bleibt dabei erhalten: Wir schieben die Labyrinthteile in das Spielfeld und verändern damit fortlaufend die möglichen Wege.
Hinzu kommen einige neue Elemente:
🟦 Kooperative Aufgaben
Statt gegeneinander um Schätze zu kämpfen, verfolgen wir gemeinsame Ziele. Dabei müssen wir unsere Wege und Aktionen aufeinander abstimmen.
🟧 Goblins
Die kleinen Störenfriede tauchen im Labyrinth auf und versuchen, uns die gesammelten Schätze wieder abzunehmen.
🟥 Würfelmechanik
Durch Würfelereignisse erscheinen neue Gegner oder das Labyrinth verändert sich. Das sorgt für zusätzliche Bewegung und macht unsere Planung gelegentlich zunichte.
🟪 Dorfentwicklung
Im Verlauf der Kampagne bauen wir das beschädigte Dorf wieder auf, lernen neue Bewohner kennen und erhalten zusätzliche Fähigkeiten und Unterstützung.
Das klingt zunächst nach einer ganzen Menge. Tatsächlich fügt sich alles erstaunlich harmonisch in das vertraute Spielprinzip ein.
🧪 Unsere Partien – Drei Abende im Labyrinth
Wir haben die Kampagne über mehrere Abende vollständig durchgespielt. Dabei blieb das Spiel zwischen den Partien einfach aufgebaut stehen.
Das Material ist hervorragend. Die dreidimensionalen Mauern sehen fantastisch aus, die Miniaturen machen auch etwas her und das gesamte Spiel wirkt ausgesprochen hochwertig.
Vor allem aber hat uns gefallen, wie gut sich die neuen Ideen in das klassische Labyrinth einfügen.
Natürlich wird daraus kein hochkomplexes Kampagnenspiel. Das soll es aber auch gar nicht sein.
Die Geschichte ist nett erzählt, die Aufgaben sind abwechslungsreich genug und der Schwierigkeitsgrad bleibt angenehm überschaubar. Besonders die Würfelereignisse, durch die plötzlich Goblins auftauchen oder sich das Labyrinth verändert, haben uns gut gefallen.
Unsere drei dokumentierten Partien dauerten durchschnittlich 100 Minuten und damit deutlich länger als die angegebenen 60 Minuten. Gestört hat uns das allerdings nicht.

Wir hatten unseren Spaß. Und irgendwie war es auch schön, noch einmal gemeinsam durch die verschiebbaren Gänge zu ziehen, durch die wir schon vor vielen Jahren gelaufen sind.
Nur mit deutlich mehr Kunststoff auf dem Tisch.
💬 Stimmen aus der Runde
Maja – 8/10
Konstant begeistert: In allen drei Partien vergab Maja 8 von 10 Punkten.
Josef – 7/10, 7/10 und 8/10
Auch Josef hatte seinen Spaß und steigerte seine Wertung im Verlauf der Kampagne.
Hendrik – 8/10, 8/10 und 7/10
Eine wunderschöne Neuinterpretation eines Klassikers. Mit etwas jüngeren Kindern hätte mir die Kampagne vermutlich noch besser gefallen.
⭐️ Unsere Bewertung
| Kategorie | Wertung |
|---|---|
| Zugänglichkeit | 🟢 Hoch – bekannte Mechanik, überschaubare neue Regeln |
| Interaktion | 🟢 Hoch – gemeinsame Planung und Abstimmung stehen im Mittelpunkt |
| Spielspaß | 🟢 Hoch – schöne Kampagne mit abwechslungsreichen Aufgaben |
| Wiederspielwert | 🟡 Mittel – die Kampagne dürfte für uns einmalig bleiben, das klassische Labyrinth nicht |
| Gestaltung | 🟢 Hervorragend – beeindruckendes 3D-Labyrinth und fantastische Komponenten |
❣️ Gesamtbewertung
4 von 5 Meeples
Nach Abschluss der Kampagne blieb bei uns vor allem ein Gedanke hängen:
Hätten wir dieses Spiel doch schon fünf Jahre früher gehabt!
Mit etwas jüngeren Kindern wäre Labyrinth Chronicles vermutlich ein absoluter Volltreffer gewesen. Die Geschichte, die schönen Komponenten und die gemeinsamen Abenteuer hätten damals genau unseren Geschmack getroffen.
Auch heute hatten wir viel Freude daran. Unsere Bewertungen zwischen 7 und 8 Punkten spiegeln das wider.
Für Familien mit jüngeren Kindern können wir die Kampagne daher durchaus empfehlen. Allerdings würden wir in diesem Fall zur deutschen Ausgabe greifen. Unsere englische Version funktioniert für uns problemlos, würde bei jüngeren Mitspielern aber regelmäßiges Übersetzen erfordern.
Ob wir die Kampagne noch einmal spielen werden? Vermutlich eher nicht. Aber die wunderschöne Premiumausgabe des klassischen Labyrinths bleibt uns ja erhalten.
Und vielleicht war das ohnehin das Schönste an diesen Abenden: Noch einmal gemeinsam durch dieselben verschiebbaren Gänge zu ziehen, durch die ich schon als Kind gelaufen bin und in denen später unsere eigenen Kinder ihre ersten Schätze gesucht haben.
Manchmal ist ein Spiel eben mehr als nur ein Spiel.
ℹ️ Spieleinfos
Titel: Labyrinth Chronicles
Verlag: Awaken Realms / Ravensburger
Designer: Max J. Kobbert, Jan Truchanowicz
Erscheinungsjahr: 2026
Spieltyp: Kooperatives Familienspiel, Kampagnenspiel, Schiebelabyrinth
Spielerzahl: 2–4
Spieldauer: 60 Minuten (unsere Partien: durchschnittlich 100 Minuten)
Alter: ab 8 Jahren
Komplexität: 1,83/5 (BGG)
BGG-Rating: 8,09 (Stand: 27. September 2026)
Finanzierung: Gamefound – Express Crowdfunding
Unsere Testpartien: 3. und 4. Oktober 2026, drei Spieler, drei Partien, durchschnittlich 100 Minuten.
Unsere Durchschnittswertung: 7,7 von 10 Punkten aus neun Einzelbewertungen.
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